Mit einem Oldtimer in den Urlaub – worauf ist zu achten?

12.10.2019 |  Von  |  Oldtimer
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Mit einem Oldtimer in den Urlaub – worauf ist zu achten?
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Kaum haben sich die dicken Wolkenbänder im März verzogen und die Niederschläge lassen deutlich nach, erwacht in jedem stolzen Besitzer eines Oldtimers der Drang, mit der Rarität eine Ausfahrt zu unternehmen. Wer dabei weiter entfernte Ziele im Auge hat, vielleicht eine Europatour oder ein Oldtimertreffen im mediterranen Ausland, dem steht etwas Arbeit bevor, damit der Langstreckenausflug zum ungetrübten Vergnügen wird.

Die perfekte Vorbereitung eines klassischen Fahrzeuges bedarf zwar etwas Zeitaufwand, dafür ist das Erlebnis beim Urlaub mit einem Oldtimer auch ein ganz besonderes. Egal ob das Ziel die italienische Amalfi-Küste, das sardinische Porto Cervo zur Rolex Regatta oder die atemberaubend wildromantische Costa Brava auf der iberischen Halbinsel ist.

Vor der Reise: Fahrzeugpflege

Bevor es mit einem Oldtimer auf die lange Piste geht, sind einige Handgriffe notwendig. Dabei ist immer erhöhte Aufmerksamkeit wichtig. Entgegen den computergesteuerten Fahrzeugen der Gegenwart, die mit drei Dutzend Warnhinweisen ausgestattet sind, zeigen klassische Automobile durch Kleinigkeiten, dass etwas nicht ganz in Ordnung ist.

  • Die Zündkerzen sind zu überprüfen. Gegebenenfalls muss für eine bessere Verbrennung und Laufruhe der Abstand zwischen Masseelektrode und Mittelelektrode justiert werden. Hat sich allerdings Kohlenstoff oder Öl auf der Zündkerze abgelagert, ist ein intensiver Check des Motors erforderlich.
  • Die Luftfilter reinigen, damit der Motor frisch durchatmen kann und eine Überhitzung weitgehend ausgeschlossen ist.
  • Kraftstoffleitungen sind zu überprüfen und eventuell zu reinigen oder auszutauschen. Durch die winterliche Fahrpause lagern sich häufig Schwebeteile aus dem Kraftstoff und Partikel vom Schlamm aus dem Tank in den Leitungen ab, was die Kraftstoffzufuhr drosseln oder ganz unterbinden kann.
  • Den Motor starten und kurz Warmlaufen lassen. Dann das Öl wechseln, auch die Filter. Es ist ratsam eine Ölablassschraube mit integriertem Magnet zu verwenden oder diesen für rund eine halbe Stunde in das aufgefangene Öl zu legen. Sind anschliessend am Magneten Metallspäne zu sehen, ist ein gründlicher Motorcheck vom versierten Fachmann durchzuführen.
  • Keilriemen, Steuerkette, Rollen, Dichtungen und Dichtringe auf Spuren von Verschleiss und auf leichte Gangbarkeit überprüfen.
  • Die Leistungsstärke und den Säurestand der Batterie überprüfen oder dazu eine Werkstatt mit speziellem Elektrocheck aufsuchen.
  • Die Reifen müssen mit dem korrekten Luftdruck gefüllt sein, auch der Reservepneu. Darüber hinaus sind das Profil nachzumessen und der Pneu sollte auf Rissbildung abgesucht werden, auch auf der innenliegenden Flanke!
  • Das Bremssystem überprüfen, insbesondere die Belege, die leichte Gangbarkeit der Sättel sowie Kolben und die Dichtigkeit der Leitungen. Ausserdem muss die Bremsflüssigkeit überprüft werden, denn diese ist hygroskopisch. Soll heissen, sie zieht Wasser an, was im Extremfall zum Versagen der Bremsen führen kann.
  • Das Kühlsystem muss ebenso auf seine Dichtigkeit hin überprüft werden und darauf, ob eventuell Öltropfen darin zu finden sind. Ist dies der Fall, ist es sicheres Zeichen für ein Leck des Motors oder einen defekten Ölkühler.
  • Die Probefahrt nicht vergessen. Und dabei nicht nur einfach herumfahren, sondern alle Funktionen des Autos ausprobieren; von der Warnblinkanlage und der Beleuchtung, bis hin zur Vollbremsung und der Nutzung der Handbremse am Berg.
  • Ausserdem sind ein kompakter Werkzeugsatz und einige gewohnt anfällige Teile, als Ersatz einzupacken. Wer dabei gerne elektrische Geräte verwenden will, kann sich die modernste Version eines Akkus zulegen. Die Powerbank mit Steckdose wurde eigentlich zum Betrieb von Laptops und Handys konstruiert, kann aber auch eine elektrische Luftpumpe, den Elektroschrauber oder eine Lampe über eine gewisse Zeit mit ausreichend Energie versorgen.

