Nutzfahrzeuge – beste Aussichten durch teilautonomes Fahren

22.09.2016 |  Von  |  Autonomes Fahren, LKW
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Nutzfahrzeuge – beste Aussichten durch teilautonomes Fahren
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Die Aussichten für die Nutzfahrzeuge-Industrie sind glänzend. Das sagt zumindest die Unternehmensberatung McKinsey & Company. Laut einer von ihr erstellten Studie wird der Weltmarkt für LKW über 6 Tonnen von heute 150 Milliarden Euro Jahresumsatz bis 2025 auf 240 Milliarden Euro wachsen. Das ist eine Zunahme um fast die Hälfte.

Im gleichen Zeitraum steigt der Gesamtgewinn der Branche von 9 Milliarden auf rund 15 Milliarden Euro. Ein Grossteil des zusätzlichen Umsatzes stammt nicht nur aus höheren Verkaufszahlen, sondern von neuen Technologien wie dem autonomen Fahren. Das Geschäft mit kleineren Lieferfahrzeugen boomt ebenfalls: Die Umsätze im Van-Segment werden bis 2025 von zuletzt 130 Milliarden auf bis zu 200 Milliarden Euro wachsen.

In der aktuellen Studie mit dem Titel „Delivering change“ befragte die Unternehmensberatung weltweit mehr als 3000 Endkunden in Deutschland, USA und China sowie 250 Entscheider aus der Lastwagen- und Logistikindustrie.

Nachhaltige Kostensenkungn möglich

Andreas Tschiesner, Leiter der europäischen Automobilberatung von McKinsey und Koautor der Studie: „Neue Technologien bieten den Lkw-Herstellern die Chance, sich über das Fahrzeug hinaus mit neuen Geschäftsmodellen zu differenzieren. Gleichzeitig bekommen sie zunehmend Konkurrenz durch Unternehmen aus der Digitalwirtschaft.“

Als wichtigsten Branchentrend identifiziert die Studie das autonome Fahren. Jedes dritte verkaufte Nutzfahrzeug in Europa wird 2025 in bestimmten Fahrsituationen – z.B. auf der Autobahn – vollautonom fahren können. „Damit verändern sich Stück für Stück die Spielregeln der Branche“, sagt Automotive-Experte Matthias Kässer, Koautor der Studie.

Heute macht der Fahrer bei schweren Nutzfahrzeugen rund 30 bis 40 Prozent und bei leichteren Lieferfahrzeugen rund 60 Prozent der Gesamtkosten (Total Cost of Ownership, TCO) beim Betrieb eines Fahrzeugs aus. Durch selbstfahrende Lieferfahrzeuge könnten die TCO um bis zu 50 Prozent sinken, bei gleichzeitig geringeren Standzeiten und einer höheren Auslastung. Weltweit könnten in der Logistik dadurch langfristig bis zu 100 Milliarden Euro wirtschaftlicher Mehrwert jährlich geschaffen werden.

Kässer: „Ob dieser Mehrwert den Herstellern, Logistikdienstleistern oder den Kunden durch niedrigere Lieferkosten zu Gute kommt, ist noch nicht entschieden.“ 72 Prozent der Verbraucher begrüssen selbstfahrende Lieferfahrzeuge, wenn dadurch die Lieferkosten gesenkt würden.



Diese Trends gibt es noch

Zusätzlich zur Automatisierung werden laut der McKinsey-Studie folgende Entwicklungen die Branche in den kommenden Jahren prägen:

  • Vernetzung: Viele Nutzfahrzeuge sind schon heute mit ihrer Umgebung vernetzt, so dass in Echtzeit beispielsweise ihre Position und Geschwindigkeit überwacht werden kann. „In Zukunft wird die Konnektivität aber zum entscheidenden Kontrollpunkt. Wer die Datenschnittstelle beherrscht, hat die Chance, neue Geschäftsmodelle zu etablieren“, so Kässer. Schon heute sagen 49 Prozent der befragten Entscheider, dass dieses Geschäft für Fahrzeughersteller attraktiver werden könnte als der Verkauf von Fahrzeugen.
  • Alternative Liefertechnologien: Jeder fünfte befragte Experte nennt alternative Liefertechnologien wie Drohnen oder Lieferroboter als Investitionsschwerpunkt in den nächsten Jahren. „Viele Unternehmen experimentieren derzeit mit neuen Angeboten, um das Potenzial auszutesten“, sagt Kässer.
  • Kunden: Im E-Commerce haben sich die Kunden in Deutschland an eine schnelle und kostenlose Lieferung gewöhnt. Neue Angebote wie „Same day delivery“ oder gar die sofortige Lieferung der Ware nach Bestellung („instant delivery“) setzen eine leistungsfähige und dynamische Logistikkette mit innerstädtischen Verteilzentren voraus.
  • E-Mobilität: Knapp 70 Prozent der befragten Industrieentscheider erwarten, dass 2025 ein Drittel der leichten Nutzfahrzeuge einen elektrischen Antrieb haben wird. Vier von fünf Befragten gehen davon aus, dass Innenstädte nach 2030 für Lieferfahrzeuge mit konventionellem Verbrennungsmotor gesperrt sein werden.

„Durch den technologischen Wandel eröffnen sich Chancen für neue, branchenfremde Angreifer“, sagt Tschiesner. „Lkw-Hersteller und Logistikdienstleister sollten ihre Geschäftsmodelle entsprechend anpassen.“ Für mehr als die Hälfte der befragten Entscheider sind beispielsweise Kooperationen oder Fusionen entlang der Wertschöpfungskette eine mögliche Option.

 

Artikel von: McKinsey & Company
Artikelbild: © Chesky – Shutterstock.com

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