Echte und unechte Oldtimer

27.05.2014 |  Von  |  Allgemein, Auto
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Echte und unechte Oldtimer
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Waren Sie schon einmal in Havanna? Dort knattern echte Veteranen en masse durch die Strassen und verleihen der ohnehin schon exotischen Atmosphäre der kubanischen Hauptstadt den Hauch einer automobil gewordenen Vergangenheit.

Besonders amerikanische Modelle aus den 40er-, 50er- und 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts prägen dort das Strassenbild und begeistern mit runden Karosserien, Haifischflossen und oftmals jeder Menge Chromglanz. Hier gehören Oldtimer zum Alltag, während in der Schweiz fast jedes Vehikel jenseits der 25 Altersjahre schon für Aufsehen sorgt.



Oldtimer in Havanna (Bild: Kamira / Shutterstock.com)

Oldtimer in Havanna (Bild: Kamira / Shutterstock.com)

Echte Veteranen

Als echte Veteranen gelten Automobile, Motorräder und Busse, die älter als 20 oder 25 Jahre sind (kantonal geregelt) und dementsprechend schon längst nicht mehr hergestellt werden. Um aber ein echter Veteran zu sein, müssen die Oldsmobiles auch weitestgehend im Originalzustand erhalten, technisch voll funktionsfähig und entsprechend ihrer geschichtlichen Ära einwandfrei sein.



Ein echter Veteran zu sein bedeutet also mehr, als nur ein Alter jenseits der 25 Jahre aufzuweisen. Möglichst unverbastelt im Originalzustand, fahrbereit und frei von technischen Mängeln entsprechend dem Baujahr, das sind wichtige Voraussetzungen dafür, dass die alten Schätzchen sowohl von der Verkehrsbehörde als auch von den Versicherern als echte Oldtimer anerkannt werden.

Dafür bedarf es schon bei der Auswahl der Fahrzeuge eines guten Gespürs und bei der oftmals erforderlichen Restauration eines guten Händchens. Immerhin wird ein nicht fahrbereiter Scheunenfund erst dann zum echten Veteranen, wenn er mit Originalersatzteilen und entsprechend viel Aufwand wieder auf Vordermann gebracht wird. Das kostet Zeit, jede Menge Herzblut und immer wieder auch ein gutes Sümmchen Geld.

Am Ende dieser Bemühungen um einen echten Oldtimer steht immer die Freude am original wiederhergestellten Fahrzeug, das letztlich mehr ist als ein Haufen Blech und vorsintflutlich anmutender Technik mit mehr oder weniger Komfort und Bequemlichkeit. Schwierig zu erreichen ist diese Freude dann, wenn die ganz alten Automobile restauriert werden sollen. Für die Fahrzeuge vor Baujahr 1918 und teilweise auch später kann das richtig schwierig werden. Hier gibt es kaum noch Ersatzteile, und auch ein baugleiches Zweitfahrzeug zum „Ausschlachten“ ist nur selten zu haben.

Das ist auch der Grund dafür, dass die ganz alten Oldtimer besonders wertvoll sind und bei echten Liebhabern hoch im Kurs stehen. Wer ein solches Schätzchen noch fahrbereit mit Zulassung auf der Strasse bewegen kann, darf sich wirklich glücklich schätzen. Die meisten dieser alten Veteranen stehen nur noch im Museum.

Echte Oldtimer sollen ihren möglichst unverbastelten Originalzustand bewahren. (Bild: SF photo / Shutterstock.com)

Echte Oldtimer sollen ihren möglichst unverbastelten Originalzustand bewahren. (Bild: SF photo / Shutterstock.com)

„Unechte“ Oldtimer

Mindestens so verbreitet wie echte Veteranen der Mobilität sind auch die „unechten“ Oldtimer. Die sehen zwar rein äusserlich oftmals aus wie ihre original erhaltenen Vorbilder, gelten aber dann nicht als Oldtimer, wenn sie nicht vollkommen im Originalzustand erhalten sind, technisch verändert wurden oder anderweitig eben nicht der originalen Baureihe entsprechen. Da reicht es manchmal schon, die elektrische Anlage auf einen moderneren Stand zu bringen. Schon wird aus einem Oldtimer weiter nichts als ein optisch altes Auto, das bestenfalls noch als Klassiker durchgehen kann.



Eine andere Kategorie der „unechten“ Oldtimer sind die sogenannten Youngtimer. Das sind Autos, die jünger als 25 Jahre sind, aber dennoch nicht mehr hergestellt und offiziell nicht mehr als Neuwagen verkauft werden. Im englischen Sprachgebrauch werden die Fahrzeuge der Kategorie der Modern Classics zugeordnet. Auch hier ist grosses Interesse vorhanden, da besonders gut erhaltene Youngtimer auch in wenigen Jahren schon echte Oldtimer sein können.



Nicht fahrbereite, technisch veränderte oder schlecht restaurierte Veteranen sind meist auch der Gruppe der „unechten“ Oldtimer zuzuordnen, da sie als Oldtimer weder zugelassen noch versichert werden können. Hier ist es eher der Schein des Alten, der jedoch trügerisch ist.

Und was ist mit der Sicherheit?

Spätestens dann, wenn der Veteran wieder auf der Strasse bewegt werden soll, kommt die Frage nach der Sicherheit. Immer wieder umstritten sind hier Sicherheitsgurte. Wenn ein Fahrzeug in seinem originalen Auslieferungszustand nicht über Sicherheitsgurte verfügte, dann müssen auch keine nachgerüstet werden. Ein Oldtimer ist eben nur dann weitgehend original, wenn hier je nach Baujahr auch keine modernen Sicherheitseinrichtungen nachgerüstet werden. Hier entfällt also die Gurtpflicht.

Allerdings nur für Fahrzeuge, die bis zur Einführung der Gurtpflicht im Jahr 1972 in den Verkehr gebracht wurden. Fahrzeuge ab Baujahr 1972 müssen immer mit Gurtsystemen ausgestattet sein. Ist übrigens ein Oldtimer vor dem Baujahr 1972 mit Gurten ausgestattet, dann müssen diese auch angelegt werden, ganz ohne Ausnahme.

Bei Bremsen, Beleuchtungsanlagen und anderen Systemen zur Fahrzeugsicherheit muss immer damit vorliebgenommen werden, was das Fahrzeug entsprechend seinem Baujahr hergibt. Hier würden technische Veränderungen zum Verlust des Oldtimer-Status führen.

Verliebt in die Vergangenheit

Die Liebe zum Veteranen hat leider auch ihre Grenzen. So dürfen die Veteranen auch nur bis zu 3000 Kilometer jährlich bewegt werden, wenn sie ihren Veteranenstatus in der günstigen Zulassung nicht einbüssen sollen. Da bleibt die Liebe zur Vergangenheit doch manchmal regelrecht auf der Strecke. Letztlich gilt es hier, genau zu überlegen und zu planen, wann das alte Schätzchen „ausgeführt“ wird. Das macht den besonderen Spass an den Veteranen aber noch mehr zur echten Besonderheit.



 

Oberstes Bild: Ein echter Veteran soll mindestens 20-25 Jahre alt sein. (© Fedor Selivanov / Shutterstock.com)

Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus...die Berater.
Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt - die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.


1 Kommentar


  1. Guten Tag zusammen, darf ich bei einem Oldtimer die originalen Lautsprecher (welche man nicht sieht) durch neue bessere Speaker ersetzen und einen Subwoofer ins nicht sichtbare Reserverad im Kofferraum einbauen und eventuell eine Endstufe unter einen Sitz verstecken oder gilt dies schon als zu grosse technische Veränderung ?

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