Tipps zur saisonalen Bereifung an Motorfahrzeugen

16.05.2014 |  Von  |  Allgemein, Auto
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Tipps zur saisonalen Bereifung an Motorfahrzeugen
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In der Schweiz haben es die Verkehrsteilnehmer auf den Strassen und Autobahnen mit besonders ausgeprägten Jahreszeiten zu tun. Die verschiedenen jahreszeitlichen Strassenbedingungen stellen jeweils eigene und saisontypische Ansprüche an die Leistungsmerkmale und speziellen Charakteristiken der Pneus von Motorfahrzeugen.

Die pneuherstellende Industrie hat sich bei der Diversifikation ihrer Produktprogramme auf diesen Bedarf sehr gut eingestellt und bietet Reifen in den verschiedensten Dimensionen mit den unterschiedlichsten Merkmalen und Charakteristiken an. Man unterscheidet in der Regel zwischen Winterpneus und Sommerpneus, es gibt auch ergänzend Ganzjahresreifen zu kaufen.



Wie unterscheiden sich die Winterpneus von den Sommerpneus?

Bei den Unterscheidungsmerkmalen fällt zunächst die völlig unterschiedliche Profilierung der Reifen auf. Während bei den Pneus für vorwiegenden Sommerbetrieb die einzelnen Segmente des Profils dichter zusammenstehend wirken, haben typische Winterreifenprofilierungen deutlich grösser ausfallende Zwischenräume. Das erklärt sich aus der Hauptaufgabe der Reifen, den Fahrbahnkontakt auch bei widrigem Wetter aufrechtzuerhalten.

Typische Winterreifenprofilierungen haben deutlich grösser ausfallende Zwischenräume. (Bild: Pics-xl / Shutterstock.com)

Typische Winterreifenprofilierungen haben deutlich grösser ausfallende Zwischenräume. (Bild: Pics-xl / Shutterstock.com)

Widrige Strassenverhältnisse in der warmen Jahreszeit sind gleichzusetzen mit eventuell feuchten oder nassen Fahrbahnen. Die Sommerprofile verdrängen ein Oberflächenwasser zu den Seiten hin und versuchen dem Reifen eine möglichst optimale Kontaktfläche zu verschaffen. Dieser Fahrbahnkontakt erlaubt den Vortrieb, einen Seitenhalt in Kurven und die ebenso wichtige Verzögerung bei Bremsmanövern. Zu den typischen Charakteristiken der Sommerreifen gehören auch Komfortmerkmale, wie beispielsweise ein reduziertes Abrollgeräusch oder ein weniger leistungszehrender Rollwiderstand.



Widrige Wetterverhältnisse in der kalten Jahreszeit umfassen zusätzlich noch möglichen Reif oder Fahrbahnglätte, vereiste oder verschneite Fahrbahnen, geschlossene Schneedecken und auch Schneematsch. Das gröbere Profil erlaubt mehr Raum für die Wasser- und Schneematschverdrängung. Es fördert auch die Traktion auf Schnee. Das Profil setzt sich nicht so leicht zu und ein „Durchdrehen“ der Antriebsräder wird dadurch unwahrscheinlicher.

Natürlich ist die wetterangepasste Fahrweise von grosser Bedeutung, ein Winterreifen unterstützt den Kraftfahrer beim Fahrzeugbetrieb auf winterlichen Strassen dazu in einer optimierten Form. Weniger Wert legen die Hersteller auf Laufgeräusche und andere Komfortmerkmale, die Sicherheitsaspekte überwiegen beim typischen Winterpneu deutlich. Es ist daher nicht ungewöhnlich, dass ein mit Winterbereifung ausgerüstetes Fahrzeug beispielsweise auch etwas lautere Geräusche beim Fahren entwickelt.

Die versuchen dem Reifen eine möglichst optimale Kontaktfläche zu verschaffen. (Bild: Beneda Miroslav / Shutterstock.com)

Die versuchen dem Reifen eine möglichst optimale Kontaktfläche zu verschaffen. (Bild: Beneda Miroslav / Shutterstock.com)

Was sind diese „Ganzjahresreifen“ genannten Pneus?

Ein Ganzjahresreifen ist ein Hybridprodukt, welches die Eigenschaften der Sommerbereifung mit denen der Winterbereifung verknüpft. Er stellt einen echten Kompromiss dar und ist bei vielen Fahrzeugführern beliebt. Eine echte Winterfähigkeit kann diesem Reifentyp nur dann attestiert werden, wenn er die M+S- oder M&S-Kennzeichnung auf der Reifenflanke trägt. Dieses Kürzel bedeutet seitens der Hersteller die Freigabe des Pneus für den Betrieb auf „mud + snow“, was übersetzt „Matsch + Schnee“ heisst.

