Im Michigan entsteht eine Geisterstadt für selbstfahrende Autos – als Testgelände

12.07.2014 |  Von  |  Allgemein, Auto
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Im Michigan entsteht eine Geisterstadt für selbstfahrende Autos – als Testgelände
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Das fahrerlose Auto bzw. autonome Fahrzeug steht schon länger auf der Agenda der grossen Hersteller. Im September letzten Jahres erregte Daimler grosses Aufsehen mit einem Dokumentationsvideo über eine Mercedes-Limousine der S-Klasse auf der Fahrt zwischen Mannheim und Pforzheim. Zwar sass ein Fahrer hinter dem Steuer, aber weder hatte er seine Hände am Lenkrad noch die Füsse auf den Pedalen. Der Wagen steuerte sich komplett selbst.

Technisch ermöglicht wird dies durch eine Vielzahl von Radarsensoren, diversen Stereokameras, ein sehr exaktes Navigationssystem sowie viel Rechenpower im Fahrzeug. Daimler wollte mit dieser Aktion den Beweis antreten, dass ein autonomes Fahren schon heute möglich ist – auch im Stadtverkehr. Andere Hersteller wie Nissan, Renault oder Audi arbeiten auch verstärkt an entsprechenden Konzepten. Und selbst der Suchmaschinenkonzern Google stellte vor kurzem den Prototypen eines selbstfahrenden Pkw vor. Nissan/Renault-Chef Carlos Ghosn will autonome Fahrzeuge bis 2020 zur Serienreife bringen. Audi spricht in diesem Zusammenhang vom „pilotierten Fahren“ und lässt seine Prototypen derzeit auf den Strassen Nevadas testen.




In Ann Arbor (US-Staat Michigan), etwa 50 Kilometer von Detroit entfernt, wächst nun eine künstliche Stadt, um das autonome Fahren in allen möglichen Alltagssituationen zu testen. Das 12 Hektar grosse Gelände entsteht in Zusammenarbeit der Universität von Michigan und dem Verkehrsministerium des Bundesstaates. Rund fünf Kilometer Strassen und Kreuzungen, Ampeln und Fahrbahnmarkierungen, Bürgersteige und Gebäudeattrappen gehören ebenso zur Ausstattung wie Baustellen, Hydranten und sogar Fussgänger, die widerrechtlich bei Rot die Strasse überqueren.

Im Herbst dieses Jahres sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Noch ist offen, welche Hersteller die Geisterstadt nutzen werden, aber die Nähe zu Detroit lässt vermuten, dass hauptsächlich US-amerikanische Unternehmen wie Chrysler, Ford und General Motors zum Zuge kommen, um dort am Auto der Zukunft zu basteln.




Vielleicht gelingt es, mit Hilfe des Testgeländes viele noch offene technische Fragen zu klären und die Entwicklung voranzutreiben. Experten versprechen sich deutlich weniger Unfälle von autonom gesteuerten Fahrzeugen. Es ist allerdings bisher noch völlig ungeklärt, wer haften muss, falls dann doch einmal etwas passiert. Auf einem ganz anderen Blatt steht zudem, wie die Autofahrer darauf reagieren werden – werden sie sich das Steuer aus der Hand nehmen lassen?

 

Oberstes Bild: In der Nähe von Detroit entsteht eine Geisterstadt für fahrerlose Fahrzeuge. (© Royalbroil, Wikimedia, CC)

Über Ulrich Beck

hat Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert und ist zusätzlich ausgebildeter Mediendesigner im Segment Druck. Er schreibt seit über 30 Jahren belletristische Texte und seit rund zwei Jahrzehnten für Auftraggeber aus den unterschiedlichsten Branchen.


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