Was macht der ADAC?

17.03.2014 |  Von  |  Auto
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Der Automobilclub aus Deutschland galt über Jahre hinweg als echte Institution, als letzte Bastion von Vertrauen, als andere Vereine ihres schon längst verspielt hatten. Zu den Skandalen der vergangenen Wochen kommt jetzt auch noch der Vorwurf der Steuerhinterziehung im grossen Stil hinzu. Zeit für eine Bestandsaufnahme.

Gefallener Engel



Anstoss war, als im Januar enthüllt wurde, dass der ADAC den in der Branche bislang begehrten Preis „Gelber Engel“ nicht ordnungsgemäss vergeben hatte. Die Vergabe dieses Publikumspreises wird durch die Mitglieder des ADAC nach folgendem Muster bestimmt:

Jeder darf ein Auto des Jahres vorschlagen. Nach Ablauf der Frist werden die Stimmen gezählt und der Gewinner bekommt den Titel verliehen. 2011 beispielsweise war dies der Passat von VW. Doch dieses Vergabemuster beschreibt lediglich die Theorie, die Praxis schaute anders aus.

Ein Schaden für die Ewigkeit?

Zwischen 2009 und 2013 wurde die Vergabe aller Gelben Engel manipuliert. Dieses Ergebnis fällte Deloitte, eine vereinsneutrale Unternehmensberatung. Unter anderem wurde die Teilnehmeranzahl verändert, gleichzeitig wurde auch die Rangliste der Autos verfälscht. Welches Auto in welchem Jahr eigentlicher Sieger gewesen wäre, lässt sich im Nachhinein nicht mehr ermitteln. Aber das ist vielleicht auch gar nicht notwendig, denn den beträchtlichen Imageschaden, unter welchem der ADAC seit diesen Enthüllungen im Januar leidet, könnte auch eine erneute Siegerkür nicht mehr beheben.



Es bleiben die Fragen offen, wieso der ADAC auf diese Weise Ergebnisse verfälschte und was die Autohersteller selbst damit zu tun haben könnten.

Wer ist für die Manipulationen verantwortlich?

Karl Obermair, derzeitiger Geschäftsführer des ADAC, hatte verlauten lassen, dass „einzelne Personen“ innerhalb des Vereins die Fälschungen in die Wege geleitet hätten. Es habe keine Zahlungen von aussen – etwa von den Autoherstellern selbst – gegeben. Die Glaubwürdigkeit des ADAC müsse wiederhergestellt werden, indem alle Manipulationen und eventuelle Ergebnisse von Deloitte der Öffentlichkeit zugänglich gemacht würden.



Diese Worte hatte auch der Präsident des Automobilclubs, Peter Meyer, in ähnlicher Weise gewählt. Seit Mitte Februar bekleidet Meyer dieses Amt nicht mehr, da er von diesem Posten zurückgetreten ist. Ob man ihm dies hoch anrechnen kann, darf man bezweifeln, da Meyers Entlassung quasi feststand und er heute so oder so nicht mehr Präsident des ADAC wäre.

Auch Karl Obermair gilt bereits als „angezählt“. Einer Aufhebung des Vertrags, der ihn als Geschäftsführer des ADAC kennzeichnet, wurde von allen Seiten – und auch von Obermair selbst – zugestimmt. Wer der eventuelle Nachfolger in dieser Funktion werden könnte, steht bislang nicht fest.

Die Folgen für die Automobilwirtschaft und den ADAC

Kein Unternehmen wird gerne mit Manipulation und vorsätzlicher Täuschung in Verbindung gebracht. Es kam also nicht unbedingt überraschend, als unter anderem BMW, Daimler und Volkswagen am 15. Februar insgesamt 40 Gelbe Engel wieder an den ADAC zurückgehen liessen. Sie sind in den Augen der Konzerne nach den Enthüllungen dieser Tage wertlos und vielleicht sogar geschäftsschädigend geworden, womit sie gar nicht so falsch liegen dürften. BMW spricht von einer „verlorenen Glaubwürdigkeit“.

Ob die Manipulationen für die Hersteller selbst nachhaltigen Schaden angerichtet haben, dürfte fraglich sein. Solange keine Verbindung zwischen den falschen Ergebnissen und den Herstellern – etwa in Form einer Zahlung an die verantwortlichen Personen beim Automobilverein – festgestellt werden kann, sollten sich finanzielle Auswirkungen für die Unternehmen in Grenzen halten. Für den ADAC hingegen wird der Skandal weitreichende Folgen haben.

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Nach eigenen Angaben befinden sich derzeit 18,9 Millionen Personen im ADAC. (Bild: A.Penkov / Shutterstock.com)

Ein Verein am Abgrund?

Nach eigenen Angaben befinden sich derzeit 18,9 Millionen Personen im ADAC. Dass diese Mitglieder nicht jeden „Ausrutscher“ hinnehmen, zeigen die Kündigungsschreiben, die seit Anfang 2014 beim Verein eingehen: 286.000 Autofahrer haben den ADAC seitdem verlassen, weitere Kündigungen im fünfstelligen Bereich lagern auf den Schreibtischen der ADAC-Zentrale in München. Im Vergleich zu den kompletten Mitgliederzahlen mag dies wie ein Tropfen auf den heissen Stein aussehen, schliesslich sind dem Verein nur etwa 1,5 % seiner Mitglieder abhandengekommen, aber langfristig darf diese Talfahrt nicht anhalten.

Um dieses Ziel zu erreichen, hat August Markl – nach dem Rücktritt von Peter Meyer provisorischer Leiter des ADAC – versprochen, eine komplette Erneuerung des Vereins „von innen heraus“ vornehmen zu wollen. So solle verlorene Glaubwürdigkeit wiederhergestellt werden. Weitere schlechte Nachrichten passen dem ADAC derzeit also nicht – wie etwa eine vermutliche Steuerhinterziehung in dreistelliger Millionenhöhe.



500 Millionen Euro suchen einen Besitzer

Offenbar hält der ADAC nicht viel vom Entrichten der Versicherungssteuer, obwohl dies nach Ansichten der Steuerprüfer notwendig wäre. 200 Millionen Euro sind auf diese Weise im Zeitraum zwischen 2007 und 2009 angefallen, jedes Folgejahr schlägt noch einmal mit 67 Millionen Euro zu Buche. Die Fahnder gehen dabei von einer wissentlichen Nichtzahlung aus, was den Tatbestand einer Steuerhinterziehung erfüllen würde. Aber: Natürlich gilt auch im Falle des ADAC die Unschuldsvermutung.

Dennoch ist es auffällig, dass innerhalb weniger Monate eine Flut von Negativberichten auf den ADAC niederregnet. Gefälschte Preise, die Nutzung von Rettungsflugzeugen für Privatausflüge, Deals unter der Hand mit wichtigen Funktionen des Vereins. Es bleibt zu hoffen, dass der europaweit grösste Automobilclub wieder zu alter Form zurückfinden wird.



 

Oberstes Bild: © 360b / Shutterstock.com



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