Professionelle Proviantierung für Ihren Törn, Teil 1: Die Vorbereitung

11.06.2014 |  Von  |  Allgemein, Schiff
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Professionelle Proviantierung für Ihren Törn, Teil 1: Die Vorbereitung
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Sie können es vielleicht selbst kaum glauben, aber ein Traum wird wahr: Sie haben sich ein hochseetaugliches Boot geleistet und planen nun Ihren ersten wirklich weiten Törn – vielleicht sogar in die Karibik? Nun müssen Sie das erste Mal auch eine längere Proviantierung der Crew ins Auge fassen – und dabei gibt es eine Menge zu bedenken.

Unsere Check-Liste zeigt die wichtigsten Aspekte Ihrer kulinarischen Planung auf, damit auch Gourmets auf hoher See auf ihre Kosten kommen. Dabei werden Sie viele Tipps finden, die auch bei der Vorbereitung kürzerer Bootstouren hilfreich sind.



Dies ist ein Bericht in zwei Teilen zum Thema „Professionelle Proviantierung für Ihren Törn“. Hier das Inhaltsverzeichnis:

Teil 1: Die Vorbereitung

Teil 2: An Bord

1. Wer fährt mit?

Von den Vorlieben der Mannschaft hängt auch der Proviant ab. Fragen Sie die Crewmitglieder in spe vor allem nach deren Abneigungen (um alle Vorlieben zu erfüllen, müssten Sie ihr Boot in ein Kreuzfahrtschiff verwandeln), statt sich nur auf Proviantlisten anderer Karibikfahrer zu verlassen. Dabei ist zu unterscheiden zwischen Präferenzen und gesundheitlichen Erwägungen. Allergien zum Beispiel verschwinden nicht einfach bei Meereskontakt. Vegetarier sind allerdings auch nicht bereit, plötzlich Fische zu essen, nur weil sie sie selbst aus dem Meer angeln können.



Eine andere Frage ist die Verwendung von Fertiggerichten, die keiner Kühlung bedürfen, wie etwa Dosen oder Pulver. Dieses „Convenience Food“ ist einerseits ungeheuer praktisch und Sie sind gut beraten, eine Auswahl davon dabeizuhaben. Die Frage ist nur: Wollen Sie dennoch ein Tiefkühlgerät an Bord haben? In diesem können Sie einerseits nicht nur mitgenommene vitaminreiche Lebensmittel unterbringen, sondern auch gefangene Fische für einen späteren Verzehr einfrieren. Allerdings: Auch wenn es sehr ergonomische Tiefkühler für den Bootsgebrauch gibt, diese Geräte nehmen Platz weg und sind Energiefresser. Das will wohlüberlegt sein.

2. Was essen Sie zu Hause?

Gehen Sie unterwegs nur begrenzt Experimente ein, wenn es um die Bestückung der Vorratskammer geht. Sie werden in Häfen genug Abenteuer für den Gaumen geboten bekommen. Dies gilt vor allem, wenn Sie kleinere Kinder dabeihaben, die Sie mit einer „kulinarischen Routine“ bei all den sich täglich verändernden Rahmenbedingungen ein wenig erden können.

Bleiben Sie auch realistisch: Wenn Sie zu Hause nicht oft Menüs kochen, werden Sie es an Bord noch weniger tun. Zwar haben Sie Ferien, aber es ist nicht die Sorte, in der Sie (ausser lesen) das tun werden, was Sie schon immer mal tun wollten, wenn die Zeit es erlaubt. Es wird immer bessere Dinge zu tun geben, als komplizierte Rezepte auszuprobieren.

Einzige Ausnahme: Gewöhnen Sie sich an, frisches Brot oder knusprige Brötchen selbst zu backen. Hier lohnt es sich wirklich, vorab zu Hause ein einfaches, schnell gezaubertes Rezept mit wenig Zutaten auszuprobieren – denn nichts ist schöner als ein Frühstück an Deck mit frischen, einheimischen Früchten und lecker duftendem Brot.





Gewöhnen Sie sich an, frisches Brot selbst zu backen. (Bild: Africa Studio / Shutterstock.com)

Gewöhnen Sie sich an, frisches Brot selbst zu backen. (Bild: Africa Studio / Shutterstock.com)

3. Führen Sie Buch



Am besten schreiben Sie in der Planungsphase auf, was Sie und Ihre Familie zu Hause über einen dem Ferienzeitraum entsprechenden Zeitabschnitt essen – und gleich auch noch, was Sie an Toilettenartikeln verbrauchen. So müssen Sie die Lebensmittelmengen nicht über den Daumen peilen, sondern haben verlässliche, „statistische“ Werte, mit denen Sie planen können.

Berücksichtigen Sie bei der Planung, dass es die meisten Basics überall auf der Welt gibt, selbst wenn Verpackung und Qualitäten andere sind. Reis, Bohnen, Getreide, Milchprodukte, frische Früchte und Gemüse bekommen Sie in jedem Hafen, mag er auch noch so klein und exotisch sein. Konzentrieren Sie sich beim Einkauf also lieber auf Lebensmittel, die eher nicht zu haben sein werden, als auf die typischen „haltbaren“ Vorratsdosen. In Internetforen finden Sie häufig Tipps von ausgewanderten Schweizern, wenn es um Lieblingsleckereien geht, die absolut nicht an Ihrem karibischen Traumziel zu bekommen sind.

Eine Ausnahme von dieser Regel besteht, wenn Sie kleine, einsam gelegene Inseln anfahren wollen, die keine eigene Landwirtschaft haben und selbst auf Fährversorgung angewiesen sind. Diese kann aufgrund von Wetterverhältnissen oder unvorhergesehenen Vorkommnissen ausfallen. In diesem Fall ist es eine gute Idee, für eine gewisse Anzahl von Tagen einen Full-Time-Essensplan aufgestellt zu haben, mit dem Sie Ihre Crew auch vollständig mit den an Bord befindlichen Vorräten versorgen können.

4. Berücksichtigen Sie die Haltbarkeit

Grundsätzlich lassen sich Lebensmittel hinsichtlich ihrer Mindesthaltbarkeit in drei Kategorien einteilen. Jede sollte bei der Proviant-Planung berücksichtigt werden, indem Sie Ihre abgefragte Lebensmittelliste entsprechend markieren und so einen Speiseplan erstellen können, der frische Produkte mindestens bis zum ersten Hafen, lange haltbare aber bis zum Ende der Fahrt mit einplant. Die drei Kategorien umfassen:



  • verderbliche Lebensmittel wie frische Früchte und Gemüse, Fisch, Fleisch und Milchprodukte
  • Lebensmittel mit relativ kurzer Haltbarkeit nach Öffnung, die geschlossen aber eine Weile länger haltbar sind, wie Mayonnaise, Dressings, hocherhitzte Milch in Tetrapacks, haltbarer Saft in Tetrapacks, Gewürze, Müsli etc.
  • lange haltbare Lebensmittel wie Mehl, Zucker, Salz, Pasta und pulverisierte Produkte.

 

Oberstes Bild: Die Proviant-Planung für den Hochsee-Törn ist eine kulinarische Herausforderung. (© bikeriderlondon / Shutterstock.com)



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