Autonomes Fahren – wann steuern wir nicht mehr selbst?

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Autonomes Fahren ist derzeit in aller Munde. Wird das Auto der Zukunft uns tatsächlich von einem Ort zum anderen befördern, ohne dass wir gross eingreifen müssen? Das Schweizer Unternehmen Rinspeed präsentiert auf dem Genfer Automobilsalon die Studie Rinspeed XchangE und ein auf der Studie basierendes Tesla-Modell. Andere Autohersteller tüfteln an eigenen Konzepten.

Das Fahrzeug als mobiles Wohnzimmer

Wenn es nach den Vorstellungen des Visionärs Frank Rinderknecht geht, wird das selbstfahrende Auto zum mobilen Wohnzimmer. Im Rahmen der Studie XchangE präsentierte Rinderknecht mit seinem Unternehmen Rinspeed ein Konzept, das vor allem den Fahrer in den Mittelpunkt stellt. Wird die Vorstellung vom autonomen Fahren konsequent umgesetzt, muss der Fahrer seiner Ansicht nach nicht mehr zwangsläufig auf die Strasse schauen.




Mit einer bequemen und komfortablen Gestaltung des Innenraums revolutioniert Rinspeed die klassische Ausstattung von Fahrzeugen: Im Mittelpunkt stehen dreh- und kippbare Sessel, die an Flugzeugsitze erinnern. Nach Angaben Rinderknechts können die Sessel 20 verschiedene Positionen einnehmen. Das Lenkrad wird im XchangE mobil und lässt sich bis in die Fahrzeugmitte verschieben. Die Lenkbewegungen werden dabei nicht mehr über eine Lenksäule, sondern auf elektronischem Weg an die Räder übermittelt. Arbeiten soll im Fahrzeug der Zukunft ebenfalls möglich sein: Durch eine Internet-Anbindung über LTE und vier Bildschirme haben Insassen die Möglichkeit, durchs Netz zu surfen.

Rinspeed XchangE auf dem Genfer Automobilsalon 2014 (Bild: Norbert Aepli, Wikimedia, CC)

Rinspeed XchangE auf dem Genfer Automobilsalon 2014 (Bild: Norbert Aepli, Wikimedia, CC)

Konzepte und Tests der verschiedenen Hersteller

Etwas weniger spektakulär sind die Konzepte anderer Hersteller: Auf der Consumer Electronics Show CES in Las Vegas präsentierte BMW einen Prototypen, der allein über die Teststrecke driftet. Das klassische elektronische Stabilitätsprogramm DCS sorgt dafür, dass einzelne Räder beim Abbremsen in der Spur bleiben. Für das autonom fahrende Auto wurde dieses System weiterentwickelt und Lenkung und Gaspedal in die automatische Steuerung einbezogen. Über eingebaute Sensoren kann das Auto sofort auf wechselnde Untergründe reagieren. Berichten zufolge will der bayerische Hersteller bereits Anfang des nächsten Jahrzehnts Fahrzeuge anbieten, die allein auf bestimmte Verkehrssituationen reagieren können.

Der schwedische Autobauer Volvo verfolgt mit unsichtbaren Schienen derzeit mit einem Forschungsprojekt ein anderes Konzept: Auf einem Testgelände nahe Göteborg hat das Unternehmen eine Strecke mit Magnetsensoren ausgerüstet, diese sollen das Fahrzeug ohne Eingreifen des Fahrers sicher leiten. Die Magneten wurden 20 Zentimeter in den Asphalt eingelassen und leiten das selbstfahrende Auto quasi wie ein Schienensystem. In einem Blogbeitrag hebt Volvo die Unabhängigkeit des Systems von Umwelteinflüssen hervor, da die Sensoren auch bei Schnee oder Eis tadellos funktionierten.






Nissan Autonomous Drive Car auf dem Genfer Automobilsalon 2014 (Bild: Dong liu / Shutterstock.com)

Nissan Autonomous Drive Car auf dem Genfer Automobilsalon 2014 (Bild: Dong liu / Shutterstock.com)





Dank der Magnetsensoren ist eine perfekte Positionsbestimmung des Fahrzeugs möglich, ein versehentliches Verlassen der Fahrbahn könnte vermieden werden. Experten sehen in dieser Technologie ein grosses Potenzial, das weiterverfolgt werden sollte. In einem weiteren Schritt sollen die Magnetsensoren im normalen Strassenverkehr getestet werden.

