Ohne Schilder im Strassenverkehr

10.10.2014 |  Von  |  Allgemein, Auto
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Ohne Schilder im Strassenverkehr
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Eine Innenstadt ohne Schilderwald – Chaos vorprogrammiert? Nicht unbedingt, wie ein Beispiel aus Deutschland zeigt. In einer Kleinstadt wird dort das Experiment gewagt, die Autofahrer komplett ohne Anweisungen fahren zu lassen.

Ob es sich dabei um ein Modell handelt, das auch in anderen Städten und vor allem Ländern funktionieren kann? Man wird sehen. Bis dahin bleibt die schilderlose Verkehrsführung aber immerhin ein bemerkenswertes Experiment.









Überbeschilderung kann zu Reizüberflutung führen – Häufung von Verkehrszeichen an der Donaulände in Passau. (Bild: Bernd Sluka, Wikimedia, CC)

Überbeschilderung kann zu Reizüberflutung führen – Häufung von Verkehrszeichen an der Donaulände in Passau. (Bild: Bernd Sluka, Wikimedia, CC)

Sicher ohne Sicherheit

Die Gemeinde Bohmte mit etwa 12’000 Einwohnern besitzt eine viel befahrene Durchfahrtsstrasse – und genau dort hat man jetzt alles abgeschafft, was eigentlich zum Strassenverkehr dazugehört: Die Schilder sind weg, es gibt keine Ampel, keinen Zebrastreifen und auch keine anderen Hilfen, welche den Autofahrern (und auch den Fahrradfahrern und Fussgängern) behilflich sein könnten. Was zunächst nach einem Anflug von Wahnsinn bei den Städteplanern klingt, stellt sich in der Praxis als etwas ganz anderes heraus. So ziehe der Verkehr nun flüssiger durch Bohmte und die Sicherheit sei auch erhöht worden.

Shared-Space-Kreisel in Bohmte, Niedersachsen (Bild: Wikimedia, CC)

Shared-Space-Kreisel in Bohmte, Niedersachsen (Bild: Wikimedia, CC)

Die Kommunikation zwischen den Verkehrsteilnehmern geschieht mit den Händen, dem Gesichtsausdruck und zur Not auch Blinkern oder Scheinwerfern. Unfälle? Bislang absolut keine nennenswerten Vorfälle, nur einen Auffahrunfall, der mit ein wenig vorausschauender Fahrweise aber auch zu vermeiden gewesen wäre, habe es gegeben. Interessant sind die Zahlen, welche Systeme wie das in Bohmte oder auch in anderen, ähnlichen Städten untermauern: In den Niederlanden etwa wird ein ähnliches Pilotprojekt durchgeführt, wodurch die Dauer beim Aufenthalt an einer Kreuzung um 40 % sank. In England hingegen traf es die Kensington High Street direkt in London, wo ebenfalls 19 von 20 Schildern verschwanden – was zu einer Reduktion der schwerverletzten oder gar getöteten Fussgänger um 60 % führte.

Aufmerksamkeit schützt besser als Schilder

Eine Erklärung für dieses Phänomen gibt es natürlich schon: Anstatt blind auf einen Schilderwald zu vertrauen und dadurch lieber das Handy zu nutzen und zu twittern als aufzupassen, müssen die Verkehrsteilnehmer aktiv am Geschehen teilnehmen und viel Aufmerksamkeit aufwenden. Das führt zu einer besseren Wahrnehmung und dadurch langfristig zu weniger Unfällen und Verletzten. Ist der schilderlose Strassenverkehr dadurch aber ein Modell für die Zukunft? Das wird die Zeit zeigen müssen. In viel befahrenen Innenstädten oder Hauptverkehrsadern von Städten wie Basel oder Bern ist das Modell derzeit wohl noch nicht denkbar.

 

Oberstes Bild: Hinweiszeichen für die „Shared-Space-Zone“ (Bild: Wikimedia)


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