Die richtige Route wählen

Bei der Auswahl des Reiseziels für den Urlaub mit einem Oldtimer sind ein paar unerlässliche Grundregeln zu beachten. Dazu gehört es auch, sich über die Besonderheiten der Verkehrsregeln im Zielland und in den Staaten zu informieren, die durchfahren werden.

So ist beispielsweise eine fluoreszierenden Warnjacke für jeden Insassen des Fahrzeugs in Frankreich vorgeschrieben, genau wie ein vollständiger Satz Ersatzlampen und ein Alkoholtester. In einigen Ländern müssen die Scheinwerfer nachweisbar von einem Fachbetrieb eingestellt worden sein oder es müssen Adapter verwendet werden. Andererseits sind zum Beispiel Radarerkennungsgeräte innerhalb der Europäischen Union illegal. Wer ein Navigationsgerät mit dieser integrierten Funktion nutzt, muss mit einem erheblichen Bussgeld und der Beschlagnahme des Gerätes rechnen.


Die Wahl der Route kann zu einem wichtigen Faktor werden. Dabei ist es wichtig, sich vorab über die die Regeln im Ausland oder den Schwierigkeitsgrad der Route zu informieren. (Bild: Rawpixel.com / shutterstock.com)


Ausserdem ist bei der Wahl der Route die Jahreszeit und der Streckenverlauf auf den Oldtimer anzupassen. Es ist wenig ratsam mit einem 60 Jahre alten Auto im Hochsommer die Bergpässe in den Dolomiten oder die Panoramarouten in den Bergen Andalusiens zu erkunden. Deshalb kann es je nach Strecke günstiger sein, lieber eine mautpflichtige Strasse zu nutzen, als die deutlich schönere Berglandstrasse, die aber das Fahrzeug überfordert.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig, sich über Mautgebühren und länderspezifische Besonderheiten zu informieren. In vielen Ländern wird keine Vignette genutzt, wie in der Schweiz. Die Benutzungsgebühr muss an Mautstellen entrichtet werden oder diese kann im Voraus pauschal bezahlt werden, was durch Tickets bestätigt wird.

Fazit: Der Urlaub mit dem Oldtimer ist aufwendiger – aber unvergleichlich schöner!

Internationaler Führerschein, auch im Ausland gültige Versicherungen und die gewissenhafte Vorbereitung sorgen dafür, dass die Ferien mit dem Oldtimer zum unvergesslichen Erlebnis werden. Wer besonders gründlich vorgehen will, der kann sich zusätzlich eine Liste von Oldtimer-Clubs entlang der geplanten Route anfertigen. Auf diese Weise lassen sich unterwegs Gleichgesinnte treffen und der Urlaub mit dem Oldtimer kann zu ungeahnten Freundschaften führen – in ganz Europa.

 

Titelbild:  S_Photo – shutterstock.com


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