Die Tricks der Autoindustrie

07.10.2014 |  Von  |  Allgemein, Auto
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Wenn Sie den Daten Glauben schenken, sollte Ihr Auto einen Verbrauch von 6 Litern auf 100 Kilometer haben – aber Sie kommen bei bestem Willen nur auf maximal 8 bis 9 Liter?

Häufig sind Sie komplett unschuldig, denn die Hersteller verwenden für die Angaben stets geschönte Optimalwerte, was an sich keine Neuigkeit ist. Durch eine Studie des ICCT ist jetzt allerdings herausgekommen, wie die Unternehmen dabei genau vorgehen – und dass sie selbst mit der derzeitigen Lage nicht glücklich sind.




In der Norm verbrauchen Autos mehr Sprit als angegeben. (Bild: View Apart / Shutterstock.com)

In der Norm verbrauchen Autos mehr Sprit als angegeben. (Bild: View Apart / Shutterstock.com)

Realitätsferne Autokonfiguration

Die Zahlen in der Studie belegen die Vorwürfe eindrucksvoll: Ein neues Modell der E-Klasse von Mercedes genehmigt sich im Alltag 45 % mehr Sprit als angegeben, der A6 hingegen saugt gar 50 % zusätzliches Benzin aus dem Tank. Die Differenz zwischen der Angabe und dem Realverbrauch hat 2014 dabei einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Die Schuld darin sieht Peter Mock vom ICCT neben dem NEFZ-Testverfahren unter anderem in den strengen Grenzwerten der EU, die in den kommenden Jahren erreicht werden müssen. Mit anderen Worten: Die Autohersteller wissen sich nicht anders zu helfen.




Dabei darf man den Unternehmen aber auch keine zu grossen Vorwürfe machen, denn auch sie befinden sich in keiner glücklichen Lage. Viel zu viele Schlupflöcher existieren laut BMW, Audi & Co., es gehe praktisch gar nicht mehr um eine Reduktion des Realverbrauchs, sondern um immer neue Methoden, das Testsystem auszutricksen. Ein echter Wettbewerb werde dadurch erschwert. Verbreitete Schummeleien betreffen etwa das Entfernen von Ausstattungsmerkmalen, die Verwendung von Reifen mit einem besonders niedrigen Rollwiderstand, Öffnungen am Kühlergrill oder auch an den Türen werden im Interesse einer besseren Aerodynamik verklebt – vom Endprodukt ist bei diesem Auto natürlich nicht mehr viel zu sehen.

Hilft ein besseres Messverfahren?

Diskutiert wird derzeit über ein neues Messverfahren, die ersten Entwürfe lassen allerdings wenig Spielraum für Optimismus. So ist die Rede von einer Erhöhung der Maximalgeschwindigkeit von 120 auf 130 km/h, ausserdem soll die Temperatur in den Testanlagen auf 30° Celsius erhöht werden, um eine Reise im Sommer besser zu simulieren. Aber: Wenn die Hersteller die meisten bisherigen Anweisungen einfach aushebeln konnten, wird dann eine Erhöhung der Geschwindigkeit um nur 10 km/h ausreichen? Man wird sehen …

 

Oberstes Bild: Bei Testverfahren für den Spritverbrauch wird geschummelt. (Lucian Coman / Shutterstock.com)


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