Berufe in der Autobranche (Teil 2): Automechaniker / Automechatroniker – ein Händchen für Automobile

11.06.2015 |  Von  |  Allgemein, Auto, LKW
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Berufe in der Autobranche (Teil 2): Automechaniker / Automechatroniker – ein Händchen für Automobile
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Der Automechaniker gehört zu den bekanntesten und klassischsten Berufen, der hierzulande im Fahrzeugbau als Lehrberuf erlernt werden kann. Die Wartung und Reparatur von Personen- oder Nutzfahrzeugen steht bei diesem Berufsbild im Vordergrund, wobei sich der ausgebildete Automechaniker auf bestimmte Baureihen oder Hersteller spezialisieren kann.

Durch den wachsenden Anteil an Elektronik in modernen Kraftfahrzeugen haben sich die Anforderungen an das Berufsbild gewandelt, weshalb heute offiziell die Bezeichnung Automechatroniker bevorzugt wird. Im zweiten Teil unserer Serie über Berufe in der Autobranche soll gezeigt werden, wie viel mechanische Arbeit noch geblieben ist und welche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ausbildung zu erfüllen sind.

Die Aufgaben des Automechanikers früher und heute

Noch vor wenigen Jahrzehnten war der Anteil an Elektronik in Kraftfahrzeugen eher gering. Die Batterie wurde vor allem zum Anlassen des Fahrzeugs benötigt. Bremsen, Getriebe und alle weiteren Fahrzeugkomponenten waren mechanische Bauteile, deren Wartung und Reparatur ausschliesslich handwerkliches Geschick und technische Grundkenntnisse voraussetzte.

Genau dies spiegelte sich im Berufsbild des Automechanikers wider, der die gesamte Mechanik eines Kraftfahrzeugs versteht und bei Prüf- und Wartungsarbeiten zur schnellen Lösung auftretender Probleme beiträgt. Anschliessend ist er für die Reparatur aller mechanischen Teile eines Automobils zuständig, um dieses wieder in einen einwandfrei nutzbaren Zustand zu versetzen.

Diese grundlegenden Anforderungen an den Automechaniker haben sich bis heute nicht geändert. Viele Komponenten wie Bremsen oder Stossdämpfer sind weiterhin mechanische Bauteile, die in Personen- oder Lastkraftwagen eingesetzt werden und einem stetigen Verschleiss unterliegen. Die Überprüfung dieser Fahrzeugkomponenten findet weiterhin ohne elektrisches Prüfwerkzeug statt, sondern setzt einen geschulten Blick auf den mechanischen Charakter der Teile voraus.

Unabhängig hiervon sind jedoch zahlreiche elektronische Komponenten in modernen Kraftfahrzeugen zu finden, die zusätzliche Fähigkeiten vom klassischen Automechaniker verlangen. Selbst wer diesen Beruf vor einigen Jahren oder Jahrzehnte erfolgreich erlernte, wird im praktischen Arbeitsalltag vor Herausforderungen mit immer neuen elektronischen Komponenten gestellt.


Bremsen reparieren - eine traditionelle Aufgabe des Automechanikers. (Bild: © baranq - shutterstock.com)

Bremsen reparieren – eine traditionelle Aufgabe des Automechanikers. (Bild: © baranq – shutterstock.com)


Was ein guter Automechaniker weiterhin beherrschen sollte

Beim Betrieb eines KFZ fallen Hunderte mechanische Abläufe an, die unabhängig von der elektronischen Steuerung oder Regulierung der Fahrzeugtechnik erfolgen. Ein Automechaniker bringt nach erfolgreicher Berufsausbildung umfassende Kenntnisse zu all diesen Abläufen mit und ist in der Lage, Probleme und Fehlerquellen der einzelnen Komponente zu benennen.

Wird ein Austausch der mechanischen Teile notwendig, führt er dies mit klassischem oder elektronischem Werkzeug durch und versetzt das Automobil wieder in einen nutzbaren Zustand. Zu den mechanischen Komponenten des Fahrzeugs gehören beispielsweise Motor, Antrieb, Fahrzeug und Bremsen, die trotz einer elektronischen Steuerung weiterhin als mechanische Komponenten funktionieren.

Als neue Herausforderung ist über die letzten beiden Jahrzehnte die Fahrzeugelektronik hinzugekommen, die auch ins Aufgabengebiet eines Automechanikers bzw. -mechatronikers fällt. Mithilfe von elektronischen Prüf- und Messgeräten lässt sich feststellen, ob Probleme jenseits der mechanischen Ebene vorliegen und eine Umprogrammierung des Chips oder der Bordelektonik notwendig wird.

In welchem Umfang der Automechaniker diese Reparaturen selbst durchführen kann, hängt von seiner beruflichen Ausbildung und Erfahrung ab. Mittlerweile wird in der Schweiz nur noch der Lehrberuf des Automechatronikers angeboten, Kenntnisse im elektronischen Fahrzeugbereich werden hierdurch in jeder Ausbildung vermittelt.


