Der EU platzt der Kragen – Schluss mit Trickserei beim Spritverbrauch

04.11.2014 |  Von  |  Allgemein, Auto
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Der EU platzt der Kragen – Schluss mit Trickserei beim Spritverbrauch
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Sie lesen sich gut, sie lesen sich vollmundig und sie sind nicht selten entscheidend beim Autokauf – die Herstellerangaben und die Tricks der Autoindustrie in puncto Spritverbrauch. Doch viel zu häufig stellt sich nach dem Kauf heraus, dass das erworbene Fahrzeug nur im Katalog wirklich spritsparend fährt. Auf der Strasse und im täglichen Test sind die angegebenen Werte nie und nimmer zu erreichen. Und exakt gegen diese Trickserei will und wird die EU mit aller Härte vorgehen. Zum Schutze der Konsumenten.

Die Preise für Benzin steigen und steigen – ganz besonders dann, wenn wieder einmal Ferien vor der Türe stehen. Der Benzinklau ist europaweit auf dem Vormarsch und sorgt für neue Kriminalitätsfelder. Darum stehen Fahrzeuge, die angeblich wenig Sprit verbrauchen, hoch im Verbraucherkurs. Doch den Herstellertricks, mit denen die Werte fälschlich und absichtlich niedrig gehalten werden, droht das Aus – durch die EU-Kommission.



Die Fahrzeuge, die angeblich wenig Sprit verbrauchen, stehen hoch im Verbraucherkurs. (Bild: Gilmanshin / Shutterstock.com)

Die Fahrzeuge, die angeblich wenig Sprit verbrauchen, stehen hoch im Verbraucherkurs. (Bild: Gilmanshin / Shutterstock.com)

Benzinverbrauch-Trickserei kein Thema beim Autosalon in Paris

Beim Autosalon in Paris, der Stadt der vielen unbekannten Sehenswürdigkeiten, präsentieren sich 250 Aussteller der Besucherschar. Viele Themen werden auf der Agenda stehen, und doch darf man sicher sein, dass eines ausgespart bleiben wird: die Trickserei der Autohersteller, mit welcher der Spritverbrauch und der Ausstoss von CO2 künstlich klein gehalten werden. Doch auch das wird nicht ewig währen, denn die EU will den verfälschenden Praktiken energisch einen Riegel vorschieben. Es ist allgemein bekannt, dass die Kfz-Konzerne seit Jahren die Verbrauchswerte ihrer Pkw schönfärben und schönrechnen. Die EU sieht die gängige Praxis als vorsätzliche Täuschung der Verbraucher an. Darum soll, wenn es nach der EU geht, zeitnah Schluss sein mit Reifen, die speziell für Tests und amtliche Messungen produziert werden. Es soll Schluss sein mit Fahrten auf Teststrecken, auf denen ein Spezialasphalt ausgelegt wurde, der wegen der Reibungsarmut für hervorragende Ergebnisse sorgt. Auch die künstlich erschaffenen Testwelten, die grundsätzlich 1,5 Prozent Gefälle aufweisen – was innerhalb der erlaubten Range liegt – und eine betont schonende Fahrweise in gewichtstechnisch abgespeckten Autos finden demnach ein Ende.





Pariser Autosalon 2014 (Bild: Frederic Legrand / Shutterstock.com)

Pariser Autosalon 2014 (Bild: Frederic Legrand / Shutterstock.com)

Abweichungen von 38 % Normalität



Stellen Sie sich vor, Sie erwerben ein Paket Kaffee und statt der ausgewiesenen 500 Gramm enthält die Packung nur 310 Gramm, also 38 % weniger. Oder Sie wollen 500 Franken aus dem Geldautomaten ziehen, erhalten aber nur 310 Franken – wieder 38 % weniger. Was wäre dann? Sie würden sich betrogen fühlen, richtig. Und das berechtigterweise. Es käme die Frage auf, ob der Kunde wirklich noch König ist. Doch wo liegt der Grund für diese überbordende Schummelei? Weltweit werden strengere Grenzwerte eingeführt, was den Verbrauch von Benzin und den Ausstoss von CO2 angeht. Diese Werte wollen – und müssen – die Autokonzerne unterschreiten, und da ist man wenig zimperlich. Gerade die Luxusklasse von Mercedes, Porsche, BMW oder auch VW ist von den Grenzwerten betroffen.



Doch die ganze Trickserei soll ab 2017 ein Ende finden, geht es nach der EU. Die dortige Kommission besteht auf neuen Testverfahren. Experten stützen sich dabei auf Untersuchungen aus der Schweiz, Grossbritannien, den Niederlanden und Deutschland, wo die Daten von rund 500’000 Pkw ausgewertet wurden. Lagen die Abweichungen der Herstellerangaben von den tatsächlichen Werten im Jahr 2001 noch bei rund 8 %, so hat sich das Verhältnis im Jahr 2013 massiv zum Nachteil der Käufer – und der Umwelt – verändert: Aus 8 % wurden tatsächlich 38 %. Glauben die Käufer der Pkw doch tatsächlich, sie würden ein Fahrzeug kaufen, bei dem es sich um einen sparsamen und umweltfreundlichen Wagen handelt, erweisen sich die Boliden schnell als ausgemachte Spritfresser. Und das geht massiv ins Geld. 550 Franken müssen die Pkw-Halter im Jahr mehr für Benzin bezahlen, als in den Prospekten der Hersteller eigentlich ausgewiesen ist.

Bei den Spritverbrauchangaben sind die Abweichungen von 38 % Normalität. (Bild: Gajus / Shutterstock.com)

Bei den Spritverbrauchangaben sind die Abweichungen von 38 % Normalität. (Bild: Gajus / Shutterstock.com)

Ein neues Messverfahren soll Abhilfe schaffen

Schlupflöcher sollen geschlossen werden, so die EU-Kommission. Das gehe nur mit einem neuen Messverfahren, lassen die Experten aus Brüssel durchscheinen. Die Rede ist von der Standardisierung des bereits bekannten „weltweiten harmonisierten Fahrzyklus“, des WLTP (Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedures). Der Test gründet auf Fahrten mit normaler Bereifung, auf Strecken mit Gefälle und Steigungen auf normalem Asphalt, einem normalen Fahrverhalten mit deutlich höheren Geschwindigkeiten als bisher (120 km/h) und auch mit Beschleunigungsfahrten, zum Beispiel beim Auffahren auf Autobahnen. Auch Stauverkehr muss Berücksichtigung finden, will man ein Normalergebnis generieren. So werden Resultate erzielt, die an den Realbetrieb bei Fahrzeugen heranreichen.

Bereits jetzt steht fest, dass die bisherigen Eckdaten der Fahrzeuge nicht mehr zu halten sein werden. Der Verbrauch liegt real höher und auch die Abgaswerte werden nicht mehr so rosig aussehen. Werden dann Fahrzeuge die vorgegebenen Hürden nicht mehr schaffen? Nicht, wenn es nach der Kfz-Lobby geht. Dort wird jetzt, anstatt die Verbrauchswerte zu senken und technisch innovativ zu operieren, bereits über die Grenzwerte diskutiert. Man will die EU überzeugen, die Grenzwerte nach oben anzupassen, um auch in Zukunft Pkw absetzen zu können.



 

Oberstes Bild: Die Preise für Benzin steigen kontinuierlich. (© Juergen Faelchle / Shutterstock.com)

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