„Drive In“ – eine imposante Fotoausstellung zum Thema Auto

09.03.2015 |  Von  |  Auto
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„Drive In“ – eine imposante Fotoausstellung zum Thema Auto
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Der Aufschwung des Automobils als Massenfortbewegungsmittel setzte weltweit in den 1950er Jahren ein und ist seitdem ungebrochen. Amerika und der amerikanische Traum waren die Wegbereiter für diesen unvergleichlichen Siegeszug.

Mit der Entwicklung des Autoverkehrs eng verbunden ist ebenso der Aufstieg der Mittelklasse in den Industrienationen. Wen wundert’s deshalb, dass das Auto seit der Mitte des letzten Jahrhunderts auch in der Fotografie allgegenwärtig ist?

Symbol für Freiheit, Mobilität und Modernität

Das Auto steht im 20. Jahrhundert als Symbol für Freiheit, Mobilität und Modernität. Dabei dient es nicht nur als Fortbewegungs- und Transportmittel in den dicht befahrenen Strassenschluchten der Grossstädte oder in weiten, nur schwach besiedelten Landschaften. Es kann gleichermassen ein Ort des Rückzugs sein, ein intimer Raum, aus dem die Öffentlichkeit ausgeschlossen ist, eine Zelle aus Glas und Metall, in der Menschen miteinander kommunizieren, essen und trinken, auf andere warten, schlafen und sich häufig auch lieben. Ein Zuhause auf vier Rädern.

Automobile sind heute in unserem Alltag so selbstverständlich wie Herd und Kühlschrank. Für viele Menschen stellen sie eine unverzichtbare Notwendigkeit dar, für andere bedeuten sie Liebhaberei, Leidenschaft, Lebensstil und Luxus, für manche können sie auch regelrechte Hassobjekte sein. An der Existenz des Autos und der dafür errichteten Infrastruktur kommt jedenfalls niemand vorbei.

Wegen all dieser Gründe liegt es auf der Hand, dass Autos von Beginn an attraktive und beliebte Fotomodelle waren und sind – von aussen betrachtet mechanische Skulpturen mit einer ganz eigenen Ästhetik, im Inneren ein Bühnenbild für zwischenmenschliche Beziehungen, Komödien und Dramen. Autos sind ein fester Bestandteil in der fotografischen und auch cineastischen Bilderwelt der Moderne. In unserem Bewusstsein sind sie verankert als Sinnbilder für Kraft, Freiheit und natürlich Geschwindigkeit. Die filmische Gattung „Road Movie“, für Amerika und den amerikanischen Traum so typisch wie das Genre „Western“, würde ohne die Erfindung des Automobils gar nicht existieren.

Die Ausstellung „Drive In“ der Bildhalle in Kilchberg südlich von Zürich widmet sich der Faszination Auto in unterschiedlichen Facetten, ohne dabei in Kitsch auszuarten oder die Hochglanzprospekte von Autoherstellern nachzuahmen. Unter den Werken der mehr als 20 Künstler befinden sich auch zahlreiche Aufnahmen zeitgenössischer Schweizer Fotografen.

Drei beispielhafte Künstler der Ausstellung

René Burri, im Oktober 2014 verstorben, dürfte der bekannteste Schweizer Künstler in der Ausstellung sein. In den 1960er Jahren bereiste er Brasilien für eine Dokumentation über den Bau moderner Städte und das Leben in ihnen. Eins seiner bekanntesten Fotos ist „Men on a Rooftop in São Paulo“, das vordergründig vier Männer auf dem Dach eines Hochhauses zeigt. Parallel dazu sieht der Betrachter allerdings auch die Strassenschlucht in der Tiefe, eine Lebensader der Stadt, gefüllt mit Autos. Das Foto könnte genauso in New York oder Hongkong entstanden sein, so sehr prägt das Automobil urbanes Leben.


