Der Jaguar F-Type Coupé im Fahrbericht

16.04.2014 |  Von  |  Auto, Jaguar
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Der Jaguar F-Type Coupé im Fahrbericht
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Der neue F-Type Coupé von Jaguar soll all diejenigen Fahrer überzeugen, welche der Cabrio-Variante skeptisch begegnen. Das könnte sogar klappen, denn die sportliche Coupé-Version macht einen durchweg besseren Eindruck. Warum das so ist und welche Qualitäten den Wagen sonst noch auszeichnen, zeigt der Fahrbericht.

Der Ersteindruck zählt …




… und der stimmt beim F-Type Coupé vollkommen. Durch das geschlossene Dach macht der Jaguar einen wesentlich homogeneren Eindruck. Es wirkt fast so, als sei dies das Auto, welches das Cabrio gerne hätte sein wollen. Das hat offenbar auch der Projektleiter hinter dem Sportwagen bemerkt, denn Ian Hoban geizt nicht mit Lob für seine Kreation: Es sei der „ultimative Sportwagen“, auf den die Jaguar-Liebhaber bereits seit 50 Jahren gewartet hätten. Vor jenen 50 Jahren kam übrigens gerade der E-Type auf den Markt – ein nicht minder legendäres Fahrzeug des britischen Unternehmens.

In mitteleuropäischen Ländern wie der Schweiz oder Deutschland wird der F-Type übrigens gerne mit dem 911er von Porsche verglichen, was den Briten allerdings nicht passt. Man wolle keinen Nachbau des 911 auf den Markt bringen, sondern eine sinnvolle Alternative schaffen. Glaubt man den Zahlen des Herstellers, hat Jaguar dieses Ziel erreichen können: 77’000 Fahrzeuge hat das Unternehmen im Jahr 2013 weltweit verkaufen können, was unter den Premiumherstellern der höchste Wert ist. Nicht zuletzt dürfte das auch am vergleichsweise niedrigen Einstiegspreis liegen.

Der Jaguar F-Type Coupé auf dem Genfer Auto-Salon 2014 (Bild: Norbert Aepli, Switzerland, Wikimedia, CC)

Der Jaguar F-Type Coupé auf dem Genfer Auto-Salon 2014 (Bild: Norbert Aepli, Switzerland, Wikimedia, CC)

Furioses Fahrwerk

Ebenso stolz verweist man auf die Tatsache, dass das F-Type Cabrio grösstenteils von Neukunden gekauft wurde: 75 % der Zulassungen im letzten Jahr entfielen auf Fahrer, welche vorher keinen Jaguar in der Garage stehen hatten. Mit dem F-Type Coupé will man diesen Wert gar auf 90 % erhöhen. Damit das klappt, hat man dem Wagen einige Verbesserungen mit auf den Weg gegeben, ohne das „Temperament“ des Herstellers zu vergessen. Das Grollen beim ersten Start des Wagens ist beeindruckend, der Motor rauscht, kreischt und verschluckt sich gerne.

Nirgendwo am F-Type Coupé hat man Rücksicht darauf genommen, dass vielleicht auch andere Personen im Auto sitzen oder man hin und wieder auch durch ruhige Wohngebiete fährt – aber das erwarten Jaguar-Kunden wohl auch nicht. Dennoch: Allein durch die geschlossene Karosserie des Coupés fällt der Lärmpegel deutlich erträglicher aus als noch beim Cabrio. Dafür sorgen auch Verbesserungen an der Karosserie, welche in dieser Variante um 50 % an Steifigkeit gewonnen hat. Störende Verwindungen auf unebenen Fahrbahnen merkt der Fahrer des F-Type Coupé nicht. Gänzlich anders präsentiert sich der neue Jaguar jedoch nach einem Blick in das nicht ganz so gelungene Innenleben.

Konservatives Cockpit

Offenbar geht man bei Jaguar davon aus, dass der F-Type Coupé vorrangig einzeln gefahren wird. Die allermeisten Anzeigen und Informationstafeln sind auf den Fahrer ausgerichtet, ausserdem gibt sich das gesamte Interieur sehr aufgeräumt und frei von Spielereien. Hier und da wird digitale Technik eingesetzt – wie etwa beim Navigationssystem, welches jedoch ruhig aktueller hätte ausfallen können –, viele Anzeigen sind jedoch analoger Natur.




Etwas unpassend gestaltet sich die Materialwahl: Im F-Type Coupé wird sehr viel Kunststoff eingesetzt, was bei entsprechend hochwertigen Materialien nicht schlimm sein muss. Zum edlen Anspruch von Jaguar im Allgemeinen passt das jedoch nicht ganz: Hölzer, Metalle oder Leder hätten an einigen Stellen nicht geschadet. Möglicherweise hat man dies vor dem Hintergrund getan, den Preis möglichst niedrig zu halten. Das ist zwar gelungen, aber ob man dafür die Optik und Haptik leiden lassen muss, sei dahingestellt. Liebhaber werden sich daran jedoch gewiss stören.

Jaguar F-type, Innenraum (Bild: Sarah Larson, Wikimedia, CC)

Jaguar F-type, Innenraum (Bild: Sarah Larson, Wikimedia, CC)





Und die Leistung?

Die schnellste Variante des F-Type Coupé ist mit einem 551 PS starken Motor ausgestattet, welcher den Wagen auf bis zu 300 km/h beschleunigen kann. Dafür verantwortlich ist ein V8-Motor, der die etwa 1.650 Kilogramm des Jaguars in nur 4,2 Sekunden auf 100 km/h bringen kann. Luxus hat aber auch hier seinen Preis: Zwar gibt der Hersteller einen Verbrauch von nur 11,1 Litern auf 100 Kilometern an, aber das bezieht sich auf ideale Laborbedingungen bei einer sparsamen Fahrweise. In der Realität und mit dem Hang zum sportlichen Fahren sollte der Verbrauch eher bei 16 bis 17 Litern liegen.




Wer besonders umweltfreundlich von A nach B kommen möchte, macht also einen Bogen um den F-Type Coupé: 299 Gramm Schadstoffe spuckt der Wagen jeden Kilometer in die Atmosphäre. Für ein wenig kostspielige Sicherheitstechnik war übrigens ebenfalls Platz im Budget: Bei einer drohenden Untersteuerung in Kurven beispielsweise bremsen die von der Kurve aus gesehen inneren Reifen ein wenig ab, damit das Heck nicht ausschlägt. Zusammen mit optionalen Karbonbremsen ist das eine wahrscheinlich sinnvolle Investition von Jaguar.






Der neue F-Type Coupé präsentiert auf dem 84. Genfer Automobilsalon im März 2014 (Bild: Max Earey / Shutterstock.com)

Der neue F-Type Coupé präsentiert auf dem 84. Genfer Automobilsalon im März 2014 (Bild: Max Earey / Shutterstock.com)

Luxus gibt es nicht umsonst

Unter den Premiumherstellern kann der Jaguar F-Type Coupé schon fast als Schnäppchen gelten: Die Variante mit der schwächsten Motorisierung kostet nur 81’000 Franken. Wer sich mit deren 260 km/h Spitzengeschwindigkeit nicht zufriedengeben will, muss mehr auf den Tisch legen, denn der F-Type Coupé V8 R kostet bereits 125’000 Franken. Falls der eigene Geldbeutel gut gepolstert ist, darf man das Coupé ab Mitte April in ganz Europa bei ausgesuchten Händlern kaufen.

 

Oberstes Bild: Der neue F-Type Coupé von Jaguar (Bild: Digital-Designs, Wikimedia, CC)



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