Alfa Romeo – eine von vielen italienischen Autolegenden

17.06.2014 |  Von  |  Alfa Romeo, Auto
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Alfa Romeo – eine von vielen italienischen Autolegenden
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Alfa Romeo wurde 1910 in Mailand gegründet. Das Stammwerk war zunächst im Besitz des Franzosen Alexandre Darracq, der allerdings die wichtigsten und besten Bereiche der Produktion in Frankreich behielt, was in Italien zu grossen Problemen führte. Deshalb kauften andere Geschäftsleute der Region, die schon an der Niederlassung beteiligt waren, 1909 die Aktienmehrheit auf und starteten die Entwicklung und den Bau eigenständiger Automobile.

1910 wurde das Unternehmen schliesslich umbenannt in Società Anonima Lombarda Fabbrica Automobili. Daraus entstand die Abkürzung A.L.F.A. Erster Chef-Konstrukteur wurde Giuseppe Merosi, der zuvor bei Bianchi gearbeitet hatte. Unter seiner Regie kam bereits im Gründungsjahr das erste Modell auf den Markt, der 24 HP, mit dem Alfa ein Jahr später beim Targa Florio antrat.



Der Erste Weltkrieg bedeutete einen tiefen Einschnitt für Alfa. Die Rüstungsproduktion erhielt den Vorzug vor der Autoherstellung. Darracq verkaufte seine letzten Anteile 1915, danach übernahm eine italienische Bank die Aktienmehrheit. Nach einem Kapitalschnitt in Höhe von 95 Prozent ging Alfa Ende 1915 in die Liquidation und das Rüstungsunternehmen des Ingenieurs Nicola Romeo übernahm den Autohersteller.

Mit der Produktion von Rüstungsgütern wie Flugzeugmotoren und Munition hatte Alfa grossen wirtschaftlichen Erfolg während des Krieges. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs von 200 auf mehr als 4’000. 1919 wurde der Automobilbau wieder aufgenommen. Ein Jahr später erschien der Name des neuen Besitzers zum ersten Mal in der Markenbezeichnung. Aus Alfa wurde Alfa Romeo. In der ersten Hälfte der 1920er Jahre hatte Alfa einige sportliche Erfolge zu verzeichnen, darunter den Doppelsieg 1923 bei der Targa Florio und 1925 den Gewinn der ersten Weltmeisterschaft im Autorennsport.

Alfa-Romeo 8C. (Bild: Gyuszko-Photo / Shutterstock.com)

Alfa-Romeo 8C. (Bild: Gyuszko-Photo / Shutterstock.com)

Dann aber folgten schwierige Jahre. In 1926 war das Unternehmen zahlungsunfähig und auf Bürgschaften der Banca d’Italia angewiesen, über die wiederum Italiens damaliger Staatschef und Diktator Benito Mussolini entschied. Nicola Romeo wurde in eine Nebenrolle gedrängt und verliess Alfa im Jahr 1928, ebenso wie Giuseppe Merosi. 1933 schliesslich erfolgte die Eingliederung in die staatliche Unternehmensgruppe IRI. Technisch behielt Alfa Romeo allerdings seine Spitzenposition inne und baute in den 1930er Jahren unter anderem den damals schnellsten Serienwagen der Welt, eine Spezialversion des 8C 2900 mit einer Höchstgeschwindigkeit von 205 km/h.



Der Zweite Weltkrieg verursachte schwere Schäden an den Produktionsanlagen. Das Stammwerk Portello war zu rund 60 Prozent zerstört. Erst 1946 konnten wieder Autos ausgeliefert werden. Da die Kundschaft für teure Autos nach dem Krieg aber sehr klein war, ging das Unternehmen dazu über, auch Serien für weniger betuchte Autofahrer zu bauen, darunter die Giuletta 1954 und die Giulia 1962, die in einem neuen Werk in Arese vom Band lief.





Alfa Romeo Giulietta Sprint GT 1965 at Grand Prix. (Bild: Martin Lehmann / Shutterstock.com)

Alfa Romeo Giulietta Sprint GT 1965 at Grand Prix. (Bild: Martin Lehmann / Shutterstock.com)

Der gute Ruf, den sich Alfa in den folgenden Jahren als Hersteller von hochwertigen und sportlichen Fahrzeugen erarbeitete, nahm beträchtlichen Schaden mit der Einführung des Alfasud. Auf Anweisung der italienischen Regierung musste Alfa Romeo ein Werk in Süditalien errichten, um die dortige hohe Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Die Arbeiter hatten aber einerseits wenig Erfahrung, andererseits waren sie jederzeit und bei jeder Gelegenheit bereit zu einem Streik. Innerhalb von 13 Jahren legten sie 700 mal die Arbeit nieder, was sich äusserst negativ auf die Qualität der Produktion auswirkte. Der Alfasud hatte vor allem mit viel zu frühem und starkem Rostbefall zu kämpfen. Kurze Zeit später – 1973 – fuhr Alfa starke Verluste ein.



Auch mit anderen Modellen wie der Alfetta und dem Arna hatte Alfa nicht viel Erfolg. Mitte der 1980er Jahre konnten die Kapazitäten der Werke nicht einmal mehr zur Hälfte ausgelastet werden. 1986 war es dann mit der Selbstständigkeit vorbei. Wie viele andere italienische Automarken (Ferrari, Maserati, Lancia) gehört Alfa Romeo mittlerweile zum Fiat-Konzern. Alfa erfüllt innerhalb der Fiat-Gruppe parallel zu Lancia die gehobeneren Ansprüche, ist allerdings weiterhin mehr sportlich ausgerichtet.

Die meisten Alfa Romeo-Fahrer sind wahre Enthusiasten. Dies drückt sich auch in der Tatsache aus, dass sie – im Gegensatz zu den Fans anderer Automarken – einen besonderen Namen haben: Alfisti. Und oftmals bezeichnen sie ihr Fahrzeug als „Bella“ – die Schöne – ein Ausdruck der in Italien normalerweise einer schönen Frau vorbehalten ist.

Alfa Romeos tauchen auch immer wieder als Requisite in Filmen auf. In „Die Dinge des Lebens“ (1969/70) mit Romy Schneider und Michel Piccoli ist es eine Giuletta Sprint, im James-Bond-Film „Octopussy“ ein GTV6, in „Ein Quantum Trost“ wird der britische Agent von zwei Alfa 159 verfolgt. Besonders hervorzuheben ist aber wohl der Film „Die Reifeprüfung“ („The Graduate“, 1967) mit Dustin Hoffman mit einem roten Alfa Spider. In Anzeigen und Verkaufsangeboten wird der Wagen in den USA bis heute als „The Graduate“ angepriesen.



 

Oberstes Bild: © Jia Li – Shutterstock.com

Über Ulrich Beck

hat Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert und ist zusätzlich ausgebildeter Mediendesigner im Segment Druck. Er schreibt seit über 30 Jahren belletristische Texte und seit rund zwei Jahrzehnten für Auftraggeber aus den unterschiedlichsten Branchen.



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