Kann ein Auto auch mit weniger Zylindern weiterfahren?

Ja, ein Auto kann unter Umständen weiterfahren, obwohl ein oder sogar mehrere Zylinder nicht mehr richtig arbeiten. Das bedeutet aber nicht, dass man einfach weiterfahren sollte: Bei einem Defekt drohen Leistungsverlust, starke Vibrationen und im schlimmsten Fall teure Folgeschäden am Katalysator oder an anderen Motorkomponenten. Ganz anders ist eine serienmässige Zylinderabschaltung – sie ist vom Hersteller bewusst vorgesehen und technisch unproblematisch.

Bei einem Vierzylindermotor, bei dem ein Zylinder wegen einer defekten Zündspule, Zündkerze oder Einspritzdüse ausfällt, arbeiten tatsächlich nur noch drei Zylinder richtig. Der Motor läuft meist trotzdem weiter, allerdings deutlich unrunder. Typisch sind Ruckeln, Vibrationen im Leerlauf, merklich weniger Leistung und eine leuchtende oder blinkende Motorkontrollleuchte.

Je weniger Zylinder ein Motor besitzt, desto deutlicher fällt ein einzelner Ausfall meist auf. Bei einem Vierzylinder fehlt theoretisch ein Viertel der Verbrennungsereignisse, bei einem Sechszylinder entsprechend weniger. Das bedeutet allerdings nicht, dass sich der Leistungsverlust exakt nach dieser einfachen Rechnung verhält – Motorsteuerung, Lastzustand und Fehlerart spielen ebenfalls eine Rolle.

Warum der Motor trotzdem weiterläuft

Ein Verbrennungsmotor benötigt nicht zwingend jeden einzelnen Zylinder, um sich weiterzudrehen. Die noch arbeitenden Zylinder treiben die Kurbelwelle weiterhin an und bewegen über sie auch den Kolben des ausgefallenen Zylinders mit.

Deshalb kann ein Fahrzeug trotz einer Fehlzündung oder eines komplett ausgefallenen Zylinders noch starten und fahren.

Das Fahrgefühl verändert sich jedoch deutlich. Der Motor läuft ungleichmässiger, die Leistung sinkt und beim Beschleunigen können starke Vibrationen auftreten.

Gerade bei modernen Fahrzeugen erkennt die Motorsteuerung solche Verbrennungsaussetzer meist sehr schnell. Im Fehlerspeicher können dann beispielsweise Codes wie P0301, P0302 oder P0303 auftauchen. Die letzte Ziffer weist dabei häufig auf den betroffenen Zylinder hin.

Die Ursache kann vergleichsweise harmlos sein

Nicht jeder Zylinderausfall bedeutet automatisch einen schweren Motorschaden.

Bei Benzinmotoren gehören defekte Zündkerzen und Zündspulen zu den möglichen Ursachen. Auch eine Einspritzdüse kann ausfallen oder verschmutzt sein.

HELLA nennt bei einer diagnostizierten Fehlzündung unter anderem Fehler an Zündung und Einspritzventil als mögliche Ursachen.

Problematischer wird es, wenn die Ursache mechanisch ist. Mangelnde Kompression kann beispielsweise durch Ventilprobleme, Schäden an Kolben oder Kolbenringen oder andere Defekte im Brennraum entstehen.

Die Diagnose sollte deshalb nicht nur darin bestehen, den Fehlercode zu löschen. Entscheidend ist herauszufinden, warum der betreffende Zylinder nicht mehr richtig arbeitet.

Warum Weiterfahren teuer werden kann

Besonders kritisch wird es bei einem Benzinmotor, wenn weiterhin Kraftstoff in einen Zylinder eingespritzt wird, dieser aber nicht richtig verbrennt.

Der unverbrannte Kraftstoff kann in die Abgasanlage gelangen. Dort können die Temperaturen im Katalysator stark ansteigen.

Fahrzeughersteller warnen ausdrücklich davor. Ford weist beispielsweise darauf hin, dass eine blinkende Motorkontrollleuchte auf Fehlzündungen hinweisen kann und dabei erhöhte Abgastemperaturen den Katalysator oder weitere Bauteile beschädigen können.

