Der längste Tag – das 24-Stunden-Rennen von Le Mans

23.06.2014 |  Von  |  Auto, Messen/Events
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Der längste Tag – das 24-Stunden-Rennen von Le Mans
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Die 24 Heures du Mans, das 24-Stunden-Rennen von Le Mans, ist ein Langstreckenrennen für Sportwagen und gehört zu den Klassikern des automobilen Rennsports wie beispielsweise die Mille Miglia (Brescia-Rom-Brescia) oder die Targa Florio auf Sizilien. Veranstalter ist der Automobile Club de l’Ouest (ACO).

Der Wettbewerb in der Nähe von Le Mans (Frankreich) wird seit 1923 ausgetragen. Damals betrug die Distanz rund 17,3 km. Seit dem Jahr 1932 findet das Rennen auf dem Circuit des 24 Heures statt. Dieser liegt südlich von Le Mans und ist 13,880 km lang. Die einzelnen Abschnitte des Kurses werden „im Alltag“ als normale Landstrassen genutzt. Neben dem Autorennen für Sportwagen gibt es auch ein 24-Stunden-Rennen für Motorräder, die 24 Heures du Mans moto. Die Biker starten seit 1965 allerdings auf einem permanenten, wesentlich kürzeren Rundkurs, den Circuit Bugatti. Auto- und Motorradstrecke haben einige Teilstücke gemeinsam, u.a. den Start- und Zielbereich sowie die Boxen.



Der ursprüngliche Zweck des Langstreckenrennens war, dass Hersteller den Entwicklungsstand und die Zuverlässigkeit ihrer Autos testen und einem breiten Publikum vorstellen konnten. Bei den ersten Rennen war es überdies nur den Fahrern erlaubt, Reparaturen an ihren Fahrzeugen vorzunehmen, und zwar mit an Bord befindlichem Werkzeug. Heute erlaubt das Reglement, dass professionelle Mechaniker in den Boxen reparieren dürfen, aber nur dort. Falls das Renngefährt auf der Strecke liegen bleibt, muss der Fahrer ohne fremde Hilfe zurechtkommen.

Traditionsgemäss finden die 24 Stunden jedes Jahr am zweiten Wochenende im Juni statt. Bisher wurde nur zweimal davon abgewichen (2007 und 2013). Die Fahrer treten mit dem Ziel an, innerhalb der angesetzten Zeit möglichst viele Runden zurückzulegen und nach 24 Stunden auch die Ziellinie zu überqueren. Der Start erfolgt in der Regel um 16.00 Uhr, wurde aber mehrfach verschoben, um Terminüberschneidungen mit anderen wichtigen Ereignissen zu vermeiden. Früher bestanden die Teams aus zwei Fahrern, seit den 1980er Jahren lösen sich drei Fahrer pro Wagen ab.

1925 führten die Veranstalter einen neuen, heute legendären Startmodus ein, der seitdem als Le-Mans-Start bekannt ist. Die Fahrzeuge wurden in der Boxengasse aufgestellt, und die Fahrer mussten von der gegenüberliegenden Seite über die Fahrbahn sprinten und stehend starten. Als 1969 die Sicherheitsgurte eingeführt wurden, gab es intensive Diskussionen über diesen Modus. Jacky Ickx, der das Rennen gewann, demonstrierte durch ein betont langsames Gehen seine Abneigung. Ein Jahr später probierte man, mit bereits angeschnallten Fahrern stehend zu starten. Auch das setzte sich nicht durch. Seit 1971 wird aus Sicherheitsgründen nach einer Einführungsrunde fliegend gestartet – wie bei den Indianapolis 500.

Der Circuit des 24 Heures verfügt über eine fast fünf Kilometer lange Gerade, die Ligne Droite des Hunaudières (in England Mulsanne Straight genannt). Früher wurden hier teilweise Geschwindigkeiten von mehr als 400 km/h erreicht. Aus Sicherheitsgründen baute man im Jahr 1990 zwei Schikanen ein. Auch auf anderen Teilabschnitten gibt es mittlerweile Schikanen, weil die Fahrzeuge im Laufe der Zeit immer schneller wurden.





Ford GT 40. (Bild: ermess / Shutterstock.com)

Ford GT 40. (Bild: ermess / Shutterstock.com)




Seit die Schikanen auf der langen Geraden existieren, beträgt das Tempo im Schnitt 340 km/h – auch nicht gerade langsam. Grund für die Errichtung war ein tödlicher Unfall im Juni 1986. Damals kam der Österreicher Jo Gartner mit mehr als 300 km/h von der Strecke ab. Wahrscheinlich war an seinem Porsche 962 eine Hinterradaufhängung gebrochen.



Le Mans steht nicht nur wegen dieses Unfalls für die Schattenseiten des Motorsports. Im Jahr 1955 geschah hier das bisher tragischste und katastrophalste Ereignis bei einem Autorennen. Auf der Zielgeraden kollidierte der Franzose Pierre Levegh mit Lance Macklins. Ursache war ein gewagtes Manöver von Mike Hawthorn. Der Jaguar-Fahrer überholte Macklin links, zog dann unerwartet nach rechts und bremste scharf ab, um noch in die Boxen fahren zu können. Macklin musste nach links ausweichen. Der mit hoher Geschwindigkeit von hinten nahende Levegh hatte in diesem Moment keine Chance mehr zu reagieren. Er prallte mit seinem Mercedes 300 SLR frontal auf Macklin. Ein Teil der Trümmer flog in die Zuschauertribüne. Insgesamt wurden 84 Menschen getötet, so viele wie nie zuvor oder danach.

Die meisten Erfolge bei den 24 Stunden feierte bislang der Fahrer Tom Kristensen. Er trat siebzehnmal an und errang zwischen 1997 und 2013 neun Siege. Jacky Ickx gewann sechsmal, Derek Bell, Emanuele Pirro und Frank Biela jeweils fünfmal. Die längste Distanz schaffte 2010 das Team von Timo Bernhard, Mike Rockenfeller und Romain Dumas mit einem Audi R15 TDI Plus. Sie legten 5’410 km zurück, was einschliesslich Boxenstopps einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 225,45 km pro Stunde entspricht.

Filmisch verewigt wurde das Rennen zum einen durch den Spielfilm „Le Mans“ mit Steve McQueen von 1970 und durch eine Dokumentation von Luc Bresson und Michel Vaillant.



 

Oberstes Bild: © Maurice Volmeyer – Shutterstock.com

Über Ulrich Beck

hat Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert und ist zusätzlich ausgebildeter Mediendesigner im Segment Druck. Er schreibt seit über 30 Jahren belletristische Texte und seit rund zwei Jahrzehnten für Auftraggeber aus den unterschiedlichsten Branchen.



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