Der ultimative US-Klassiker der 50er-Jahre

30.04.2014 |  Von  |  Allgemein, Auto
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Der ultimative US-Klassiker der 50er-Jahre
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Sicherlich gab es auffälligere und herausgeputztere Limousinen und Sportwagen der grossen amerikanischen Pkw-Produzenten, aber der 57er Chevy Bel Air nimmt unter all diesen chromüberladenen Karossen der protzigen Jahre eine echte Sonderstellung ein.

General Motors hatte mit den Vorgängermodellen dieser Baureihe einige neue Wege beschritten. Chevrolets waren dabei wahrlich nicht die Luxusmarken oder -ausführungen des General-Motors-Konzerns, dafür hatte man im Hause die Marken Cadillac, Oldsmobile, Buick und zum Teil auch Pontiac. 57er Chevrolets waren eher das „Brot und Butter“-Fahrzeug einer breit gefächerten Mittelschicht in Nordamerika. Dieses Baujahr bescherte dem amerikanischen Verbraucher, wie in den beiden Vorjahren auch, eine Unterteilung der Angebotspalette in drei Ausstattungsversionen. Es gab den „150“ als abgespeckte Billigversion, den „210“ mit bereits einer Menge mehr an Zierrat und Chrom und dann den Bel Air als Topmodell mit sehr vielen und üppigen Dekorationen.

Wo rohe Kräfte walten




Die zweite Generation dieser Full Size Chevys (Baujahre 1955–57) gab es bereits ab Werk mit einem drehmomentstarken V8-Motor, der immerhin 4300 cm³ Hubraum bot. Ab 1957 wurde dieser auf 4640 cm³ erhöht und eine Benzineinspritzung optional angeboten. Das 4640er-Aggregat mit Fuel Injection glänzte übrigens bereits mit sagenhaften 283 PS (211 kW). Ein 3900 cm³ grosser Sechs-Zylinder-Reihenmotor bot sich den Käufern als preiswertere Motorvariante an. Dieser mit dem Spitznamen „Blue Flame“ versehene Motor produzierte ausreichende 136 PS (101 kW) für Fahrzeugführer, denen Topleistungen nicht wichtig waren.






Sechs-Zylinder-Reihenmotor  "Blue Flame" (Bild: Kowloonese, Wikimedia, CC)

Sechs-Zylinder-Reihenmotor „Blue Flame“ (Bild: Kowloonese, Wikimedia, CC)





Die Modellpalette der Bel Airs, einzigartig vielfältig

An Modellen wurde eine ganze Bandbreite produziert und angeboten. Für jeden potenziellen Kunden war etwas Passendes dabei. Als Viertürer gab es den Chevy 57 Bel Air in einer trendigen Hardtop-Version (gänzlich ohne Mittelsäule), aber auch als Sedan (Limousine) und als Station Wagon (Kombi). Zweitürer gab es als Cabriolet (Convertible), Hardtop, Sedan und auch als Station Wagon.




Einen Sonderstatus nimmt der 57er Chevy Bel Air des Typs Nomad ein. Der Bel Air Nomad ist für heutige Enthusiasten so etwas wie der Prototyp eines jeden späteren Sportkombis. Der 57er Bel Air Nomad schlug zwar nicht so am Markt ein, wie es den Chefs im Hause Chevrolet und GM lieb gewesen wäre. Doch Museen, Liebhaber und Sammler trieben die Preise für Nomad-Occasionen in gutem Zustand in schwindelerregende Höhen. Eine ähnliche Entwicklung erlebten die ebenfalls seltener gebauten Cabriolets und die Hardtop-Modelle.

57er Chevy Bel Air Nomad (Bild: Greg Gjerdingen, Wikimedia, CC)

57er Chevy Bel Air Nomad (Bild: Greg Gjerdingen, Wikimedia, CC)

Das 57er Chevy Bel Air Cabriolet erreichte den Status eines automobilen Kultobjektes und wurde fortan mit seinen berühmten Cabriokollegen, wie dem pompösen 59er Cadillac Eldorado Biarritz (einem der seltensten und gesuchtesten Spielmobile für Hollywoods Stars und Sternchen), fast in einem Atemzug genannt.

