Der Audi Q3 im Fahrbericht

31.05.2014 |  Von  |  Auto, Neuwagen
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Der Audi Q3 im Fahrbericht
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„Der sieht aber ganz schön gross aus“, könnten Personen anmerken, deren Blick das erste Mal auf den neuen Audi Q3 wandert. Was von aussen vielleicht so aussieht, stimmt nach einem Ausflug in das Innenleben aber dann doch nicht mehr – und dennoch will Audi vor allem durch Individualisierung sehr viele Exemplare der Mischung aus Kleinwagen und SUV (Erinnerungen an den Renault Captur werden wach) verkaufen.

Kommen wir zuerst zu der erwähnten Schwachstelle des Audi Q3: Äusserlich macht das Auto sehr viel her und sieht aus wie ein etwas zu klein geratener SUV – aber keinesfalls winzig. Sobald man jedoch den Innenraum betritt, weicht der anfängliche Enthusiasmus: Die Karosserie mag wuchtig und breit erscheinen, aber innen herrscht kaum mehr Platz als im Kassenschlager A3. Es wirkt fast so, als hätten die Designer des Q3 den Wagen einfach optisch ein wenig aufgeblasen, ohne diese zusätzlichen Dimensionen auch im Innenraum adäquat unterbringen zu können. Tatsächlich ist der grösste Unterschied dann darin zu finden, dass man einfach einige Zentimeter höher sitzt als in einem Kleinwagen.



Vielleicht wird das Ziel des Audi Q3 aber auch gerade dadurch erreicht: Es handelt sich einfach um einen Kleinwagen, der etwas präsenter aussieht und im Strassenverkehr auffällt. Wer das mag, darf auch den Q3 kaufen und fahren. Alle anderen werden sich fragen, wieso diese optische „Schummelei“ sein muss – aber schliesslich ist der Look nicht alles, was an einem Auto zählt.

Audi Q3 (Bild: TonyV3112 / Shutterstock.com)

Audi Q3 (Bild: TonyV3112 / Shutterstock.com)

Markenziel Individualisierung

Ohnehin zielt Audi auf eine Käuferschicht ab, die von sich überzeugt sein muss. Der Werbeslogan allein verrät es schon, denn man solle „Unterwegs in Richtung Ich“ sein, wenn man den Audi Q3 fährt. Erreichen will das Unternehmen dies, indem beinahe unzählige Möglichkeiten zur Personalisierung angeboten werden. Die allermeisten davon kosten jedoch kleinere oder grössere Beträge, umsonst ist eine solche Individualisierung also nicht zu haben.



Das Preisgefälle wird anhand eines kleinen Beispiels deutlich: Die schwächste Variante des Q3 mit einem V4-Dieselmotor, Frontantrieb und Sechsgang-Getriebe kostet vertretbare 34’000 Franken. Aber selbst diese Version lässt sich bis zu einem Preis von 56’000 Franken „aufblähen“ – durch ganze 34 Extras, welche allesamt einzeln gekauft werden müssen. Das beginnt bei einfachen Nebensächlichkeiten wie einem Aluminimumanstrich für die Bedienelemente für nur 400 Franken und hört bei 3000 Franken für das Navigationssystem auf.

Offenbar fährt Audi mit diesem Rezept auch noch sehr gut: Die Personalisierung führt dazu, dass der Q3 dem Unternehmen in einigen Ländern schon aus den Händen gerissen wird: In Russland beispielsweise gibt es keinen anderen Audi, der sich ähnlich oft verkauft. In China wurden fast 43’000 Stück in einem Jahr an die Käufer gebracht. In Deutschland, dem Heimatland des Q3, bezifferte sich die Anzahl der Neuzulassungen 2013 auf 25’000 Stück. Damit überholt der Wagen sogar Rivalen wie den BMW X1.

Audi-Q3-Teddy Leung-Shutterstock.com

Audi-Q3-Teddy Leung-Shutterstock.com




Liebe auf den zweiten Blick



Bislang haben wir uns eher kritisch zum Audi Q3 geäussert – aber diese Einstellung muss jeder Interessent noch einmal überdenken, sobald er den Q3 auch wirklich fährt. Selbst die schwächste Form des Wagens, mit vergleichsweise zaghaften 140 PS, entwickelt eine beachtliche Leistung und macht beim Fahren einfach Spass, was auch an der explosionsartigen Kraftentfaltung liegt. Die Fahrgeräusche sind beinahe unhörbar gedämpft, die Lenkung reagiert präzise und äusserst flott. Auch der nicht vorhandene Allradantrieb spielt im Stadtverkehr keine Rolle, ausserdem werden dadurch sowohl das Gewicht als auch der Verbrauch gesenkt.

Wer mag, darf auch diverse Einstellungen bezüglich des Fahrwerks vornehmen, wie man es von zahlreichen anderen Autos her kennt. Der Audi Q3 fährt sich bereits in der Standardeinstellung namens Comfort überaus angenehm, die Dynamic-Einstellung hingegen wirkt für einen Wagen dieser Klasse zu aggressiv. Bleibt noch der Eco-Modus, welcher besonders spritsparend agieren soll. Audi selbst gibt dabei einen Verbrauch von 5,2 Litern auf 100 Kilometern an, in der Praxis lässt sich dieser Wert natürlich nicht halten: Auf Testfahrten sind 6,5 Liter sehr viel realistischer – auch bei einer vorausschauenden, benzinsparenden Fahrweise.

Licht und Schatten

Trotz allem ist der Audi Q3 noch immer ein ordentliches Auto geworden. Negativ fallen vor allem die hohen Kosten für die Personalisierung auf: 35 Franken für einen Aschenbecher? 110 Franken für einen Ladekantenschutz am Kofferraum? Wir meinen, dass einige Extras auch einfach im Preis inbegriffen sein sollten.

Als Wagen für die Familie eignet sich der Q3 übrigens nur bedingt, was am sperrigen Innenleben und auch am zu kleinen Kofferraum liegt: 460 Liter Volumen klingen zunächst ganz ordentlich, allerdings ist dieser Platz unterteilt in viele kleine Segmente, so dass wirklich grosse Objekte nur schwer im Q3 verstaut werden können. Auch die Ladekante mit einer gewaltigen Höhe von 80 Zentimetern verkompliziert das Einladen schwerer Objekte unnötig – eine Baustelle für die nächste Ausgabe des Audi Q3.



 

Oberstes Bild: © Tungphoto – Shutterstock.com



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