M+S ist aber keine geschützte Bezeichnung, die Verwendung dieses Buchstabenkürzels wurde auch schon auf importierten Billigpneus aus Fernost ohne jegliche Wintertauglichkeit entdeckt. Etwas zuverlässiger und aussagefähiger ist hierbei das Bergpiktogramm mit Schneeflockensymbol, es kennzeichnet eindeutig Winterpneus mit verbesserten Wintereigenschaften und auch Ganzjahrespneus mit sehr guter Winterfähigkeit.

Ein Ganzjahresreifen verzichtet auf besondere Laufeigenschaften in den Grenzbereichen, welche dem Sommerpneu im Sommer und dem Winterpneu im Winter seine speziellen Stärken verleihen. Autofahrer ohne winterliche Ziele ausserhalb der Ansiedlungen mit gut funktionierenden Winterdiensten können in milden Wintern durchaus auf die besonderen Leistungen echter Winterpneus verzichten.

Die Winteralternative: Spikesreifen



In der Schweiz sind Spikes an Stahlgürtelreifen zwischen dem 1. November und dem 30. April im Strassenverkehr erlaubt. Spikes sind Metallstifte, welche in die Reifendecke einvulkanisiert sind. Sie stehen bis maximal 1,5 mm über das Profil hinaus. Spikesreifen sind nur als Komplettausrüstung gestattet, es gibt ein generelles Verbot ausserhalb der genehmigten Frist und auf Autobahnen. Das Fahrzeug muss durch einen Aufkleber am Fahrzeugheck gekennzeichnet werden. Fahrzeuge mit Spikesreifen dürfen ausserdem eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h nicht überschreiten. Geringere Höchstgeschwindigkeiten können regional für die Spikesbenutzung ausgeschildert sein.

Eine weitere Alternativlösung für den Wintereinsatz: Schneeketten

Schneeketten werden paarweise auf den Antriebsrädern montiert. Sie dienen der Fahrbereitschaft auf durchgehenden Schneedecken. Der Schneeketteneinsatz kann vorgeschrieben sein, das ist z. B. auf manchen Alpenpässen der Fall. Eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h sollte nicht überschritten werden. Die Grösse und Breite der Schneeketten muss zum Fahrzeug und Reifentyp passen. Nicht jeder Breitreifen ist schneekettentauglich. Empfehlenswert ist die Verwendung von Stahlfelgen beim Betrieb mit Schneeketten.





Schneeketten werden paarweise auf den Antriebsrädern montiert. (Bild: AS-kom / Shutterstock.com)

Schneeketten werden paarweise auf den Antriebsrädern montiert. (Bild: AS-kom / Shutterstock.com)

Immer wichtig sind der richtige Luftdruck und eine ausreichende Tiefe des Profils

Um ihren gestellten Aufgaben vollumfänglich nachkommen zu können, sollten Ihre Pneus immer einen Betriebsdruck im vom Hersteller vorgeschriebenen Bereich haben. Als Faustregel gilt bei Fahrzeugen, dass nur ein korrekt aufgepumpter Pneu auch seine volle Leistungsbereitschaft aufweist. Überprüfen Sie daher den Luftdruck regelmässig oder auch generell vor längeren Fahrten oder Touren unter Last.

Schon ein geringfügiger Überdruck führt zu abnormalem Reifenverschleiss in der Mitte der Reifendecke. Ein Unterdruck kann zu vermehrtem Verschleiss in den Flankenbereichen führen und zudem eine Überhitzung des Gummiwerkstoffes bewirken, welche den Reifen zerstören kann. Indikationspunkte an den Reifen (Ihr Pneuexperte zeigt Ihnen diese gerne) geben Aufschluss über den fortgeschrittenen Abrieb der Pneus. Das ist ein normaler Vorgang, er reduziert die Profiltiefe langsam. Ab gewissen Profiltiefen wird der Betrieb bedenklich; der Pneu kann seine Aufgaben nicht mehr erfüllen und muss ersetzt werden.



 

Oberstes Bild: Die pneuherstellende Industrie bietet Reifen mit den unterschiedlichsten Charakteristiken an. (© agoush / Shutterstock.com)


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