Ein nagelneuer Oldtimer – der Jaguar Lightweight E-Type

14.10.2014 |  Von  |  Auto, Jaguar
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Ein nagelneuer Oldtimer – der Jaguar Lightweight E-Type
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Ist er nun ein Oldtimer oder ein Neuwagen? Irgendwie beides. Der britische Autohersteller Jaguar legt sechs Exemplare des legendären Rennwagens Lightweight E-Type neu auf, der in den Jahren 1963/64 speziell für den Kundensport geschaffen wurde. Damals war eigentlich der Bau von 18 Stück geplant, für die auch bereits die entsprechenden Fahrgestellnummern reserviert wurden. Am Ende wurden aber nur zwölf Modelle realisiert. Der Klassiker, von dem heute noch elf Fahrzeuge existieren, ist unter Sammlern hochgeschätzt und mittlerweile einige Millionen wert.

Die Neuausgabe ist ebenfalls nicht unbedingt ein Schnäppchen. Mindestens zwei Millionen Euro werden für die silberne Karosse fällig. Aber es gibt noch ganz andere Hürden für einen potenziellen Käufer. Beim Concours d’Elegance im kalifornischen Urlaubsparadies Pebble Beach im August 2014 standen die Interessenten sozusagen Schlange für das letzte Exemplar. Fünf der Rennwagen hatten schon vorher stolze neue Besitzer gefunden. John Edwards, Chef der neuen Jaguar-Abteilung Special Vehicle Operations, musste viele Interessenten abwimmeln.

Jaguar Lightweight E-Type am 31.05.1964 beim 1000-km-Rennen auf dem Nürburgring (Bild: Lothar Spurzem, Wikimedia, CC)

Jaguar Lightweight E-Type am 31.05.1964 beim 1000-km-Rennen auf dem Nürburgring (Bild: Lothar Spurzem, Wikimedia, CC)

Eine wesentliche Voraussetzung für den Erwerb ist: Der Wagen soll seinen ursprünglichen Zweck erfüllen und an Rennen teilnehmen – Oldtimer-Rennen natürlich. Wer ihn nur in der voll klimatisierten Garage unterbringen will, hat bei Edwards nicht den Hauch einer Chance. Ausserdem müssen sich alle Käufer verpflichten, den E-Type mindestens fünf Jahre in ihrem Besitz zu halten, damit er nicht sofort zu einem Spekulationsobjekt wird.

Special Vehicle Operations (SVO) ist eine noch junge Abteilung von Jaguar. John Edwards und sein Team von 750 Mitarbeitern schrauben dort Kleinserien und Sondermodelle zusammen, darunter beispielsweise den Roadster Project 7, der auf der Basis des aktuellen Jaguar F-Type entwickelt wurde, und den Range Rover Sport SVR, ein Konkurrenzprodukt für den BMW X6M und den Mercedes ML 63 von AMG. In Pebble Beach wurden neben dem Lightweight auch die beiden anderen o.g. Wagen der Öffentlichkeit vorgestellt. Aus gutem Grund: Nirgendwo sonst auf der Welt kommen so viele vermögende Autoenthusiasten zusammen. Ein besserer Absatzmarkt für Fahrzeuge dieser Kategorie und Preisklasse ist kaum denkbar.






Jaguar Lightweight E-Type – die Montage erfolgt wie früher in echter Handarbeit. (Bild: Jaguar Land Rover Limited)

Jaguar Lightweight E-Type – die Montage erfolgt wie früher in echter Handarbeit. (Bild: Jaguar Land Rover Limited)

Mit den jetzt produzierten E-Type-Modellen kann Jaguar auch die sechs bisher ungenutzten Fahrgestellnummern belegen und damit eine lange bestehende Lücke schliessen. Allerdings wird man die Renner wohl nur selten zu Gesicht bekommen, schon gar nicht auf der Strasse. Denn für den normalen Verkehr wird der Lightweight wohl in keinem Land eine Zulassung bekommen.




