Wenn Autofahren plötzlich gefährlich wird: Diese Mängel werden oft zu spät bemerkt

Ein Auto kann sich im Alltag völlig normal anfühlen und trotzdem sicherheitsrelevante Mängel haben. Besonders tückisch sind Defekte, die sich schleichend entwickeln: nachlassende Stossdämpfer, ungleichmässig verschlissene Reifen, Spiel in Fahrwerksgelenken oder alternde Bremsflüssigkeit fallen im täglichen Verkehr oft kaum auf. Kritisch werden sie häufig erst bei einer Vollbremsung, auf nasser Fahrbahn oder bei einem schnellen Ausweichmanöver.

Der Touring Club Schweiz prüft bei umfassenden Fahrzeugkontrollen deshalb nicht nur offensichtliche Dinge wie Beleuchtung und Reifenprofil. Kontrolliert werden unter anderem Stossdämpfer, Radlager, Kugelgelenke, Spurstangen, Bremsleitungen, Bremsschläuche, Bremsflüssigkeit, ABS, Lenkung und Radaufhängung. Viele dieser Komponenten können bereits verschlissen sein, bevor der Fahrer im Alltag eindeutig etwas bemerkt.

Besonders wichtig ist deshalb, Veränderungen am Fahrverhalten nicht zu ignorieren. Ein Auto, das plötzlich schlechter geradeaus läuft, bei Bodenwellen nachschwingt, beim Bremsen zieht oder ungewöhnliche Vibrationen entwickelt, sollte kontrolliert werden. Nicht jedes Symptom bedeutet automatisch einen gefährlichen Defekt – es kann aber ein früher Hinweis sein.

Stossdämpfer verlieren ihre Wirkung schleichend

Zu den klassischen versteckten Sicherheitsmängeln gehören verschlissene Stossdämpfer.

Das Problem: Ihre Wirkung verschlechtert sich meist langsam. Der Fahrer gewöhnt sich an das veränderte Fahrverhalten und bemerkt den Unterschied möglicherweise erst spät.

Der TCS weist darauf hin, dass Fehlfunktionen und schleichender Leistungsverlust von Stossdämpfern für Fahrer oft nur schwer erkennbar sind.

Schwache Dämpfer können dazu führen, dass die Räder auf schlechten Strassen weniger konstant Kontakt zur Fahrbahn halten. Dadurch verschlechtern sich Fahrstabilität und Wirkung elektronischer Assistenzsysteme.

Hinweise können stärkeres Nachschwingen nach Bodenwellen, ein unruhiges Fahrzeugheck oder ungewohnt starke Karosseriebewegungen sein.

Reifen können gefährlich sein, obwohl noch Profil vorhanden ist

Bei Reifen schauen viele Autofahrer fast ausschliesslich auf die Profiltiefe.

Das reicht nicht.

Entscheidend sind auch Reifendruck, Alter, Beschädigungen, ungleichmässiger Abrieb und der Zustand der Seitenwände. Ein schleichender Druckverlust kann beispielsweise lange unbemerkt bleiben.

Besonders bei längeren Autobahnfahrten kann zu geringer Reifendruck problematisch werden, weil sich der Reifen stärker erwärmt und seine Struktur zusätzlich belastet wird.

Auch ungleichmässig abgefahrene Reifen verdienen Aufmerksamkeit. Sie können auf falsche Achsgeometrie, verschlissene Fahrwerksteile oder einen falschen Luftdruck hindeuten.

Ein Auto, das trotz gerader Strasse konstant nach links oder rechts zieht, sollte deshalb nicht einfach ignoriert werden.

Spiel in Fahrwerk und Lenkung merkt man nicht immer sofort

Kugelgelenke, Spurstangenköpfe, Radlager und andere Fahrwerksteile sind im Alltag hohen Belastungen ausgesetzt.

Sie verschleissen nicht zwangsläufig mit einem plötzlichen Knall. Häufig entsteht zunächst etwas Spiel.

Typische Hinweise können Klopf- oder Poltergeräusche auf schlechten Strassen, ein schwammiger Geradeauslauf, ungewöhnliches Lenkverhalten oder Vibrationen sein.

Der TCS kontrolliert bei Fahrzeugtests unter anderem Radlagerspiel, Federelemente, Stabilisatoren, Kugelgelenke, Spurstangen und weitere Bestandteile der Lenkung.

