Erdgasautos liegen europaweit nicht im Trend

28.04.2014 |  Von  |  Allgemein, Auto
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Erdgasautos liegen europaweit nicht im Trend
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Wieso tut man sich so schwer, aufs Auto der Zukunft umzusteigen? Die Verkehrsdichte steigt laufend an und damit unaufhörlich auch die Emissionswerte. Trotzdem sind Autos, die mit Gas betrieben werden, immer noch die Stiefkinder des Käuferinteresses.

Dabei wäre es so einfach: Fast überall greifen Tempolimits, Fahrverbote werden an emissionsstarken Tagen ausgesprochen und die E-Autos zeigen sich bisher nicht sonderlich gut aufgestellt, was nicht zuletzt an einer unbefriedigenden Leistung der verbauten Akkus liegt. Dabei läge schon jetzt die Lösung vieler Probleme deutlich auf der Hand: der Umstieg aufs Auto, welches mit Erdgas betrieben wird. Erdgasautos fahren umweltfreundlich und sind unter dem Strich preiswert im Unterhalt. Woran also liegt es? Sind Erdgasautos nicht „sexy“ genug?

Der Weltklimabericht verheisst nichts Gutes

Aktuell wird der Bericht zum Weltklima veröffentlicht. Eigentlich steht bereits vorher fest: Es wird nichts Gutes sein, was die Kommission der Weltöffentlichkeit verkündet. Und doch gibt es auch Überraschungen. Nicht die Schlote der Industriestätten sind verantwortlich für die Gefahren, die das Klima bedrohen, und auch nicht die Kühe auf der Weide, deren Verdauungstrakt gerne zur Erklärung für die Emissionswerte herhalten müssen. Die weitaus grösste Gefahr für das Klima nutzen wir Menschen tagtäglich: Das Auto ist die grösste Gefahr für unser Klima.




Setzt sich Wachstum bei den Fahrzeugzahlen wie bisher fort, legen die Treibhausgasemissionen, die aus dem hohen Verkehrsaufkommen stammen, bis zum Jahr 2050 einen Sprung von 71 Prozent aufs Strassenparkett. So gewaltig steigt die Belastung des Klimas in keinem anderen Sektor.

Reaktionen auf Treibhausgasemissionen sind ungenügend




Und wie reagieren die Regierungen der Welt auf die Gefahr? Ungenügend, wenn man es überhaupt noch so nennen kann. Frankreich sucht sein Heil darin, tageweise das Autofahren zu verbieten – einen Tag darf man fahren, den kommenden Tag nicht mehr, weil dann die anderen Bürger des Landes fahren dürfen. China versucht es mit massiven Regulierungen bei den Neuzulassungen, doch auch diese Massnahme greift ins Leere, wie die aktuellen Zahlen aussagen. Europaweit wird, wie beispielsweise in Österreich, über ein generelles Tempolimit auf Autobahnen diskutiert, aber auch die Wirkung der Tempolimitierung erscheint nicht ausreichend zu sein.

Bleibt noch die weltweite Hoffnung der Regierungen darauf, dass das E-Auto flächendeckende Verbreitung findet, doch auch diese Hoffnung erscheint angesichts der schwachen Akkuleistungen eher fragwürdig. Das E-Auto wird immer häufiger als reiner Marketing-Gag der Politik und der Fahrzeugindustrie angesehen. Camouflage, um das eigene Gewissen zu beruhigen, dass man etwas getan hat. Grundsätzlich lässt sich also subsumieren, dass der Nutzen bisher extrem gering anzusetzen ist. Der Verkehr nimmt zu und die Emissionswerte steigen unaufhörlich weiter. Mit jedem neuen Auto.