Jaguar konnte auf Pläne aus den frühen Sechzigern und auf zahlreiche Originalteile zurückgreifen. Zuerst wurde ein Prototyp detailgetreu nachgebaut. Er trägt die Fahrgestelllnummer 0 („Car Zero“) und ist natürlich unverkäuflich. Die Konstruktionszeichnungen für die mehr als 230 Karosserie-Elemente wurden anschliessend digitalisiert. Einen Teil fertigt SVO in der neuen Produktionsanlage – das ehemalige Fertigungswerk Browns Lane Plant in Coventry im Zentrum Englands existiert schon lange nicht mehr – ein anderer Teil wird bei den ehemaligen Zulieferern hergestellt.

Jaguar Lightweight E-Type wird wieder an Oldtimer-Rennen teilnehmen. (Bild: Jaguar Land Rover Limited)

Jaguar Lightweight E-Type wird wieder an Oldtimer-Rennen teilnehmen. (Bild: Jaguar Land Rover Limited)





Die Montage erfolgt wie früher in echter Handarbeit. Das SVO-Team setzt auch bewusst keine modernen Befestigungsmethoden oder Materialien ein. Alles muss original sein, nicht zuletzt, um die Regeln für die FIA-Homologation einzuhalten. Ansonsten dürfte der E-Type nicht an Oldtimer-Rennen teilnehmen. Nur die Press- und Biegemaschinen für die Karosserieteile sind auf neuestem Stand – dadurch sind die sechs 2014er Modelle des E-Type symmetrisch wie nie zuvor.




Obwohl der Bau des Prototypen, der in Pebble Beach gezeigt wurde, rund ein Jahr in Anspruch nahm, sei die Produktion, so Edwards, zu aller Überraschung recht einfach gewesen. Die sechs Exemplare der Kleinserie sollen demnächst jeweils in drei Monaten entstehen. Edwards betont, dass er sich vor Bewerbungen für das Projekt kaum retten konnte – jeder wollte und will mitarbeiten, auch wenn die Teilnahme viele Überstunden erfordert. Am einfachsten hatte es wahrscheinlich noch der Chefdesigner Ian Callum. Da die Form vorgegeben war, musste er sich nur um die Farbauswahl für den Lack und das Leder des Innenraums kümmern.

Jaguar Lightweight E-Type – Heckansicht. (Bild: Jaguar Land Rover Limited)

Jaguar Lightweight E-Type – Heckansicht. (Bild: Jaguar Land Rover Limited)





Der Lightweight trägt seinen Namen („Leichtgewicht“) zu Recht. Dank des Motorblocks, der Aluminium-Karosserie und weiterer Leichtbaumassnahmen bringt er gerade mal 1’000 Kilogramm auf die Waage – 250 kg weniger als der Serien-E-Type. Der Sechs-Zylinder-Motor mit 3,9 Litern Hubraum leistet 340 PS und bringt den Wagen auf eine Geschwindigkeit von mehr als 260 km/h. Mit diesem Aggregat gewann Jaguar 1957 das 24-Stunden-Rennen von Le Mans und dürfte auch bei zukünftigen Oldtimer-Wettbewerben ganz weit vorne liegen.

Der Kaufpreis von zwei Millionen Euro beruht auf einer Expertenschätzung. Genaueres gibt Jaguar, wie zu erwarten war, nicht preis. Jeder Käufer erhält übrigens eine auf ebenfalls sechs Exemplare limitierte Luxusuhr als „kostenlose“ Dreingabe.

 

Oberstes Bild: Jaguar legt sechs Exemplare des Lightweight E-Type aus den 1960er Jahren auf. (© Jaguar Land Rover Limited)

Über Ulrich Beck

hat Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert und ist zusätzlich ausgebildeter Mediendesigner im Segment Druck. Er schreibt seit über 30 Jahren belletristische Texte und seit rund zwei Jahrzehnten für Auftraggeber aus den unterschiedlichsten Branchen.


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