TCS-Analyse: Runderneuerte Reifen sind „nicht empfehlenswert“

30.09.2021 |  Von  |  Auto, News

Recycling liegt im Trend und ist auch mit Blick auf eine nachhaltige Mobilität wichtig. Der Trend zu Reifen – sogenannte runderneuerte Reifen –, die aus ausrangierten Reifen hergestellt werden, gibt es schon lange.

Doch warum konnte sich diese Technologie bis jetzt nicht durchsetzen? Und wie gut und sicher sind diese Reifen überhaupt? Diesen Fragen ist der TCS in einer Analyse und im Rahmen der alljährlichen Reifentests nachgegangen.

Die Technologie der Runderneuerung von Reifen, also das recyceln von ausrangierten Reifen wird schon lange im Nutzfahrzeugbereich, in der Landwirtschaft und sogar im Rennsport angewandt. Runderneuerte Reifen sind eine Alternative zu fabrikneuen Modellen. Für die Runderneuerung werden gebrauchte Pneus, meist Reifen von Premiumherstellern, gesammelt und die alte Lauffläche mittels eines speziellen Verfahrens von der Karkasse abgehobelt. Durch Vulkanisierung wird eine neue Lauffläche fix mit dem alten Unterbau verbunden. Damit kommt der aufbereitete Reifen an die Herstellungsqualität von Neureifen heran. Zurzeit macht die Firma „Reifen Hinghaus“ als mit Abstand grösster Hersteller von runderneuerten Reifen in Europa mit einer intensiven Werbekampagne auf ihre Marke „King Meiler“ aufmerksam. Die King Meiler- Reifen sind in der Schweiz nur online erhältlich und in der Regel preisgünstiger als Neureifen. Die runderneuerten Reifen anderer Firmen haben in der Schweiz keinerlei Marktrelevanz.

Runderneuerte Reifen in mehreren TCS-Tests „nicht empfehlenswert“

Der TCS testet runderneuerte Reifen seit 2003. Die Tests in der Vergangenheit haben gezeigt, dass runderneuerte Reifen nicht mit Erstfertigungsreifen von bekannten Reifenherstellern mithalten können. Im letzten Test wurden Reifen der Marke King Meiler genau geprüft. Schlecht abgeschnitten haben die runderneuerten Reifen vor allem bei Nässe, Schnee und bezüglich der Geräuschemissionen. Auf nasser Fahrbahn (Asphalt) kommt ein King Meiler bei einer Vollbremsung aus 80km/h bis drei Fussgängerstreifen später zum Stillstand als der in diesem Kriterium am besten bewertete Reifen. Somit kann ein Aufprall für einen Fussgänger tödlich enden. Im Handling auf nasser, wie auf trockener Fahrbahn ist der Reifen unpräzis und schwammig zu fahren. Dies kann beispielweise bei einem plötzlichen Ausweichmanöver zu unschönen Konsequenzen führen. Auch bei starkem Regen neigt der King Meiler zu rasch auftretendem Aquaplaning. Schliesslich fällt der King Meiler bei den Geräuschmessungen durch die hohen Aussen- wie Innenlärmpegel auf.

Was sind die Gründe für die schlechten Testergebnisse?

Mögliche Gründe für die schlechten Testergebnisse könnten einerseits die gebrauchten Karkassen sein. Der Unterbau unterscheidet sich von Hersteller zu Hersteller. Dadurch besteht die Gefahr, dass man schlussendlich -obschon das Profil identisch ist- eigentlich vier verschiedene Reifen auf dem Auto fährt. Dies hat zur Folge, dass jedes Rad unterschiedliche Fahreigenschaften aufweisen kann. Andererseits wird der Laufstreifen (Profilgestaltung und Gummimischung) von der Herstellungsfirma selber entwickelt. Ob dieser von der Qualität her an die Mischung eines Premiumhersteller herankommt sei dahingestellt. Der TCS befürwortet Nachhaltigkeit in der Reifenproduktion. Jedoch darf diese nicht auf Kosten der Sicherheit gehen.

 

Quelle: TCS
Titelbild: LeManna – shutterstock.com

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