Berufe in der Autobranche (Teil 4): Lastwagenmechaniker – Spezialist für grosse Fahrzeuge

18.06.2015 |  Von  |  Allgemein, Auto, LKW
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Berufe in der Autobranche (Teil 4): Lastwagenmechaniker – Spezialist für grosse Fahrzeuge
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Die Arbeit als Lastwagenmechaniker gehört zu den klassischen KFZ-Berufsbildern, das über die letzten Jahrzehnte einem Wandel unterlegen ist. Ähnlich wie der klassische Automechaniker ist das Berufsbild durch elektronische und digitale Komponenten zunehmend komplexer geworden. Häufiger wird deshalb vom Automobil- bzw. Lastwagen-Mechatroniker gesprochen.

Unabhängig von diesen zusätzlichen Anforderungen sind viele Handgriffe und Prozesse erhalten geblieben, die Lastwagenmechaniker seit Jahren ausführen müssen und für eine ordnungsgemässe Nutzung und Aufbereitung von LKW aller Art sorgen. Im vierten Teil unseres Berichts über verschiedene Berufe der schweizerischen Automobilbranche soll aufgezeigt werden, was den modernen Lastwagenmechaniker auszeichnet und welche Ausbildung hierfür notwendig ist.

Was das Berufsbild eines Lastwagenmechanikers umfasst

Ein ausgebildeter Lastwagenmechaniker ist in der Lage, LKW sämtlicher Hersteller und Baureihen auf ihre Funktion hin zu überprüfen und nach einer Diagnose Wartungs- und Reparaturarbeiten durchzuführen. Er kennt sich hierbei sowohl mit der allgemeinen Fahrzeugtechnik als auch mit der Fahrzeugelektronik aus und kann anhand seiner Ausbildung und der Berufserfahrung Fehler und Problemsituationen schnell erkennen. Im Vergleich zum klassischen Automechaniker bzw. Automechatroniker besitzt er Fachkenntnisse im Umgang mit LKW aller Art, wozu neben gewerblichen auch militärische Fahrzeuge zählen können. Auch die Überprüfung und Wartung von Anhängern der Lastkraftwagen fällt in seinen Aufgabenbereich.

Zu seinen wichtigsten Aufgaben im mechanischen Bereich gehört die Reparatur bzw. der Austausch technischer Komponenten, falls er diese als Fehlerquelle an einem LKW ausgemacht hat. Er bringt hierfür sowohl klassisches Werkzeug als auch handwerkliche Maschinen zum Einsatz, die ihm diverse Arbeitsschritte erleichtern. Zur Überprüfung von Defekten und Schäden bringt er elektronische und technische Prüfgeräte zum Einsatz, deren Anzeigen er exakt abzulesen und auszuwerten weiss.

Abhängig von seiner Ausbildung und Erfahrung kann sich der Einsatzbereich der Lastwagenmechaniker auf rein mechanische Bauteile oder Elektronik beziehen. Im Laufe des modernen Berufslebens wird er entsprechende Zusatzkenntnisse sammeln müssen, die einer Weiterbildung zum Mechatroniker entsprechen.


Ein Lastwagenmechaniker lernt eine Vielzahl an Herstellern und Baureihen kennen. (Bild: © Budimir Jevtic - shutterstock.com)

Ein Lastwagenmechaniker lernt eine Vielzahl an Herstellern und Baureihen kennen. (Bild: © Budimir Jevtic – shutterstock.com)


Lastwagen für private und gewerbliche Kunden optimal herrichten

Während des Berufslebens lernt der Lastwagenmechaniker eine Vielzahl an Herstellern und Baureihen kennen, zudem muss er sich stets über Bau- und Schaltpläne neuer Modelle einarbeiten. Pläne und technische Zeichnungen auslesen zu können und durch sie Anhaltspunkte für eine Wartung oder Reparatur zu erhalten, gehört deshalb ebenfalls zu diesem Berufsbild dazu. Bereits während der Berufsausbildung lernt der Lastwagenmechaniker, welche Indizien bei Mängeln an Lastwagen auf welche Art von Problem hinweisen, damit keine mühsame Suche beginnen muss. Die Reparatur führt er abschliessend alleine oder im Team durch, um wieder zu einem einwandfreien und uneingeschränkt einsetzbaren Fahrzeug zu gelangen.