Geneva MotorShow 2013 - Mercedes A-Class Biogas (Bild: Clément Bucco-Lechat, Wikimedia, CC)

Geneva MotorShow 2013 – Mercedes A-Class Biogas (Bild: Clément Bucco-Lechat, Wikimedia, CC)





Gasautos werden bisher massiv unterschätzt

Im E-Auto-Hype ist sang- und klanglos untergegangen, dass es bereits gute Alternativen gibt: das Gasauto. Was die LPG-Fahrzeuge angeht, kann man bereits heute auf Technologien zurückgreifen, die extrem preisgünstig sind, die sparsamer als E-Fahrzeuge fahren und die weit umweltfreundlicher als jedes Dieselfahrzeug operieren. Und doch will allem Anschein nach niemand das Erdgasauto fahren. Sicher, es werden aktuell mehr gasbetriebene Fahrzeuge als E-Mobile auf den Strassen gezählt und es werden auch weiterhin mehr davon verkauft. Aber die Verkaufszahlen bewegen sich im Promillebereich der Neuzulassungen.

Das Gasauto hat es bisher nicht geschafft, mehr als ein reines Nischenprodukt zu sein. In Österreich beispielsweise wurden sogar die Erdgasbusse abgeschafft, um wieder mit Dieselfahrzeugen zu operieren. Und so ist es – vielleicht mit Ausnahme der Türkei, wo die Preise für normales Benzin exorbitant teuer sind – eigentlich weltweit.

Betankung eines Fiat Multipla mit Erdgas (Bild: Andreas Geick, Wikimedia)

Betankung eines Fiat Multipla mit Erdgas (Bild: Andreas Geick, Wikimedia)

Leistungsstarke E-Mobile sind bisher fast unbezahlbar

Dabei wäre es so einfach, mess- und zählbare Erfolge zu erzielen. Erdgasautos sind, das steht fest, die aktuell einzige Option, auf mittelfristige Sicht die CO2-Werte in messbaren Bereichen zu reduzieren. Und sie sind umweltfreundlicher als E-Autos, deren Übertragungsverluste dazu führen, dass sie weit weniger umweltfreundlich als Dieselfahrzeuge sind. Das Erdgasauto liegt rund ein Fünftel unter den Werten von Benzinmotoren und Dieselfahrzeugen, wenn es um den Ausstoss von CO2 geht. Auch der Feinstaubausstoss ist weit geringer. All das sind Argumente, die für einen Einsatz der Gasfahrzeuge sprechen. Doch aus welchem Grund werden sie nicht angenommen?

Es ranken sich viele falsche Mythen um die Gasautos




Für Gasautos gibt es kein geeignetes Tankstellennetz. Gasautos neigen dazu, bei einem Unfall zu explodieren, wenn einem der Unfallgegner hinten auffährt. Man darf mit Erdgasautos nicht in Tiefgaragen parken. So oder so ähnlich haben sich die Mythen zu Gasautos in den Köpfen der potenziellen Käuferschicht festzementiert. Dabei stimmt nicht eine dieser ganzen Thesen. Richtig ist, es gibt Tiefgaragen, die Gasautos die Einfahrt verweigern – doch diese Hinweisschilder beziehen sich auf die alte Technologie, die gar nicht mehr verbaut wird.

Karte der Staaten mit Erdgastankstellen (Bild: St.Krekeler, Wikimedia, CC)

Karte der Staaten mit Erdgastankstellen (Bild: St.Krekeler, Wikimedia, CC)

Jeder Besitzer eines neuen LPG-Fahrzeugs darf die Schilder ignorieren. Explodierende Fahrzeuge gehören in die Special-Effect-Schmiede nach Hollywood. Das Tankstellennetz für Gas ist zwar nicht so umfangreich wie das der Benzintankstellen, aber man muss nicht fürchten, kein Gas tanken zu können – auch und besonders im benachbarten Ausland wie Italien und Deutschland. Es gibt also keinen rationalen Grund, der gegen ein Gasauto spricht, und das sollte man sich deutlich machen – im Interesse der Umwelt.

 

Oberstes Bild: Audi A3 8V g-tron – seit Februar 2014 ist für die Sportback-Variante der 1.4 TFSI Motor auch als g-tron (Erdgas) mit 81 kW (110 PS) erhältlich (Bild: Norbert Aepli, Wikimedia, CC)

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