Ein Automechaniker kann Probleme und Fehlerquellen der einzelnen KFZ-Komponente benennen. (Bild: © iurii - shutterstock.com)

Ein Automechaniker kann Probleme und Fehlerquellen der einzelnen KFZ-Komponente benennen. (Bild: © iurii – shutterstock.com)


Weitere berufliche Anforderungen an den Automechaniker

Auch wenn der Aspekt während der Ausbildung nicht im Vordergrund steht, birgt der Tuning-Bereich viele berufliche Herausforderungen für den Automechaniker. Neben der klassischen KFZ-Werkstatt kann er nach seiner beruflichen Ausbildung in einem Fachbetrieb im Tuning-Umfeld anfangen und zur technischen oder optischen Aufwertung von Kraftfahrzeugen beitragen.

Dies findet heutzutage verstärkt elektronisch statt, beispielsweise durch ein Chip-Tuning des Motors, und fällt somit stärker ins Arbeitsfeld des Mechatronikers. Dennoch ist das mechanische „Pimpen“ diverser Fahrzeugkomponenten weiterhin möglich, was der Automechaniker durch einen fachkundigen Austausch vornimmt und hiernach Prüfung und Tests am veränderten Automobil durchführt.

Im Rahmen seiner Berufsausbildung hat der Automechaniker die Möglichkeit zur Spezialisierung, wobei zunächst die grobe Unterteilung zwischen Personenwagen und Lastkraftwagen gegeben ist. Bei Lastfahrzeugen werden Schwertransporter oder militärische Fahrzeuge zu einer besonderen Herausforderung, im Personenbereich sind Wohnmobile, Anhänger oder Motorräder reizvolle Arbeitsgebiete.

In sämtlichen Bereichen ist der elektronische Anteil an Prüfung, Wartung und Reparatur zwar gestiegen, auf seine mechanischen Kenntnisse und handwerklichen Fähigkeiten kann der Automechaniker dennoch nicht verzichten. Dies gilt umso stärker, wenn er mit etwas mehr Berufserfahrung komplexere Reparaturen ausführt und hierfür grössere Teile eines Fahrzeugs ausbaut und anschliessend wieder uneingeschränkt funktionsfähig zusammensetzt.


Der Tuning-Bereich birgt viele berufliche Herausforderungen für den Automechaniker. (Bild: © Mmaxer - shutterstock.com)

Der Tuning-Bereich birgt viele berufliche Herausforderungen für den Automechaniker. (Bild: © Mmaxer – shutterstock.com)


Was sind die Voraussetzungen für eine Ausbildung zum Automechaniker?

Seit 2003 wird das Berufsbild des Automechanikers nicht mehr als Lehrberuf angeboten. Wer Interesse an einer entsprechenden Berufsausbildung hat, führt die Lehre als Automechatroniker durch.

Diese dauert vier Jahre und umfasst neben der Arbeit in einem KFZ-Betrieb in den ersten drei Jahren den Besuch einer Berufsschule im Umfang von eineinhalb Tagen. Das Pensum wird auf einen Berufsschultag im letzten Jahr reduziert. Erzielt der Auszubildende gute bis sehr gute Leistungen, kann bereits während der Lehrzeit über den Besuch der Berufsmaturitätsschule nachgedacht werden.

Als Grundvoraussetzung für die Lehre zum Automechaniker bzw. Automechatoniker wird das erfolgreiche Absolvieren der Volksschule, im Regelfall bis zur obersten Schulstufe vorausgesetzt. Auch der Eignungstest AGVS ist zu einem Standard für interessierte Lehrlinge geworden und zeigt dem zukünftigen Arbeitgeber, dass grundlegende Kompetenzen im fachlichen und persönlichen Bereich für die Durchführung der Lehre gegeben sind.

Auf persönlicher Ebene muss der Auszubildende Fleiss und ein hohes Pflichtbewusstsein mitbringen. Die Durchführung jeder einzelnen Wartung und Reparatur muss gewissenhaft erfolgen, um durch eine korrekte und präzise Arbeit keine Unfallgefahr seiner Kunden im Strassenverkehr zu provozieren.



Möglichkeiten zur Weiterbildung und weitere Informationen

Ist die Lehre erfolgreich absolviert und eine erste Berufserfahrung gesammelt worden, ergeben sich für den Automechaniker zahlreiche Möglichkeiten zur Weiterbildung. Hiermit ist nicht alleine der Erwerb von Kenntnissen des Automechatronikers gemeint, den ältere Mechaniker zwangsläufig durchführen müssen.

So können ergänzend eidgenössische Fachausweise in Fachgebieten wie der Kundendienstberatung im Automobilgewerbe oder als Automobildiagnostiker absolviert werden. Nach Abschluss der höheren Fachprüfung kann der Automechaniker zum Diplom-Betriebswirt im Automobilgewerbe werden und seinen Arbeitsplatz aus der Werkshalle stärker in Bereiche wie Projekt- und Kundenbetreuung verlagern.

Auch der Hochschulabschluss steht Automechanikern und -mechantronikern offen, sofern sie über die schulischen Zugangsvoraussetzungen verfügen. Abschlüsse als Diplom-Techniker im Maschinenbau oder der Elektrotechnik sind etabliert. Zu den neueren Abschlüssen dieser Art gehören der Bachelor of Science mit der Fachrichtung Automobiltechnik. Online lassen sich weitere Informationen zum Berufsbild sowie zur Weiterbildung und den Berufsaussichten einholen.

 

Oberstes Bild: © wavebreakmedia – shutterstock.com


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