Kunden, die der Lastwagenmechaniker durch seine Arbeit betreut, stammen im Regelfall aus Wirtschaftsunternehmen des Fahrzeugbaus, Logistikbetrieben, Speditionen oder speziellen Berufssparten wie dem Militär. Für jeden Kunden muss der Lastwagenmechaniker in der Lage sein, präzise und gewissenhaft zu arbeiten, da nach jeder Übergabe des Lastwagens ein sicheres und einwandfreies Fahrzeug erwartet wird. Bereits kleine Fehler in der Wartung oder Reparatur können die Unfallgefahr erhöhen, die anders als bei einem PKW nicht nur die Insassen betrifft. Je nach Auftraggeber entsteht durch einen verunfallten Lastwagen ein hoher Sachschaden am Transportgut des Fahrzeugs, was zu erheblichen Ausfällen beim entsprechenden Unternehmen führt.

Der Übergang vom Lastwagenmechaniker zum -mechatroniker

Noch vor einigen Jahrzehnten war es für eine erfolgreiche Lehre als Lastwagenmechaniker ausreichend, eine Begeisterung für den Fahrzeugbau und ein grundlegendes handwerkliches Geschick mitzubringen. Durch die modernen Entwicklungen des Fahrzeugbaus kommen immer komplexere, elektronische Systeme von der Fahrzeugsteuerung bis zum Entertainmentbereich zu Einsatz, was für klassische PKW genauso wie für Lastwagen gilt. Ein zusätzliches Interesse im Bereich Elektrotechnik ist deswegen notwendig und empfehlenswert, um bei der Überprüfung und Wartung von LKW alle mechatronischen Komponenten berücksichtigen zu können. Auch Prüf- und Messgeräte arbeiten immer häufiger digital und setzen einen fachgerechten Umgang im beruflichen Alltag voraus.

Die Bezeichnung als Lastwagenmechaniker wird mittlerweile als altmodisch empfunden, auch wenn viele Betriebe diesen bei der Jobsuche noch immer ausschreiben. Bei der modernen Ausbildung in der Schweiz wird fast ausschliesslich vom Lastwagenmechatroniker gesprochen, wodurch die elektronische Komponente des Berufsbildes in angemessener Weise berücksichtigt wird. Diese als neuer Auszubildender während der Berufsausbildung zu vernachlässigen, ist nicht mehr möglich. Umgekehrt setzen viele Betriebe bei ihren älteren Mitarbeitern voraus, die fehlenden Kenntnisse durch Fort- und Weiterbildungsmassnahmen nachzuholen und so auf den wachsenden Anteil an Elektronik in Lastwagen vorbereitet zu sein. Während der Ausbildung sorgt dies zwar für mehr Lernstoff, schafft jedoch auch einen deutlich abwechslungsreicheren Arbeitsalltag.


Elektronische Systeme machen den Beruf des Lastwagenmechanikers komplexer. (Bild: © Pincasso - shutterstock.com)

Elektronische Systeme machen den Beruf des Lastwagenmechanikers komplexer. (Bild: © Pincasso – shutterstock.com)


Wie die Berufsausbildung zum Lastwagenmechaniker abläuft

Die Ausbildung ist auf vier Jahre angesetzt. Alternativ zum Lastwagenmechaniker kann eine vergleichbare Lehre auch für Personenwagen absolviert werden. Während der ersten drei Ausbildungsjahre ist ein Besuch der Berufsschule mit eineinhalb Tagen pro Woche vorgesehen. Im abschliessenden Ausbildungsjahr wird dies auf einen Tag reduziert. Die schulische Ausbildung erstreckt sich von Physik und Technik bis zur Elektronik und Stoffkunde. Bei sehr guten Leistungen kann bereits während der Lehre ein Besuch der Berufsmaturitätsschule angedacht werden. Ausserdem wird während der Lehre der Fahrausweis für Nutzfahrzeuge erworben, um diese im späteren Berufsalltag eigenständig führen zu können.