Auch HELLA nennt bei defekten Einspritzventilen Schäden an Katalysator oder Dieselpartikelfilter sowie eine mögliche Verkürzung der Motorlebensdauer als Folgeschäden.

Deshalb gilt: Ein Motor, der plötzlich stark ruckelt und gleichzeitig eine blinkende Motorkontrollleuchte zeigt, sollte nicht einfach noch über längere Strecken weitergefahren werden.

Wann sollte man sofort anhalten?

Leuchtet die Motorkontrollleuchte nur dauerhaft, kann ein Fahrzeug je nach Fehler häufig noch vorsichtig bewegt werden. Trotzdem sollte die Ursache möglichst rasch diagnostiziert werden.

Blinkt die Kontrollleuchte, ist die Situation ernster. Dann sollte die Geschwindigkeit reduziert, starkes Beschleunigen vermieden und das Fahrzeug möglichst bald sicher abgestellt beziehungsweise zur Werkstatt gebracht werden.

Auch bei sehr starken Vibrationen, massiven Leistungsverlusten, ungewöhnlichen mechanischen Geräuschen oder Rauchentwicklung sollte die Fahrt beendet werden.

Ein kurzer Weg bis an einen sicheren Abstellplatz ist etwas anderes als noch 100 Kilometer Autobahn mit einem deutlich fehlzündenden Motor zu fahren.

Zylinderabschaltung ist etwas völlig anderes

Nicht verwechselt werden darf ein Defekt mit einer konstruktiv vorgesehenen Zylinderabschaltung.

Mehrere Hersteller nutzen solche Systeme seit Jahren. Volkswagen bezeichnet seine Technik beispielsweise als Active Cylinder Technology, kurz ACT.

Bei bestimmten 1,5-TSI-Motoren werden bei niedriger und mittlerer Last der zweite und dritte Zylinder vorübergehend stillgelegt. Einspritzung, Zündung und Ventiltrieb dieser Zylinder werden dabei gezielt deaktiviert.

Sobald der Fahrer wieder mehr Leistung verlangt, werden die Zylinder innerhalb kurzer Zeit zugeschaltet.

Das System soll den Wirkungsgrad verbessern und Kraftstoff sparen. Für den Motor ist dieser Betrieb vorgesehen und entsprechend abgestimmt.

Wer sich grundsätzlich fragt, warum moderne Autos überhaupt mit immer weniger Zylindern auskommen, findet dazu auch unseren Beitrag Warum heute so viele Autos einen Dreizylinder haben.

Kann ein Achtzylinder sogar auf sieben Zylindern fahren?

Auch das ist grundsätzlich möglich. Ein V6, V8 oder anderer Mehrzylindermotor kann bei einem einzelnen ausgefallenen Zylinder häufig noch erstaunlich fahrbar wirken.

Je mehr Zylinder vorhanden sind, desto weniger auffällig kann der Ausfall eines einzelnen Zylinders subjektiv zunächst erscheinen.

Das macht den Defekt aber nicht weniger problematisch. Auch ein vermeintlich ruhig laufender Achtzylinder kann bei dauernden Fehlzündungen unverbrannten Kraftstoff in den Katalysator schicken und dadurch Schäden verursachen.

Deshalb sollte man sich nicht allein darauf verlassen, wie gut sich das Auto noch fährt.

🔧 WENN EIN ZYLINDER AUSFÄLLT

  • Motor ruckelt: Typisch sind unruhiger Leerlauf, Vibrationen und weniger Leistung.
  • Motorkontrollleuchte blinkt: Starkes Beschleunigen vermeiden und das Fahrzeug möglichst rasch überprüfen lassen.
  • Katalysator in Gefahr: Unverbrannter Kraftstoff kann die Abgastemperatur stark erhöhen und teure Folgeschäden verursachen.
  • Zylinderabschaltung: Eine serienmässige Abschaltung einzelner Zylinder ist dagegen konstruktiv vorgesehen und kein Defekt.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert

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