Bausatz-Fluggeräte: Aus eigener Kraft in die Luft

12.07.2014 |  Von  |  Allgemein, Flugzeug
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Bausatz-Fluggeräte: Aus eigener Kraft in die Luft
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Der Traum vom Fliegen ist heute zwar selbstverständlich geworden. Mal eben um die Welt fliegen ist für niemanden mehr etwas Besonderes. Dennoch haftet dem Fliegen an sich immer noch ein Nimbus des Exklusiven an. Dies gilt besonders für die Privatfliegerei.

Angesichts der Preise, welche für ein reisetaugliches Langstreckenflugzeug fällig sind, ist das auch nicht allzu verwunderlich. Selbst jahrzehntealte Cessnas, Pipers oder Mooneys sind, sofern sie in einem brauchbaren Wartungszustand sein sollen, nicht für unter fünfzigtausend Franken zu haben. Im Bereich der Hubschrauber übertreffen die Neu- und Gebrauchtpreise für Geräte, welche für Privatnutzer interessant sein könnten, die der Kleinflugzeuge um ein Vielfaches. Unter hunderttausend Franken bekommt man bei den besonders flexiblen Drehflüglern in der Regel nur Kernschrott, der allenfalls als Static Display taugt. So könnte man meinen, dass der Traum vom eigenen Fluggerät für die meisten ein solcher bleibt.

Doch wer wirklich den Traum der völligen fliegerischen Freiheit geniessen will, dem stehen heute Mittel und Wege offen, sich dieses Ziel für nur wenige tausend Franken verwirklichen zu können. Das Zauberwort lautet „Ultraleicht“. Die Ultraleicht-Fluggeräte stellen eine eigene Klasse dar, welche in ihrer Gebrauchstauglichkeit den Sportflugzeugen teilweise in nichts nachstehen. Dafür sind sie nicht nur ab Werk bereits deutlich billiger als die Produkte der etablierten Hersteller von Kleinflugzeugen. Sie sind darüber hinaus sogar häufig als Bausatz verfügbar. Mit diesen Kits können sich unerschrockene Tüftler in ihrer heimischen Garage den Traum vom eigenen Fluggerät selbst erfüllen. Dabei werden mittlerweile alle drei Arten von Fluggeräten in der Ultraleicht-Klasse angeboten.

Die einfachste Form des Fliegens besteht darin, einen Gleitschirm mit einem Druckpropellermotor zu kombinieren. Die rudimentärste Art der Fluggeräte besteht darin, sich den Motor mit dem Propeller auf den Rücken zu schnallen und sich mit dem Gleitschirm ans Ziel treiben zu lassen. Dies ist aber allenfalls als Sportgerät denn als gebrauchstaugliches Reisetransportmittel anzusehen. Mittlerweile gibt es sogar Gleitschirme, welche auf Quads montiert werden. Damit kommt man dem Traum vom „Fliegenden Auto“ schon ziemlich nah.

Motorschirm – die einfachste Form des Fliegens (Bild: Ahunt, Wikimedia, CC)

Motorschirm – die einfachste Form des Fliegens (Bild: Ahunt, Wikimedia, CC)

Ebenfalls recht einfach zu lernen ist das Fliegen mit dem Tragschrauber. Diese einfachen Fluggeräte sehen zwar aus wie Hubschrauber, sind aber in Wirklichkeit Flugzeuge. Der wesentliche Unterschied zwischen Tragschrauber und Hubschrauber besteht darin, dass letzterer einen angetriebenen Hauptrotor besitzt. Dieser erlaubt es ihm, punktgenau zu landen und wieder senkrecht zu starten. Der Rotor eines Tragschraubers wird, im Gegensatz zum Hubschrauber, lediglich durch den Fahrtwind angetrieben. Das ermöglicht diesem Fluggerät zwar sehr kurze Start- und Landebahnen, dafür werden die Geschwindigkeiten von Flugzeugen aber nicht erreicht.




