Verschiedene Reifenmarken am Auto – erlaubt, aber riskant?
von belmedia Redaktion Allgemein Alltag Auto Draussen Familie Magazine Mobilität motor.ch motortipps.ch nachrichtenticker.ch News Orte Regionen Schweiz Schweiz Sicherheit sicherheit.ch Themen Ⳇ Verbreitung
Vorne Michelin, hinten Continental – darf man in der Schweiz mit unterschiedlichen Reifenmarken fahren? Grundsätzlich ja. Die Schweizer Vorschriften verlangen bei Personenwagen nicht, dass alle vier Pneus vom gleichen Hersteller stammen. Trotzdem können unterschiedliche Reifen das Bremsverhalten, die Kurvenstabilität und die Sicherheit bei Nässe beeinträchtigen.
Besonders problematisch wird es, wenn zwei Reifen auf derselben Achse unterschiedliche Eigenschaften besitzen. Verschiedene Gummimischungen, Profile und Abnutzungszustände können dazu führen, dass ein Rad früher die Haftung verliert als das andere. Bei einer Vollbremsung oder einem plötzlichen Ausweichmanöver kann das gefährlich werden. Auch moderne Fahrassistenzsysteme können die physikalischen Grenzen der Reifen nicht überwinden.
In der Schweiz schreibt die Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge für Personenwagen unter anderem dieselbe Reifenbauart und eine Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern vor. Der Touring Club Schweiz empfiehlt allerdings, möglichst vier identische Reifen zu verwenden. Besonders bei Allradfahrzeugen müssen zusätzlich die Vorgaben zum Abrollumfang berücksichtigt werden.
Was ist in der Schweiz erlaubt?
Die rechtliche Grundlage bildet insbesondere Artikel 58 der Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge (VTS).
Für Personenwagen müssen sämtliche Reifen dieselbe Bauart aufweisen. Eine Kombination aus Radial- und Diagonalreifen ist deshalb nicht zulässig.
Unterschiedliche Marken oder Profile sind dagegen nicht grundsätzlich verboten. Entscheidend ist, dass die Bereifung technisch zum Fahrzeug passt und dessen Betriebssicherheit gewährleistet bleibt.
Reifendimension, Tragfähigkeitsindex, Geschwindigkeitsindex und zulässige Felgen-Reifen-Kombinationen müssen den Anforderungen entsprechen.
Warum unterschiedliche Reifen gefährlich sein können
Selbst zwei Pneus derselben Dimension können sehr unterschiedliche Fahreigenschaften besitzen.
Ein Reifen bietet möglicherweise ausgezeichneten Grip auf nasser Fahrbahn, während ein anderer vor allem auf geringen Rollwiderstand ausgelegt ist.
Auch die Gummimischung, die Profilgestaltung und das Reifenalter beeinflussen die Haftung.
Besonders beim Bremsen und in Kurven können solche Unterschiede problematisch werden.
Wenn die Reifen auf einer Fahrzeugseite früher die Haftung verlieren, kann das Fahrverhalten instabil werden. Das Risiko ist bei Nässe und plötzlichen Ausweichmanövern besonders hoch.
Zwei verschiedene Marken auf derselben Achse
Diese Kombination sollte möglichst vermieden werden.
Der TCS empfiehlt ausdrücklich, zumindest auf jeder Achse Reifen derselben Dimension, Marke und Profilausführung mit vergleichbarem Verschleiss zu montieren.
Unterschiedliche Reifen auf derselben Achse können die Verteilung der Brems- und Seitenführungskräfte beeinflussen.
Gerade bei einer Notbremsung ist ein möglichst gleichmässiges Verhalten wichtig.
Ein einzelner günstiger Ersatzreifen kann deshalb langfristig die schlechtere Entscheidung sein.
Vorne und hinten verschiedene Hersteller
Deutlich weniger kritisch ist normalerweise eine Kombination, bei der beide Vorderreifen identisch sind und beide Hinterreifen ebenfalls übereinstimmen.
Beispielsweise können vorne zwei Michelin-Reifen und hinten zwei Continental-Reifen montiert sein.
Das ist grundsätzlich erlaubt, sofern die technischen Anforderungen erfüllt werden.
Trotzdem sollten die Eigenschaften der beiden Reifenmodelle möglichst ähnlich sein.
Ein sportlich ausgelegter Sommerreifen auf einer Achse und ein besonders komfortorientiertes Modell auf der anderen können bei Nässe unterschiedliche Haftungsreserven besitzen.
Wohin gehören die besseren Reifen?
Ein häufiger Irrtum betrifft die Position der neuen Reifen.
Viele Autofahrer möchten die Reifen mit dem besseren Profil vorne montieren, weil dort bei den meisten Fahrzeugen gelenkt wird.
Der TCS empfiehlt jedoch grundsätzlich die besseren Reifen auf der Hinterachse.
Der Hintergrund ist die Fahrstabilität: Verlieren die Hinterräder zuerst die Haftung, kann das Fahrzeug ausbrechen und ins Schleudern geraten.
Diese Empfehlung gilt im Grundsatz unabhängig davon, ob ein Auto Front- oder Heckantrieb besitzt.
Bei besonderen Fahrzeugkonzepten und Reifendimensionen sind die jeweiligen Herstellervorgaben zu beachten.
Allradfahrzeuge reagieren empfindlicher
Bei Fahrzeugen mit Allradantrieb können unterschiedliche Reifen zusätzliche Schwierigkeiten verursachen.
Entscheidend ist hier der tatsächliche Abrollumfang.
Ein neuer Reifen besitzt normalerweise ein tieferes Profil und einen grösseren Abrollumfang als ein stark abgefahrener Reifen desselben Modells.
Daraus können unterschiedliche Raddrehzahlen entstehen.
Je nach Allradsystem müssen Kupplungen oder Differenziale diese Unterschiede ausgleichen. Bei grösseren Abweichungen sind erhöhter Verschleiss und im ungünstigen Fall technische Schäden möglich.
Ein Fachbetrieb sollte deshalb vor dem Austausch einzelner Reifen die Herstellervorgaben prüfen.
Sommer- und Winterreifen mischen?
Auch hier ist zwischen rechtlicher Zulässigkeit und Fahrsicherheit zu unterscheiden.
Die Schweiz kennt keine generelle Winterreifenpflicht für Personenwagen. Deshalb ist auch die Kombination von Sommer- und Winterreifen nicht allein aufgrund der unterschiedlichen Saisonbezeichnung generell verboten.
Empfehlenswert ist diese Kombination jedoch nicht.
Sommer- und Winterreifen besitzen unterschiedliche Gummimischungen und Profile. Besonders bei kalten Temperaturen und winterlichen Strassenbedingungen können erhebliche Unterschiede auftreten.
Der Vergleich zwischen Ganzjahres- und saisonalen Reifen zeigt zudem, weshalb sich die geeignete Bereifung nach Fahrleistung, Region und Einsatzbedingungen richten sollte.
Beim Reifenwechsel nicht am falschen Ort sparen
Wer nach einer Reifenpanne nur einen einzelnen Pneu ersetzen möchte, sollte zuerst das Alter und die Profiltiefe des verbleibenden Reifens prüfen lassen.
Ist der zweite Reifen derselben Achse bereits deutlich abgenutzt, empfiehlt sich normalerweise der paarweise Austausch.
Auch wenn vier identische Reifen zunächst teurer erscheinen, bieten sie meist das ausgewogenere Fahrverhalten.
Für die Sicherheit sind Reifen entscheidend: Sie übertragen sämtliche Brems-, Lenk- und Antriebskräfte auf die Strasse.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert