Der Aufstieg der Volkswagen AG von den Anfängen bis heute, Teil 2

14.06.2014 |  Von  |  Allgemein, Auto
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Der Aufstieg der Volkswagen AG von den Anfängen bis heute, Teil 2
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Zu den Marken des Konzerns zählen Volkswagen, Audi, Skoda und Seat sowie im Premiumbereich Porsche, Lamborghini, Bentley und Bugatti. Ausserdem gehören der Motorradhersteller Ducati zur VW-Gruppe sowie die Lkw- und Busproduzenten Scania und MAN.

Daneben ist VW aber auch in den Bereichen Logistik- und Finanzdienstleistungen tätig. Eher als publizistischer Gag ist wohl die VW-Currywurst zu werten, obwohl sie einen geringen Teil zum Gewinn des Konzerns beiträgt. Jedenfalls wird kein anderes „Modell“ so häufig verkauft wie das Fast-Food-Produkt. Im Jahr 2011 setzte VW 4,8 Millionen Stück ab.







Currywurst und Ketchup von Volkswagen (Bild: Ralf Roletschek, Wikimedia, CC)

Currywurst und Ketchup von Volkswagen (Bild: Ralf Roletschek, Wikimedia, CC)

Der erste Zukauf gelang VW 1964 mit der Übernahme der Auto-Union bzw. Audi, 1969 wurde zusätzlich NSU in das Tochterunternehmen integriert. Audi brachte neue Technologien mit „in die Ehe“, darunter den Frontantrieb und wassergekühlte Motoren. NSU hatte den K 70 entwickelt, mit dem VW 1970 an den Markt ging. Er verfügte über Frontmotor mit Wasserkühlung und Frontantrieb – ein neues Konzept und ein Bruch in der Geschichte des Wolfsburger Herstellers.

1972 brachte einen Weltrekord: Der Käfer löste mit mehr als 15 Millionen gebauten Exemplaren das T-Modell von Ford als meistproduziertes Fahrzeug ab. Als noch erfolgreicher erwies sich später der Golf. Bis 2002 liefen 21,5 Millionen Fahrzeuge dieser Modellreihe vom Band. Dann aber geriet Volkswagen in eine wirtschaftliche Krise. Der Käfer verkaufte sich schlechter und schlechter. Dadurch entstanden Verluste, die auch die anderen, grösseren Typen 1500/1600 sowie 411/412 nicht auffangen konnten.





Golf-Montageband im Werk Wolfsburg, 1978 (Bild: Bundesarchiv, B 145 Bild-F054863-0011A / Engelbert Reineke / CC-BY-SA, Wikimedia, CC)

Golf-Montageband im Werk Wolfsburg, 1978 (Bild: Bundesarchiv, B 145 Bild-F054863-0011A / Engelbert Reineke / CC-BY-SA, Wikimedia, CC)

Jetzt erwies sich die Audi-Übernahme von Daimler-Benz als segensreich. Nach dem K 70 brachte VW mit Komponenten, die Audi beisteuerte, in kurzer Folge neue und erfolgreiche Modelle auf den Markt: 1973 den stark an den Audi 80 angelehnten Passat, 1974 den Scirocco und den Golf, 1975 den Polo. Die enge Kooperation mit Audi ermöglichte eine Fertigung nach dem Baukastenprinzip und setzte beachtliche Einsparpotenziale frei.

Neben dem Golf verkaufte sich vor allem der Passat sehr gut, so dass VW die Käfer-Produktion 1978 von Emden nach Mexiko auslagerte, um freie Kapazitäten zu schaffen. Das Werk Puebla produzierte das VW-Urgestein noch bis 2003. Das Unternehmen VW war es auch, das 1978 als erster ausländischer Hersteller eine Autofabrik in den USA eröffnete (Westmoreland/Pennsylvania). Ein besonderer Deal gelang VW im Jahr 1977/78, als der Konzern 10’000 Golf in die ehemalige DDR lieferte. Sie waren im Handumdrehen ausverkauft. Die DDR lieferte im Gegenzug Maschinen, Werkzeuge, Pressen u.a.

VW Passat B1, 1973-1977 (Bild: Sven Storbeck, Wikimedia, CC)

VW Passat B1, 1973-1977 (Bild: Sven Storbeck, Wikimedia, CC)

In den 1980er Jahren stieg VW endgültig zum Global Player auf. Unter der Führung des Vorstandsvorsitzenden Carl Horst Hahn übernahm der Konzern den spanischen Hersteller Seat (1986) und koda in Tschechien (1991). In China fasste VW Mitte der 80er Jahre Fuss. In Kooperation mit chinesischen Unternehmen sowie der Bank of China entstand die erste Fertigungsstrasse, damals für den Santana (1985). Mittlerweile stellt China den grössten Absatzmarkt für VW überhaupt dar.



In den 80ern und 90ern erregten zwei Skandale grosses Aufsehen. Zuerst veruntreuten der VW-Chefdevisenhändler sowie ein weiterer Devisenhändler aus Frankfurt 1986 die stolze Summe von 480 Millionen Mark und gingen dafür sechs Jahre ins Gefängnis. Im Jahr 1993 geriet der Vorstand José Ignacio López unter den Verdacht der Industriespionage. Er war in diesem Jahr mit mehreren Mitarbeitern von General Motors (GM) zu VW gewechselt.

GM und Opel verklagten die ehemaligen Angestellten in Deutschland und in den USA. Nach Veröffentlichung der Klageschrift 1996 trat López von seinem Amt zurück. Der Konflikt wurde erst nach einer Vermittlung des damaligen amerikanischen Präsidenten Bill Clinton und des deutschen Bundeskanzlers Helmut Kohl per Vergleich beigelegt. VW zahlte einen Schadensersatz in Höhe von 100 Millionen Dollar an GM.

Die 1990er brachten aber auch wieder positive Ergebnisse. Mit dem Sharan (1995) hatte VW im boomenden Van-Segment Erfolg, der 1998 präsentierte New Beetle setzte sich vor allem in den USA durch. Der moderne Käfer mit seiner markanten Retro-Karosserie kommt dort bei vielen Kunden gut an. Ein Übernahmekampf zwischen VW und BMW für Rolls-Royce gewann am Ende BMW wegen Schwierigkeiten mit Markenrechten. VW nahm mit Bentley Vorlieb und konzentrierte sich auf dessen Produktion im Luxussegment.

Einen mässigen Erfolg hatte VW mit zwei anderen Projekten. Der 1999 erschienene Lupo 3L TDI war das erste Dreiliterfahrzeug überhaupt, wurde aber trotz starkem Zuspruch durch Umweltverbände kaum gekauft. Auch die Luxuskarosse Phaeton, die in Dresden in der sogenannten Gläsernen Manufaktur montiert wird, kommt beim Publikum nicht gut an.



 

Oberstes Bild: Volkswagen Käfer, Typ11, Modell 1302S in Kansasbeige, wegen seiner bulligen Front auch „Häuptling Adlernase“ genannt (© Mb1302, Wikimedia, CC)

Über Ulrich Beck

hat Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert und ist zusätzlich ausgebildeter Mediendesigner im Segment Druck. Er schreibt seit über 30 Jahren belletristische Texte und seit rund zwei Jahrzehnten für Auftraggeber aus den unterschiedlichsten Branchen.




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