Ein Tragschrauber gilt zudem als sehr sicheres Fluggerät, da es konstruktionsbedingt nicht ins Trudeln geraten kann. Jedoch hat das allzu grosse Vertrauen auf die selbststabilisierenden Eigenschaften des Tragschraubers in der Vergangenheit zu zahlreichen Unfällen mit diesen Geräten geführt. Fliegen ist und bleibt die unnatürlichste Fortbewegungsart des Menschen. Den Respekt vor dieser Art des Transports sollte man deshalb niemals verlieren. Die einfachsten Tragschrauber-Bausätze beginnen bereits bei circa 5000 Franken. Allerdings sollte man in diesen sehr abgespeckten Fluggeräten besonderes schwindelfrei sein, da man vollständig im Freien sitzt. Will man ein Fluggerät mit Kanzel oder mit Doppelsitz haben, ist schnell der doppelte bis dreifache Preis fällig.






Moderner Tragschrauber – Arrow-Copter AC10 von FD-Composites GmbH (Bild: Theodor Esenwein, Wikimedia)

Moderner Tragschrauber – Arrow-Copter AC10 von FD-Composites GmbH (Bild: Theodor Esenwein, Wikimedia)

Die grösste Verbreitung haben hingegen die Ultraleicht-Flugzeuge. Die einfachsten Fluggeräte dieser Art bestehen aus einem dreieckigen Drachen, welcher mit einem Sitz, einem Fahrwerk und einem Motor erweitert wurde. Bausätze sind hier ebenfalls ab 5000 Franken erhältlich. Je teurer ein Ultraleichtflugzeug wird, desto sicherer und komfortabler wird es auch.




So sind auch Ultraleicht-Flugzeuge bereits in der 100’000-Franken-Klasse angekommen. Die Flugzeuge in dieser Preisklasse sind in Sachen Leistung und Komfort häufig den kleinsten Vertretern der industriell hergestellten Sportflugzeuge beinahe ebenbürtig. Besonders sicher wird das Fliegen mit diesen Kleinflugzeugen dadurch, dass viele von ihnen mit Rettungsfallschirmen ausgerüstet werden. Beim Ausfall des Motors kann mit diesen Systemen das gesamte Flugzeug samt Pilot sanft zur Erde gebracht werden.






Ultraleicht-Flugzeug – Flight Design CTSW (Bild: Juergen Lehle, Wikimedia, CC)

Ultraleicht-Flugzeug – Flight Design CTSW (Bild: Juergen Lehle, Wikimedia, CC)

Kitplanes, wie die Bausatz-Ultraleichtflugzeuge auch genannt werden, sind seit Jahrzehnten bei Hobbybastlern weltweit sehr beliebt. Aufgrund der geringen Vorgaben ist die Hobbybastler-, Erfinder-, und Tüftlerdichte in diesem Bereich sehr gross. Einer der neuesten Trends sind Nachbauten von klassischen Jagdflugzeugen des ersten und zweiten Weltkrieges. Diese werden im 1/2-3/4-Massstab ihrer originalen Vorgänger angeboten. Wer also eine Me-109, Mustang oder Spitfire einmal sein Eigen nennen möchte, kann sich auf diesem Weg besonders preiswert diesen Traum erfüllen.




Die neueste Entwicklung im Heimbau-Bereich von Fluggeräten sind vollwertige, kleine Hubschrauber. Die anspruchsvolle Technik macht diese Form der Fluggeräte besonders teuer. Für unter 70’000 Franken ist kaum etwas zu finden. Angesichts eines Preises für einen neuen Hubschrauber ab Werk, welcher leicht in die Millionen gehen kann, sind die ein- und zweisitzigen Minihubschrauber eine echte Alternative.

Doch gleich, welches Fluggerät man sich in der heimischen Scheune zusammenbauen möchte: Eine Lizenz zum Fliegen und eine Zulassung des Gerätes gehört stets mit dazu. Dies sind ebenfalls erhebliche Kosten, welche in den Kaufpreis eines noch so preiswerten Bausatzes stets hinzugerechnet werden müssen. Dennoch: Eine Flugreise im selbstgebauten Fluggerät zu unternehmen, muss heute kein Traum mehr sein.

 

Oberstes Bild: Ultraleichtflugzeug WT 01 Ganzmetall Spornradvariante (© euroluftbild.de/Robert Grahn, Wikimedia, Creative Commons / Lizenz)


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