Warum ist ein Zahnriemenwechsel so teuer? Das steckt wirklich in der Rechnung

Beim Zahnriemenwechsel wundern sich viele Autofahrer über die hohe Werkstattrechnung. Der Zahnriemen selbst ist nämlich vergleichsweise günstig. Teuer wird der Wechsel vor allem durch die Arbeitszeit, den schwierigen Zugang im Motorraum und die zusätzlichen Bauteile, die sinnvollerweise gleichzeitig ersetzt werden.

Der Zahnriemen synchronisiert Kurbelwelle und Nockenwelle und sorgt damit dafür, dass Kolben und Ventile exakt zum richtigen Zeitpunkt arbeiten. Schon kleine Montagefehler können schwere Motorschäden verursachen. Deshalb gehört der Wechsel zu den Arbeiten, bei denen Präzision wichtiger ist als der reine Teilepreis.

In der Schweiz nennt Bosch Car Service für einen Zahnriemenwechsel grob Kosten zwischen 400 und 1’000 Franken. Je nach Fahrzeug, Motorkonstruktion, Wasserpumpe und zusätzlichem Material kann es auch darüber hinausgehen. Entscheidend ist deshalb weniger der Preis des Riemens als die Frage: Wie aufwendig ist es, überhaupt an ihn heranzukommen?

Die Arbeitszeit ist oft der grösste Kostenfaktor

Der Zahnriemen sitzt bei vielen Motoren tief im Motorraum. Bevor die Mechaniker überhaupt an ihn gelangen, müssen je nach Fahrzeug mehrere Bauteile ausgebaut werden.

Dazu können Motorabdeckungen, Nebenaggregateriemen, Halterungen, Radhausverkleidungen oder Teile der Motorlagerung gehören. Bei besonders engen Konstruktionen muss der Motor abgestützt oder teilweise abgesenkt werden.

Der ADAC weist ausdrücklich darauf hin, dass die Arbeitszeit der wesentliche Grund für grosse Preisunterschiede zwischen Fahrzeugmodellen ist. Bei älteren, einfacher aufgebauten Motoren kann der Wechsel vergleichsweise günstig sein. Bei modernen, dicht gepackten Motoren können mehrere Arbeitsstunden zusammenkommen.

Bosch nennt als grobe Orientierung für die Schweiz etwa zwei bis fünf Stunden. Bei komplizierten Motoren oder zusätzlichen Arbeiten kann es länger dauern.

Warum die Wasserpumpe häufig gleich mitkommt

Viele Werkstätten ersetzen zusammen mit dem Zahnriemen auch die Wasserpumpe.

Der Grund ist nicht, dass diese bei jedem Zahnriemenwechsel automatisch defekt wäre. Bei zahlreichen Motoren wird die Wasserpumpe jedoch vom Zahnriemen angetrieben oder sitzt direkt in dessen Arbeitsbereich.

Wenn der Motor für den Riemenwechsel ohnehin bereits geöffnet beziehungsweise teilweise demontiert ist, fällt ein grosser Teil der Arbeitszeit für den Wasserpumpentausch bereits an.

Würde die alte Wasserpumpe kurze Zeit später undicht oder das Lager beschädigt, müsste die Werkstatt einen erheblichen Teil derselben Arbeit nochmals durchführen.

Deshalb wird häufig ein kompletter Satz aus Zahnriemen, Spannrollen, Umlenkrollen und – modellabhängig – Wasserpumpe eingebaut.

Spannrollen sind keine Nebensache

Nur einen neuen Riemen auf alte Rollen zu montieren, wäre bei vielen Fahrzeugen technisch nicht sinnvoll.

Spann- und Umlenkrollen besitzen Lager, die ebenfalls verschleissen. Blockiert eine Rolle oder bekommt sie zu viel Spiel, kann der Zahnriemen beschädigt werden, abspringen oder reissen.

Ein vollständiger Zahnriemensatz ist deshalb teurer als nur der eigentliche Riemen, reduziert aber das Risiko, dass ein altes Bauteil kurz nach dem Wechsel das gesamte System gefährdet.

Auch Kühlmittel kann auf der Rechnung erscheinen, wenn die Wasserpumpe ersetzt und der Kühlkreislauf geöffnet werden muss.

Die Steuerzeiten müssen exakt stimmen

Beim Zahnriemenwechsel reicht es nicht, den alten Riemen abzunehmen und einen neuen aufzulegen.

Kurbelwelle und Nockenwelle müssen exakt in der vorgesehenen Position stehen. Anschliessend wird der neue Riemen mit der vorgeschriebenen Spannung montiert.

Schon eine falsche Stellung um wenige Zähne kann dazu führen, dass der Motor schlecht läuft oder Kolben und Ventile miteinander kollidieren.

Je nach Motor sind dafür spezielle Arretierwerkzeuge notwendig. Nach dem Einbau wird der Motor kontrolliert durchgedreht und die Stellung nochmals geprüft.

Genau diese Präzisionsarbeit erklärt einen weiteren Teil der Werkstattkosten.

Je nach Auto unterscheiden sich die Kosten massiv

Pauschale Preise sind beim Zahnriemenwechsel deshalb wenig aussagekräftig.

Bei einem gut zugänglichen Kleinwagen kann die Arbeit vergleichsweise überschaubar sein. Bei anderen Fahrzeugen liegen Zahnriemen und Spannsystem so tief im Motorraum, dass erheblich mehr demontiert werden muss.

Auch die Herstellervorgaben unterscheiden sich stark. Je nach Motor können Wechselintervalle bei rund 60’000 Kilometern beginnen, bei anderen Konstruktionen reichen sie bis über 200’000 Kilometer. Zusätzlich gibt es häufig Altersgrenzen.

Welche Vorgabe tatsächlich gilt, steht im Wartungsplan des konkreten Fahrzeugs. Ein allgemeines Wechselintervall für alle Autos gibt es nicht.

Mehr zu den Unterschieden zwischen den beiden verbreiteten Systemen lesen Sie in unserem Beitrag Zahnriemen oder Steuerkette – was ist wirklich langlebiger?.

Warum Sparen am falschen Ende teuer werden kann

Der Zahnriemen gehört zu den Bauteilen, deren Ausfall unter Umständen keine lange Vorwarnung liefert.

Reisst er bei einem sogenannten Interferenzmotor, können sich die geöffneten Ventile und die Kolben treffen. Beschädigte Ventile, Kolben oder Zylinderkopf können die Folge sein.

Dann kostet die Reparatur schnell ein Vielfaches eines normalen Zahnriemenwechsels.

Beim Preisvergleich zwischen Werkstätten lohnt sich deshalb ein genauer Blick darauf, was im Angebot enthalten ist. Wichtig sind insbesondere Zahnriemensatz, Rollen, gegebenenfalls Wasserpumpe, Kühlmittel und die berechnete Arbeitszeit.

🔧 DAS MACHT DEN ZAHNRIEMENWECHSEL TEUER

  • Der grösste Kostenblock ist häufig die Arbeitszeit, weil zunächst zahlreiche Bauteile demontiert werden müssen.
  • Neben dem Zahnriemen werden meist Spann- und Umlenkrollen sowie modellabhängig die Wasserpumpe ersetzt.
  • Die korrekte Einstellung der Steuerzeiten erfordert Präzision und teilweise spezielles Werkzeug.
  • Ein vollständiger Wechsel nach Herstellervorgabe ist deutlich günstiger als ein möglicher Motorschaden nach einem Riemenriss.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert

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