Um die Ausbildung als Lastwagenmechaniker angehen zu dürfen, muss eine abgeschlossene Schulausbildung an einer Volksschule vorliegen, im Regelfall wird die oberste Schulstufe vorausgesetzt. Das zusätzliche Absolvieren des Eignungstests AVGS ist mittlerweile obligatorisch und zeigt dem potenziellen Arbeitgeber an, dass fachlich und persönlich alle Voraussetzungen für eine optimale Durchführung der Lehre vorhanden sind. Neben Fleiss und der Fähigkeit, sich selbst motivieren zu können, sollte jeder Lehrling sehr gewissenhaft und präzise arbeiten können. Bei jeder Wartung oder Reparatur sollte ihm bewusst sein, dass von der Qualität seiner Arbeit Menschenleben abhängen können, weshalb in der mechanischen oder mechatronischen Bearbeitung von LKW nichts dem Zufall überlassen wird.

Einsatzgebiete, Weiterbildungsmöglichkeiten & Co.

Die Lehre lässt sich grundsätzlich in jedem Fachbetrieb absolvieren, in dem LKW aller Art bzw. vergleichbare Spezialfahrzeuge aufbereitet, gewartet oder repariert werden. Im Regelfall sind dies Fachwerkstätten, die sich auf Lastwagen spezialisiert haben oder parallel einen Service für PKW anbieten. Je nach Auslastung des Unternehmens kann es im Laufe des Berufslebens notwendig werden, mechanische Arbeiten auch an Personenwagen vorzunehmen, wobei der Lastwagenmechaniker für viele der hier auftretenden Handgriffe und Prüfverfahren hervorragend geeignet ist. Auch bei Logistikbetrieben und anderen Wirtschaftsunternehmen mit eigenem Fuhrpark findet er Arbeit, ebenso wie beim Militär und öffentlichen Einrichtungen.

Bei Interesse an einer Weiterbildung stehen dem Lastwagenmechaniker viele Wege offen. Beispielsweise kann er sich für eine Berufsprüfung zum Erwerb des eidgenössischen Fachausweises entscheiden, wobei ihm Fachrichtungen wie der Lastwagendiagnostiker oder der Kundendienstberater im Automobilgewerbe offenstehen. Auch eine höhere Fachprüfung als Diplom-Betriebswirt im Automobilgewerbe kann absolviert werden. Zur höchsten Form der Weiterbildung gehören der Bachelor of Science mit Fachrichtung Automobiltechnik bzw. als Diplomtechniker in Elektrotechnik oder Maschinenbau. Im späteren Berufsleben ist der Lastwagenmechaniker prädestiniert dafür, seine praktischen Fähigkeiten aus den Lehrjahren mit dem theoretischen Wissen der Hochschulausbildung zu verbinden, was ihn zu einem besonders gefragten Ansprechpartner auf dem Arbeitsmarkt macht.


Lastwagenmechanikern stehen interessante Weiterbildungen offen. (Bild: © Goodluz - shutterstock.com)

Lastwagenmechanikern stehen interessante Weiterbildungen offen. (Bild: © Goodluz – shutterstock.com)


Mehr Informationen über das Berufsbild Lastwagenmechaniker einholen

Auf der Suche nach einer Lehrstelle, die eine besonders vielfältige Tätigkeit im Fahrzeugbau zusichert und die eigene Vorliebe für Lastwagen aller Art aufgreift, ist der Lastwagenmechaniker eine absolut sinnvolle Wahl. Das Berufsbild wird in dieser Form zwar heute nicht mehr angeboten, allerdings lohnt ein Blick auf die Fortbildung als Automobilmechatroniker, bei der sich der Schwerpunkt auf den Bereich Lastwagen setzen lässt. Mit einer Spezialisierung auf bestimmte LKW-Marken und eine stetige Einarbeitung in neue elektronische Systeme leistet der Lastwagenmechaniker den grössten Beitrag für eine dauerhafte Anstellung und macht sich mit wachsender Berufserfahrung als mechanische Fachkraft zunehmend unverzichtbar.

 

Oberstes Bild: © SteLuk – shutterstock.com

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