Gerade nach einem harten Kontakt mit einem Schlagloch oder Randstein kann eine Kontrolle sinnvoll sein. Dabei können nicht nur Reifen und Felge, sondern auch Fahrwerksgeometrie und Aufhängung betroffen sein.

Bremsen können nachlassen, ohne dass sofort eine Warnlampe leuchtet

Auch das Bremssystem besteht aus weit mehr als Scheiben und Belägen.

Zu einer vollständigen Prüfung gehören unter anderem Leitungen, Schläuche, Hauptbremszylinder, Bremskraftverstärker, Feststellbremse, Bremsscheiben, Beläge und Bremsflüssigkeit.

Gerade Bremsflüssigkeit altert.

Sie nimmt mit der Zeit Feuchtigkeit auf. Dadurch sinkt ihr Siedepunkt. Unter hoher Belastung kann dies problematisch werden, weil sich Dampfblasen bilden können und die Bremswirkung nachlassen kann.

Ein ungewöhnlich weiches Bremspedal, längerer Pedalweg, Vibrationen oder ein Fahrzeug, das beim Bremsen deutlich zu einer Seite zieht, gehören deshalb abgeklärt.

Warnlampen sind nicht die einzige Warnung

Moderne Autos überwachen viele Systeme elektronisch.

Trotzdem erkennt die Fahrzeugelektronik nicht jeden mechanischen Verschleiss zuverlässig.

Eine gelbe oder rote Warnlampe sollte grundsätzlich ernst genommen und anhand der Betriebsanleitung geprüft werden. Rote Warnleuchten können je nach Symbol bedeuten, dass eine Weiterfahrt nicht ratsam ist.

Aber auch ohne Kontrollleuchte können mechanische Probleme vorhanden sein.

Ein ausgeschlagenes Gelenk, nachlassende Stossdämpfer oder eine ungünstige Achsgeometrie lösen nicht zwangsläufig sofort eine Warnmeldung im Cockpit aus.

Ungewöhnliche Geräusche sind oft der erste Hinweis

Ein neu auftretendes Geräusch sollte nicht automatisch als Alterserscheinung des Autos abgetan werden.

Knacken beim Lenken, Poltern über Unebenheiten, Mahlen aus dem Bereich eines Rades oder metallische Geräusche beim Bremsen können unterschiedliche Ursachen haben.

Dasselbe gilt für neue Vibrationen.

Treten sie nur in einem bestimmten Geschwindigkeitsbereich auf, können beispielsweise Reifen oder Räder beteiligt sein. Vibrationen beim Bremsen können wiederum auf Probleme im Bremssystem hindeuten.

Entscheidend ist weniger, selbst die Ursache zu diagnostizieren, sondern eine deutliche Veränderung rechtzeitig untersuchen zu lassen.

Ein kurzer Fahrzeugcheck kann versteckte Probleme sichtbar machen

Gerade vor langen Autobahnfahrten, Ferienreisen oder bei älteren Fahrzeugen kann ein professioneller Check sinnvoll sein.

Der TCS überprüft bei entsprechenden Tests unter anderem Reifen, Fahrwerk, Lenkung, Bremsen, Flüssigkeiten, Beleuchtung und elektrische Anlage. Auch eine Probefahrt kann dazugehören, bei der auf Geräusche, Vibrationen, Spurtreue und auffälliges Fahrverhalten geachtet wird.

Weitere Hinweise zu Verschleiss am Fahrwerk finden Sie auch in unserem Beitrag rund um Wartung und Fahrzeugsicherheit bei motortipps.ch.

Wichtig bleibt: Ein Auto muss nicht erst eine Warnlampe zeigen oder liegen bleiben, bevor ein Defekt sicherheitsrelevant wird. Gerade schleichende Veränderungen verdienen Aufmerksamkeit.

🚗 DIESE ZEICHEN SOLLTEN SIE NICHT IGNORIEREN

  • Das Auto zieht plötzlich nach links oder rechts oder fühlt sich bei höherem Tempo unruhig an.
  • Nach Bodenwellen schwingt die Karosserie stärker nach als früher.
  • Beim Lenken oder auf schlechten Strassen treten neue Klopf-, Knack- oder Mahlgeräusche auf.
  • Das Bremspedal fühlt sich anders an, der Wagen zieht beim Bremsen zur Seite oder vibriert.
  • Reifen nutzen sich ungleichmässig ab oder verlieren wiederholt Luft.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert

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