2014 droht ein Rekordjahr für Rückrufaktionen zu werden

14.05.2014 |  Von  |  Allgemein, Aston Martin, Auto
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2014 droht ein Rekordjahr für Rückrufaktionen zu werden
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Wir hatten erst vor kurzem über Rückrufaktionen verschiedener Autohersteller berichtet. Neue Statistiken zeigen jetzt, dass das Problem viel umfassender ist und viel häufiger auftritt, als man gemeinhin annehmen könnte. 2014 scheint ein neues Rekordjahr in Bezug auf Rückrufe zu werden.

Die bisherigen Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Allein von Januar bis April riefen die Hersteller weltweit rund 17 Millionen Kraftfahrzeuge in die Werkstätten zurück. Der Grund ist in massiven Qualitätsproblemen zu suchen.



Eine Auswahlliste:

  • Volvo, Aston Martin und Landrover zusammen – rund 32’000 Pkw
  • Toyota (mehrere Modelle) – 8,5 Millionen Pkw
  • Porsche 911 GT3 – 785 Pkw. Das scheint nicht viel zu sein, aber bei einem Stückpreis ab 112’000 Euro kommen doch Fragen nach der Qualitätssicherung auf. Zwei Wagen dieser Serie waren in Flammen aufgegangen – wegen einer falschen Pleuel-Verschraubung.
  • General Motors – 4,8 Millionen Pkw
  • Honda – 886’000 Pkw
  • Nissan – 990’000 Pkw
  • Chrysler – 868’000 Pkw
  • BMW – 489’000 Pkw
  • zuletzt Mercedes-Benz mit 284’000 C-Klasse Modellen in den USA und Kanada

Diese Liste ist mit Sicherheit nicht vollständig. Zudem werden sogenannte stille Rückrufe offiziell nicht erfasst. Dabei handelt es sich um Reparaturaktionen, die in den Werkstätten nebenbei miterledigt werden, wenn die Wagen sowieso gewartet werden.

Das „Center of Automotive Management“ im deutschen Bergisch Gladbach untersucht schon seit Jahren die Rückrufzahlen vor allem in den USA. Der Automarkt in den Vereinigten Staaten ist ein guter Indikator für die Qualität der Autoproduzenten – wegen seiner Grösse, den Sicherheitsrichtlinien und auch, weil das Klagerisiko sehr hoch ist. In 2013 registrierte das Center für die Vereinigten Staaten über 20,5 Millionen Pkw-Rückrufe, das entspricht einer Quote von 131 Prozent. Auf den ersten Blick eine seltsame Zahl. Sie bedeutet, dass im Durchschnitt 31 Prozent mehr Autos zurückgerufen als an Neuwagen ausgeliefert wurden. Wahrscheinlich wird dieser Wert in 2014 deutlich überschritten.

Die Durchschnittsquote ist an sich schon ein Grund zur Besorgnis. Allerdings lagen manche Hersteller noch weit darüber, allen voran Hyundai-Kia mit 262 Prozent, gefolgt von Fiat-Chrysler (258 Prozent), Toyota (237 Prozent), BMW (233 Prozent) und Honda (182 Prozent). Allein BMW musste in den USA mehr als 870’000 Fahrzeuge wegen Problemen mit der Elektronik überprüfen lassen. Der Autobauer aus München erklärte, dass nicht die Anzahl der Rückrufe, dafür aber der betroffenen Pkw gestiegen sei. Dies liegt vor allem an der Strategie, immer mehr gleiche Teile und Module in verschiedenen Modellen zu verbauen. Damit sollen Kosten gespart und Fahrzeugvarianten schneller auf den Markt gebracht werden – die Hersteller sprechen von Synergieeffekten.





