Bentley – britische Autotradition vom Feinsten

17.06.2014 |  Von  |  Auto, Bentley
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Bentley – britische Autotradition vom Feinsten
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Die Marke Bentley aus Crewe in England darf sich rühmen, offizieller Hoflieferant der britischen Königsfamilie zu sein – welcher Autohersteller kann das schon von sich behaupten? Allerdings ist das Unternehmen seit langer Zeit nicht mehr selbstständig. 1931 hatte Rolls-Royce die Bentley Motors Ltd. übernommen, seit 1998 gehört die Marke zum Portfolio des Volkswagen-Konzerns.

Walter Owen Bentley gründete die Gesellschaft im Jahr 1919 in London, nachdem er zuvor mit seinem Bruder Fahrzeuge für den französischen Hersteller DFP vertrieben hatte. Er war ein begeisterter Rennfahrer und siegte mit seinen von eigener Hand verbesserten Fahrzeugen bei verschiedenen Wettbewerben. Bentley begann aber auch schon früh, elegante Reiselimousinen zu bauen, die mit den Konkurrenzprodukten von Rolls-Royce und Daimler vergleichbar waren.



Autorennen gehörten für Bentley zu den zentralen Aspekten seiner Verkaufsstrategie unter dem Motto „Race on sunday – sell on Monday“. Bekannt geworden sind in ihrer Zeit die sogenannten „Bentley Boys“, eine Anzahl junger Männer aus reichen Familien. Sie kauften ihre Fahrzeuge bei Bentley und waren in der Lage, die anfallenden Rennkosten selbst zu tragen. Besonders hervorzuheben ist aus dieser Gruppe Woolf Barnato. Er wurde im Lauf der Firmengeschichte nicht nur Vorstandsvorsitzender und grösster Geldgeber bei Bentley, sondern gewann 1928 bis 1930 auch dreimal hintereinander das berühmte 24-Stunden-Rennen von Le Mans mit der Marke. Danach wurde die Teilnahme für Bentley zu teuer. Erst seit 2001 sind Fahrzeuge des Herstellers wieder erfolgreich in Le Mans am Start.

In den ersten Unternehmensjahren waren die Verkaufszahlen für die Chassis durchaus zufriedenstellend. Aber schon Anfang der 1930er liess die Nachfrage nach den strassentauglichen Rennwagen deutlich nach. Von 1928 bis 1930 halbierten sich die Absatzzahlen nahezu. Das alte Motto und Marketingkonzept funktionierte nicht mehr. W.O. Bentley und Woolf Barnato, der 1926 mit einer grossen Finanzspritze die Firma praktisch übernommen hatte, verlegten sich auf das Marktsegment von Luxus-Reiselimousinen.

Bentley Continental S2. (Bild: Art Konovalov / Shutterstock.com)

Bentley Continental S2. (Bild: Art Konovalov / Shutterstock.com)

Am Ende war der drohende Konkurs aber nicht mehr aufzuhalten. Verschiedene Gründe kamen zusammen. Die Fahrzeuge überzeugten zwar durch ihre Technik und Qualität, trafen jedoch immer weniger den Publikumsgeschmack. Ettore Bugatti soll über das damalige Modellprogramm von Bentley gesagt haben, sie seine „die schnellsten Lastwagen der Welt“. Unverhältnismässig hohe Kosten verursachte das Rennsportprogramm, die trotz des Erfolgs nicht abgefedert werden konnten. Eine falsche Modellpolitik forderte ebenfalls ihren Tribut. Die Vielfalt an unterschiedlichen Renn-Chassis trieb die Produktionskosten massiv in die Höhe. In den Jahren 1930/31 wurde darüber hinaus die Einführung des 4 1/2 Litre Supercharged zu einem finanziellen und technischen Desaster.



Barnato hatte im Lauf der Zeit immer wieder grosse Summen in Bentley investiert. Als der Hersteller 1931 eine fällige Hypothekenrate an die London Life Assurance Company nicht begleichen konnte, war es aber auch für ihn genug. Er verweigerte eine weitere Finanzspritze, worauf London Life die Suche nach einem Käufer für Bentley startete. Ein seriöses Angebot lieferte die Firma Napier & Son mit etwas mehr als 100’000 £ ab, die ihre Autoproduktion 1926 aufgegeben hatte und sich fortan auf Flugzeugmotoren konzentrierte. Der Kauf sollte an in einem gerichtlichen Termin im November 1931 festgemacht werden.

Bei der öffentlichen Verhandlung trat völlig überraschend ein zweiter Kaufinteressent auf, der ein höheres Angebot als Napier vorlegte. Es handelte sich um den British Equitable Trust Limited, einem bis dahin unbekannten Unternehmen. Darauf ordnete der Konkursrichter an, dass beide Bieter ihre endgültigen Angebote noch am Nachmittag desselben Tages in versiegelten Umschlägen abliefern sollten. Das Gebot des Trust übertraf das von Napier um rund 20’000 £. Kurz danach wurde publik, dass der Trust im Auftrag von Rolls-Royce gehandelt hatte. Damit war das Ende der selbstständigen Ära von Bentley besiegelt.



Allerdings gab Rolls-Royce die Marke nicht auf, sondern pflegte ihren Ruf weiter. Sportliche Fahrzeuge erschienen künftig als Bentley, die Phantom-Limousinen als Rolls-Royce. Viele Modelle gingen mit nur geringfügigen Änderungen (Kühlergrill und -figur, Logos) unter beiden Namen in den Verkauf. Im Zweiten Weltkrieg, 1941, endete vorerst die Produktion ziviler Fahrzeuge zu Gunsten von Rüstungsgütern. Nach dem Krieg verlagerte sich die Autofertigung komplett in das Werk Crewe. Im älteren Werk Derby sollten fortan Strahltriebwerke hergestellt werden.



Die gemeinsame Produktion in Crewe dauerte bis 2002. 1998 übernahm Volkswagen die Firma Bentley für etwas mehr als 730 Millionen Euro und gliederte Rolls-Royce, nun unter dem Dach von BMW, nach und nach aus. Ursprünglich wollte VW auch Rolls-Royce vom Vickers-Konzern übernehmen. Dabei wurde übersehen, dass die Namensrechte beim Flugzeugmotorenbauer Rolls-Royce lagen. VW verzichtete schliesslich und überliess die Luxusmarke BMW.

Bentley Arnage R. (Bild: jbor / Shutterstock.com)

Bentley Arnage R. (Bild: jbor / Shutterstock.com)

Unter der VW-Regie entstanden Bentleys wie der Arnage, der Continental, der Continental Flying Spur und der Azure. Einen Höhepunkt in der Unternehmensgeschichte stellt sicherlich das goldene Thronjubiläum von Queen Elisabeth II. dar. Bentley schenkte der Königin zwei Exemplare der State Limousine als Dienstwagen.



 

Oberstes Bild: © Rene Pi – Shutterstock.com

Über Ulrich Beck

hat Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert und ist zusätzlich ausgebildeter Mediendesigner im Segment Druck. Er schreibt seit über 30 Jahren belletristische Texte und seit rund zwei Jahrzehnten für Auftraggeber aus den unterschiedlichsten Branchen.



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