Unter der Bezeichnung „iCar“ testet der Wolfsburger Autobauer Volkswagen das autonome Fahren. Dabei geht es vor allem darum, automatische Abläufe zu entwickeln, die den Fahrer effektiv unterstützen. Vor allem ermüdende oder monotone Tätigkeiten wie Stau- oder Langstreckenfahrten soll ein intelligentes System dem Fahrer künftig abnehmen. VW hat einen Hightech-Passat entwickelt, der mit einer kombinierten Steuerung aus Sensoren, Radar, Kamera und entsprechenden Software-Lösungen allein steuert.

Mercedes hat mit dem Forschungsfahrzeug S 500 Intelligent Drive im Jahr 2013 auf einer 100 Kilometer langen Teststrecke das autonome Fahren demonstriert. Die Testfahrt erfolgte bei einer hohen Verkehrsdichte unter realistischen Bedingungen. Für die intelligente Steuerung sorgten ein Lenk-Assistent und ein Stop&Go-Pilot, die den Wagen nahezu allein steuerten. Mercedes verfolgt mit der Erprobung des „Strecken-Piloten“ eine weitere Möglichkeit, ein Fahrzeug unter Beteiligung einer besonderen Sensortechnologie zu steuern. Dabei wird mittels sensibler Sensoren die Position des Fahrzeugs genau bestimmt und der Fahrtweg individuell geplant.

Akka Link&Go Innenraum (Bild: Clément Bucco-Lechat, Wikimedia, CC)

Akka Link&Go Innenraum (Bild: Clément Bucco-Lechat, Wikimedia, CC)

Klärung rechtlicher Fragen erforderlich




Bis das autonome Fahren tatsächlich in der Realität ankommt, müssen nicht nur die technischen, sondern vor allem auch die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden. Die Haftungsfrage ist ein zentrales Problem: Wer haftet, wenn ein autonom gesteuertes Fahrzeug einen Unfall verursacht, während der Fahrer Zeitung liest? Zusätzlich haben die Hersteller Probleme, geeignete Teststrecken in der Heimat zu finden, denn oftmals wird ihnen die Erprobung im laufenden Verkehr verwehrt. In den US-Bundesstaaten Nevada und Kalifornien gibt es die Möglichkeit, mit Testfahrzeugen am öffentlichen Strassenverkehr teilzunehmen. Eine entsprechende Genehmigung der zuständigen Behörden reicht aus.

Unterstützung ist bereits vorhanden




Bis unsere Fahrzeuge wirklich allein durch den Verkehr navigieren und uns entspannt von A nach B bringen, wird es vermutlich noch eine Weile dauern. Die Hersteller haben uns bereits heute mit den praktischen Parkassistenten die erste Möglichkeit geliefert, das Auto mit technischer Unterstützung zu bedienen. Stauassistenten, die das anstrengende Anfahren und Bremsen während eines Staus übernehmen, werden ebenfalls genutzt.

Durch die zunehmende Vernetzung des Wagens und die Anbindung an das Internet sind intelligente Steuermöglichkeiten realisierbar, die uns vor Staus oder Unfällen warnen. Analysen haben ergeben, dass rund 90 % aller Unfälle aufgrund menschlichen Versagens passieren. Mit einer intelligenten und autonomen Steuerung sollte dieses Risiko deutlich minimiert werden. Ob das Autofahren mit einem selbst steuernden Fahrzeug allerdings wirklich Spass macht, muss jeder Fahrer für sich selbst entscheiden.

 

Oberstes Bild: Mit dem autonomen Fahren bricht in der Autoentwicklung eine neue Ära an (Bild: iQoncept / Shutterstock.com)

Über Andrea Hauser

Aus meinem langjährigen Hobby, dem Schreiben, ist im Jahr 2010 ein echter Job geworden - seitdem arbeite ich als selbständige Texterin. Davor war ich als gelernte Bankkauffrau im klassischen Kreditgeschäft einer Hypothekenbank tätig. Immobilien und Baufinanzierungen zählen noch immer zu meinen Steckenpferden. Angetrieben durch die Lust, Neues zu entdecken, arbeite ich mich gern in unbekannte Themengebiete ein und lasse mich schnell begeistern.

Mit meiner Familie erkunde ich in den Ferien fremde Metropolen oder lasse bei einem Badeurlaub einfach die Seele baumeln. Seit ich klein bin, sind Bücher meine große Leidenschaft, wenn es meine Zeit erlaubt, bin ich immer mit einem guten Buch anzutreffen. Mich fasziniert alles, was mit Kreativität zu tun hat: Von Acrylbildern, über Glasmalerei bis hin zu Loombands habe ich schon vieles ausprobiert.



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