Der neue Luxus in US-Automobilen

… war wahrhaft nicht nur äusserlich unmissverständlich festzustellen. Automatische Zwei- und Drei-Gang-Getriebe wurden weniger leistungszehrend konzipiert und gebrauchsfähig für den Einsatz im Alltag. Neben dem herstellerübergreifenden Durchbruch zum V8-Motorenkonzept in Amerika wurden auch die Radios in den Fahrzeugen den neuesten Erkenntnissen der Unterhaltungsgeräteindustrie angepasst. Die ersten Autoradios mit Sendersuchlauf waren ein echter Hit bei den Käufern, und bei Chevrolet gab es nun ab 1957 auch das „Wonder Bar“-Erfolgsradio. DELCO war der Zulieferer dieses Meilensteins der Soundanlagen für automobile Verwendungen und Nachrüstungen der Fahrzeuge und erlebten einen bisher nicht gekannten Boom bei der Nachfrage.

Die Innovationen gingen unaufhaltsam ihren Gang. Bis zum heutigen Tag gibt es Soundsysteme mit Wonder Bar Look mit immer wieder neuen technischen Finessen. Jüngste Generationen beinhalten USB-Slots, mp3-Kompatibilität und Mehrkanal-Stereo mit vielen Watt Musikleistung je Kanal. Das optische Design im Armaturenbrett basierte aber untrügerisch auf der Entwicklung des 1957er-Wonder-Bar-Autoradios von DELCO für General Motors.

57er Chevy Bel Air - Der neue Luxus in US-Automobilen (Bild: Motohide Miwa, Wikimedia, CC)

57er Chevy Bel Air – Der neue Luxus in US-Automobilen (Bild: Motohide Miwa, Wikimedia, CC)

Sehr viel Platz im Innen- und Kofferraum




Das grosszügig dimensionierte Fahrgastabteil des 57er Chevy Bel Air bot einer ganzen Familie ausreichend Platz. Zu der durchgängigen Sitzbank für Frontpassagiere gesellte sich eine weitere Sitzbank mit Sofaabmessungen im Fahrzeugheck. Für gute Polsterarbeiten war Chevrolet bekannt, und die heute verwendeten Einzelsitze vorne waren nahezu verpönt. Der Kofferraum war ebenfalls riesig bemessen und setzte neue Massstäbe im Automobilbau. Problemlos konnten auch mehrere grosse Koffer darin verstaut werden.

Der 57er Chevy Bel Air wurde ab Werk in zweifarbiger Ausführung lackiert (Bild: Redsimon, Wikimedia, CC)

Der 57er Chevy Bel Air wurde ab Werk in zweifarbiger Ausführung lackiert (Bild: Redsimon, Wikimedia, CC)

Werkslackierungen zweifarbig und Heckflossen, die diesen Namen auch verdienen

Der 57er Chevy Bel Air wurde ab Werk in zweifarbiger Ausführung lackiert, dabei erhielt das Dach eine andere Farbe. Das unterstrich auch die Trends dieser Epoche und sorgte für eine etwas schlankere Silhouette. Die gesamte Karosserie war üppig mit Zierleisten und Ornamenten geschmückt. Typisch für den Jahrgang 1957 waren die dominanten vertikalen Heckflügel. Ein US-Autofan belächelt die Typbezeichnung Heckflügel für spätere Mercedes-Benz-Baureihen, denn deren Stummelflügelchen wirken geradezu beschämend, wenn ein 57 Chevy Bel Air in der Nähe parkiert ist.

Weitere Designfeatures umfassten eine grosse Panoramafrontscheibe, welche bei fachkundigen europäischen Autofreunden an das Scheibendesign des erheblich kleineren Opel Kapitän erinnert. Oldtimerfreunde in aller Welt begeistert die fast vorbildliche Versorgungslage bei dieser Fahrzeuggeneration mit Ersatz- und Verschleissteilen. Ein sehr umfangreicher Markt für Gebrauchtteile und auch Reproduktionen macht Restaurationen und Instandhaltung sehr einfach.

 

Oberstes Bild: 57er Chevy Bel Air – Der ultimative US-Klassiker der 50er-Jahre (Bild: Motohide Miwa, Wikimedia, CC)



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