Aston Martin und James Bond – die Sportwagenschmiede und der Geheimagent, Teil 1

12.06.2014 |  Von  |  Allgemein, Aston Martin, Auto
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Aston Martin und James Bond – die Sportwagenschmiede und der Geheimagent, Teil 1
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Aston Martin, der britische Hersteller von Renn- und rassigen Sportwagen wurde im Jahr 1913 von Lionel Martin (1878-1945) und Robert Bramford (1883-1942) gegründet und firmierte anfangs unter dem Namen Bamford & Martin Ltd. Die beiden Männer starteten ihr Geschäft im Londoner Westen mit dem Verkauf von Fahrzeugen der Marke Singer, mit denen sie sich auch an Autorennen beteiligten. Aber schon nach kurzer Zeit beschlossen sie, ihre eigenen Autos herzustellen, die schneller, besser und vor allem renntauglicher sein sollten.

In 1914 änderten sie den bisherigen Namen in Aston Martin um, nachdem Lionel Martin – ohne grossen Erfolg – mit einem Singer beim Rennen in Aston Hill dabei gewesen war. Das erste Auto, ein Prototyp, verliess die Produktion im Jahr 1915. Sein Spitzname lautete „Coal Shuttle“ (Kohlenkiste). Das zweite Modell folgte 1920. Robert Bradford verliess allerdings das Unternehmen in dieser Zeit, da er kein Interesse an einer Serienfertigung hatte, wie sie Lionel Martin vorschwebte.



Dies ist ein Bericht über Aston Martin in zwei Teilen. Hier das Inhaltsverzeichnis:

Teil 1: Aston Martin und James Bond – die Sportwagenschmiede und der Geheimagent

Teil 2: Aston Martin und James Bond – die Sportwagenschmiede und der Geheimagent

Aston Martin International aus dem Jahr 1930 (Bild: Mr.choppers, Wikimedia, CC)

Aston Martin International aus dem Jahr 1930 (Bild: Mr.choppers, Wikimedia, CC)




Die Position von Bradford nahm daraufhin Graf Louis Vorow Zborowski, der Sohn eines amerikanischen Millionärs. Zborowski half Aston Martin nicht nur mehrfach mit finanziellen Mitteln. 1922 brach er im Oval von Brooklands zehn Weltrekorde mit einem Geschwindigkeitsdurchschnitt von 122 km/h und sorgte damit für den ersten grossen Erfolg der Marke Aston Martin im Rennsport und für einen grossen Imagegewinn. Bei dem Anspruch des Unternehmens, „Rennwagen für die Strasse“ bauen zu wollen, ist es also kein Wunder, dass sich Aston Martin sehr stark und fast durchgehend am Motorsport beteiligte.

Diese Phase der Unternehmensgeschichte dauerte aber nur zwei Jahre, denn der Graf verunglückte beim Grossen Preis von Italien 1924 in Monza tödlich. Danach wurden die finanziellen Schwierigkeiten für Lionel Martin immer bedrohlicher. Er fand zwar neue Investoren wie Lord Charnwood, aber der Konkurs in 1925 war nicht mehr zu stoppen. Der zweite Gründer von Aston Martin verliess den Hersteller ebenfalls. 20 Jahre später starb er bei einem Autounfall in Kingston.

Aston Martin Mark II, 1934 (Bild: Alf van Beem, Wikimedia, CC)

Aston Martin Mark II, 1934 (Bild: Alf van Beem, Wikimedia, CC)

Lord Charnwood übernahm Aston Martin. An einem neuen Standort in Feltenham entwickelte er, der seinen guten Namen und Kapital einbrachte, zusammen mit Domenico Bertelli und William Somerville Renwick ab 1926 neue Modelle. Die beiden hatten einen fertig entwickelten Motor mit 1,5 Liter Hubraum im Gepäck. Auf dieser Grundlage konstruierten die neuen Partner die Reihen „International“, „Ulster“, „Mark II“ und „Le Mans“. Der Motorsport spielte weiterhin eine überragende Rolle. Aston Martin nahm mit reichlich Erfolg an sämtlichen bekannten Rennen Teil – darunter die 24 Stunden von Le Mans, die Mille Miglia, die RAC Tourist Trophy und Spa-Francorchamps.

Gegen Ende 1932 stand mit Sir Arthur Sutherland ein neuer Eigentümer vor der Tür. Dessen Sohn Gordon übernahm die Geschäftsführung. Mitte der 1930er Jahre wurde der 1,5-Liter-Antrieb durch eine 2-Liter-Maschine ersetzt, und das Unternehmen ergänzte seine Produktpalette um „zivilere“ Autos für eine breitere Kundschaft. Das neue Basismodell 15/98 diente zur Produktion verschiedener Drophead Coupés, Saloons und offener Viersitzer.





Aston Martin Le Mans (Bild: paPisc, Wikimedia, CC)

Aston Martin Le Mans (Bild: paPisc, Wikimedia, CC)




Das Image, das Aston Martin auf den Rennstrecken erlangt hatte, kam auch „auf der Strasse“ gut an, und zwar so gut, dass eine kleine Schar von begeisterten Fans im Mai 1935 den ersten Markenclub für Automobile der Welt ins Leben rief: den Aston Martin Owners Club (AMOC). Er existiert bis heute und zählt fast 5’000 Mitglieder rund um den Globus.

Gegen Ende des Jahrzehnts gab der Hersteller den Rennsport nach und nach auf. Bertelli, der massgeblichen Anteil an den Erfolgen hatte, verliess Aston Martin 1936. Ein neuer Prototyp im Stromliniendesign mit dem Namen „Atom“ entstand unter der Federführung von Gordon Sutherland und Konstrukteur Claude Hill Anfang 1939, jedoch wurde die Entwicklung durch den Zweiten Weltkrieg gestoppt. Von der Gründung bis 1945 waren gerade einmal 700 Fahrzeuge der Marke produziert worden, das entspricht einem Durchschnitt von einem Wagen in zwei Wochen.

Die Arbeit am „Atom“ kam auch nach dem Krieg nicht mehr voran, nicht zuletzt wegen der wirtschaftlichen Schieflage von Aston Martin. Im Jahr 1947 übernahm schliesslich der englische Unternehmer David Brown (1904-1993) den kriselnden Hersteller für 20’000 Pfund. Wenig später kaufte er auch die Firma Lagonda dazu. Der offizielle Name der Firma lautet heute Aston Martin Lagonda Limited. Brown hatte bis zu diesem Zeitpunkt sehr viel Geld mit Traktoren verdient und wollte schon länger seiner Neigung zu Sportwagen nachgehen.



 

Oberstes Bild: Aston Martin Speed, Model Ulster, 2 Liter, 1937 (© Softeis, Wikimedia, CC)

Über Ulrich Beck

hat Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert und ist zusätzlich ausgebildeter Mediendesigner im Segment Druck. Er schreibt seit über 30 Jahren belletristische Texte und seit rund zwei Jahrzehnten für Auftraggeber aus den unterschiedlichsten Branchen.




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