Die letzten Tendenzen in der Produktion erweisen sich als Hauptgründe für die Rückrufe. (Bild: supergenijalac / Shutterstock.com)

Die letzten Tendenzen in der Produktion erweisen sich als Hauptgründe für die Rückrufe. (Bild: supergenijalac / Shutterstock.com)




Schneller, vielfältiger, günstiger: Was sich anhört wie das olympische Motto, könnte der Qualität auf Dauer gewaltigen Schaden zufügen. BMW will die Zahl produzierter Autos pro Plattform in den nächsten fünf Jahren verdoppeln, VW gar verdreifachen. Falls dann ein fehlerhaftes Modul eingebaut wird, erhöhen sich entsprechend die Rückrufzahlen – mit fatalen Folgen für die Hersteller.

Der letzte Rückruf von Toyota beispielsweise, der wegen Fehlern an den Lenksäulen und wackeliger Sitzschienen etwa 6,6 Millionen Pkw betraf, wird das Unternehmen nach Einschätzung von Analysten mal locker 600 Millionen Dollar kosten – ganz zu schweigen von dem immensen Imageschaden, galt der japanische Autobauer doch lange Jahre als Qualitätsweltmeister auf dem Markt. Angesichts der realen Kosten und der nicht berechenbaren Imageverluste stellt sich die Frage, ob die Einsparungen mittels Baukastenstrategien nicht durch derart umfassende Rückrufaktionen wieder egalisiert werden.





Motorenherstellung (Bild: Nataliya Hora / Shutterstock.com)

Motorenherstellung (Bild: Nataliya Hora / Shutterstock.com)

Ausser Kostensenkungen soll die Strategie, möglichst viele gleiche Teile in möglichst vielen Modellen zu verwenden, eigentlich auch die Gefahr von Rückrufen eindämmen. Genau das Gegenteil ist aber eingetreten, denn viele Probleme ergeben sich gerade dadurch, dass ein Modul in weitaus mehr unterschiedlichen Kombinationen mit anderen Teilen verbaut wird. Experten fordern deshalb eine neue Form der Qualitätssicherung, die bisher in den meisten Fällen nur reaktiv erfolgt. Neue Modelle werden entwickelt, dann ausgiebigen Test unterzogen und schliesslich – wenn es keine negativen Erfahrungen gibt – in Serie produziert. Die schnell steigende Zahl an Fahrzeugtypen und -varianten hat diese Vorgehensweise allerdings an ihre Grenzen gebracht. Künftig müsste eine gute Qualitätssicherung in alle Schritte der Entwicklung integriert und präventiv ausgerichtet werden.

Die Masse an Rückrufen in den letzten Jahren ist kein Zufall. Es gibt mehrere Gründe für den Anstieg der Qualitätsprobleme.

1. Autos werden technisch immer komplexer. Dadurch steigt auch die Fehleranfälligkeit.
2. Wer im globalen Konkurrenzkampf mithalten will, muss immer schneller neue Modelle entwickeln. Der Zeitdruck wirkt sich ebenfalls auf das Fehlerrisiko aus.
3. Die Entwicklung und Herstellung einzelner Module wird von den Autobauern mehr und mehr auf die Zulieferer abgewälzt, damit auch die Qualitätssicherung für diese Teile. Da die Zulieferer ebenfalls global agieren, kommt es zu Reibungsverlusten.
4. Der steigende Kostendruck bei Herstellern und Zulieferern könnte zu Lasten der Qualität gehen.
5. Die Baukastenstrategie bringt Kostenvorteile, führt aber auch die Gefahr teurer Rückrufaktionen im Gepäck.

Experten der Branche glauben, dass der Weg zu weniger Rückrufen nur über ein besseres Qualitätsmanagement führt. Dieses müsste in den Unternehmen zur Chefsache gemacht werden.



 

Oberstes Bild: 2014 droht ein Rekordjahr für Rückrufaktionen zu werden. (© sellingpix / Shutterstock.com)

Über Ulrich Beck

hat Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert und ist zusätzlich ausgebildeter Mediendesigner im Segment Druck. Er schreibt seit über 30 Jahren belletristische Texte und seit rund zwei Jahrzehnten für Auftraggeber aus den unterschiedlichsten Branchen.


1 Kommentar


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