René Burri: Eines seiner bekanntesten Fotos ist „Men on a Rooftop in São Paulo“. (Bild: © bilderhalle.ch)

René Burri: Eines seiner bekanntesten Fotos ist „Men on a Rooftop in São Paulo“. (Bild: © bildhalle.ch)


Ganz andere Perspektiven gewinnt Elliott Erwitt dem Thema ab. Als er während der grossen Depression und in der Zeit danach durch Amerika reiste, fotografierte er häufig einsame Fahrzeuge in weiten Landschaften – ein Beispiel dafür, wie sehr das Auto bis in den letzten Winkel des Landes mit amerikanischer Lebensart und Kultur verknüpft und nicht mehr wegzudenken war. Trotz aller Realität wirken seine abgelichteten Wagen zum Teil wie exotische Traumgebilde auf vier Rädern, die irgendwie nicht in diese Natur gehören.

Simone Kappeler, ebenfalls aus der Schweiz, reiste Anfang der 1980er Jahre durch Amerika und hielt ihre Eindrücke in der Fotoserie „Through America“ fest. Dabei benutzte sie neben einer professionellen Hasselblad-Kamera auch eine Polaroid sowie billige Spielzeug-Apparate und hielt damit einzigartige Momente in Farb- und Schwarz-Weiss-Aufnahmen fest, in denen Autos eine grosse Rolle spielen. Kappeler ist fasziniert davon, wie sich die amerikanische Kultur rund um das Automobil entwickelt hat, ganz im Gegensatz zu ihrem Heimatland Schweiz.

Einige Fakten zur Ausstellung

Kuratiert wurde die Gruppenausstellung von der Galerie Esther Woerdehoff in Paris, wo sie auch zuerst zu sehen war, und Mirjam Cavegn, der Gründerin und Betreiberin der Galerie für zeitgenössische Fotografie in Kilchberg. Mirjam Cavegn war viele Jahre für einen international renommierten Verlag tätig und dort verantwortlich für die Entwicklung von Büchern zum Thema Fotografie. Später arbeitete sie als Redaktorin für unterschiedliche Unternehmen aus der Medienbranche. Die Bildhalle, in deren Räumen sich früher die Akryla-Fabrik befand, wurde im Mai 2013 eröffnet und widmet sich schwerpunktmässig der aktuellen Fotografie aus der Schweiz.

Die Ausstellung zeigt Bilder namhafter Künstler, darunter die Magnum-Fotografen René Burri (Schweiz), Elliott Erwitt, Chien-Chi Chang, Inge Morath, Buzz Uzzle und Leonard Freed. Weitere Aufnahmen stammen von Jason Langer, Claudia Imbert, Michael von Graffenried (Schweiz), Xavier Lambours, Simone Kappeler (Schweiz), Bruno Augsburger (Schweiz), Emil Schulthess (Schweiz), Tobias Madörin (Schweiz), Axel Martens, Sam Shaw, Raffael Waldner (Schweiz), Arthur Tress und Louis Stettner.

Wenn Sie sich für die Geschichte des Automobils und seine prägenden Einflüsse auf die Moderne interessieren, sollten Sie sich die künstlerische Sicht der Ausstellung „Drive In“ auf das Thema nicht entgehen lassen.

Hier nochmal alle Daten auf einen Blick:

BILDHALLE
Seestrasse 16
8802 Kilchberg
www.bildhalle.ch

Ausstellungsdauer:
März – 30. April 2015

Öffnungszeiten:
Dienstag – Freitag 11.00 h – 17.00 h
Samstag 10.00 h – 14.00 h

 

Oberstes Bild: Nicolas Dhervillers / Untitled no. 6_115 x 185 cm, Lambda Print © bildhalle.ch

Über Ulrich Beck

hat Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert und ist zusätzlich ausgebildeter Mediendesigner im Segment Druck. Er schreibt seit über 30 Jahren belletristische Texte und seit rund zwei Jahrzehnten für Auftraggeber aus den unterschiedlichsten Branchen.


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