70 Fahrzeuge gegen Schnee und Eis: So bleibt der Flughafen Zürich offen

Wenn am Flughafen Zürich Schnee fällt, beginnt ein hochpräziser Einsatz. Rund 320 interne und externe Mitarbeitende stehen während der Wintersaison für den Winterdienst bereit, unterstützt von einer Flotte von rund 70 Fahrzeugen. Eine komplette Pistenräumung dauert je nach Situation etwa 40 bis 50 Minuten.

Geräumt werden nicht nur die drei Pisten, sondern auch Rollwege, Vorfeldflächen, Standplätze, Betriebsstrassen und weitere Verkehrsflächen. Dabei arbeiten mehrere Räumgruppen in festgelegten Formationen. Besonders wichtig sind sogenannte Kehrblasgeräte: Sie kombinieren Schneepflug, rotierende Bürste und Gebläse und entfernen so Schnee, Eisreste und möglichst viel Feuchtigkeit von der Oberfläche.

Das Besondere am Flughafen Zürich ist die Koordination mit dem laufenden Flugbetrieb. Pisten können nicht beliebig gesperrt werden. Winterdienst, Airport Authority, Skyguide, MeteoSchweiz, Airlines und Bodenabfertiger müssen ihre Abläufe deshalb eng aufeinander abstimmen. Ziel ist es, den Betrieb auch bei Schneefall möglichst sicher und stabil weiterzuführen.



40 bis 50 Minuten für eine Piste

Eine vollständige Pistenräumung ist eine logistische Operation.

Mehrere Fahrzeuge fahren in einer abgestimmten Formation über die Piste. Der Schnee wird zunächst mit Pflügen zur Seite geschoben. Bürsten entfernen anschliessend die verbleibenden Schneereste, während Gebläse die Oberfläche weiter säubern.

Nach Angaben des Flughafens Zürich dauert die Räumung einer Piste ungefähr 40 bis 50 Minuten.

Damit ist die Arbeit aber noch nicht abgeschlossen. Bevor die Piste wieder uneingeschränkt genutzt werden kann, muss ihr Zustand kontrolliert werden.

Die Airport Authority ist für die zeitgerechte Auslösung der Räumung sowie für Messungen und das Reporting über den Zustand der Flugbetriebsflächen verantwortlich.

70 Fahrzeuge für den Winterbetrieb

Der Winterdienst kann auf rund 70 Fahrzeuge zurückgreifen.

Interessant ist, dass ein Teil dieser Flotte nicht ausschliesslich für den Winter angeschafft wurde. Lastwagen, die im Sommer beispielsweise im Bauunterhalt eingesetzt werden, können im Winter zu Enteiserfahrzeugen umgerüstet werden.

Auch Landwirtschaftstraktoren sind ganzjährig im Einsatz. Während sie in den warmen Monaten unter anderem für Mäharbeiten gebraucht werden, helfen sie im Winter bei der Schneeräumung.

Vor jeder Wintersaison werden die beteiligten Mitarbeitenden speziell geschult. Dazu gehören Theorie, Fahrzeugtraining und gemeinsame Übungsfahrten mit kompletten Räumzügen auf Pisten, Rollwegen und Vorfeldflächen.

Rund 320 Personen stehen bereit

Von Mitte Oktober bis Mitte April umfasst die Winterdienstorganisation laut Flughafen Zürich rund 320 interne und externe Mitarbeitende.

Sie können im Schichtbetrieb rund um die Uhr eingesetzt werden.

Wie anspruchsvoll solche Einsätze werden können, zeigt ein Rekord aus dem Jahr 2014: Damals dauerte ein ununterbrochener Winterdiensteinsatz 116 Stunden – also vier Tage und 20 Stunden.

Trotz grosser Schneemengen muss der Flugverkehr möglichst kontrolliert weiterlaufen. Genau darin unterscheidet sich der Winterdienst eines internationalen Flughafens fundamental vom Schneeräumen auf normalen Strassen.

Streusalz ist auf den Pisten tabu

Auch die Enteisung der Flugbetriebsflächen folgt besonderen Regeln.

Auf Pisten und Rollwegen wird nicht einfach herkömmliches Streusalz eingesetzt. Salz kann an Flugzeugen und Infrastruktur Korrosion verursachen und wird deshalb in Bereichen mit Flugzeugverkehr vermieden.

Für die Flächenenteisung verwendet der Flughafen Zürich seit Jahren Formiat, insbesondere Kaliumformiat beziehungsweise Natriumformiat.

Zuerst werden Schnee und Eis möglichst mechanisch entfernt. Danach kann Enteisungsmittel aufgebracht werden, um die Oberfläche eisfrei zu halten oder einer erneuten Vereisung vorzubeugen.

Flugzeuge werden separat enteist

Die Enteisung der Flugzeuge ist nicht Teil der eigentlichen Pistenräumung.

Ob ein Flugzeug enteist werden muss, entscheidet die Cockpitbesatzung nach den geltenden Vorgaben. Grundlage ist das sogenannte Clean Aircraft Concept: Vor dem Start müssen kritische Flächen wie Tragflächen frei von Schnee und Eis sein.

Am Flughafen Zürich gibt es dafür unter anderem die Deicing-Pads Charlie und Foxtrott.

Auf jedem dieser Plätze können gleichzeitig bis zu drei Flugzeuge der Grösse eines Airbus A320 oder zwei Boeing 777 enteist werden.

Rund 80 Prozent der Enteisungen führt Swissport durch. Dafür können bis zu zwölf Deicing Trucks eingesetzt werden.

Ein einfacher Enteisungsvorgang bei Frost dauert auf dem Deicing-Pad ungefähr drei bis vier Minuten. Muss zusätzlich Schnee von einem Flugzeug entfernt werden, kann der Vorgang 20 bis 30 Minuten dauern.

Durchschnittlich finden pro Wintersaison knapp 5’000 Flugzeugenteisungen statt.

Warum das Enteiserwasser nicht einfach abfliesst

Auch der Umweltschutz ist ein wesentlicher Bestandteil des Winterbetriebs.

Enteisungsmittel enthalten Kohlenstoffverbindungen. Deshalb darf stark belastetes Abwasser nicht einfach direkt in Gewässer gelangen.

Am Flughafen Zürich wurde dafür eine umfangreiche Infrastruktur aufgebaut. Die Gesamtanlage verfügt unter anderem über rund 10’000 Kubikmeter Stapelvolumen, 45 Hektaren Verregnungsflächen, rund 75 Kilometer Verteilleitungen und etwa 1’550 beheizte Regner.

Je nach Belastung wird das Wasser unterschiedlich behandelt. Mittel bis stark belastetes Abwasser kann über spezielle Grünflächen verregnet werden, wo Mikroorganismen die organischen Stoffe abbauen. Besonders stark belastetes Wasser von zentralen Enteisungsplätzen kann zusätzlich aufbereitet und teilweise wieder dem Wertstoffkreislauf zugeführt werden.

Das Snow Committee koordiniert den Einsatz

Bei schwierigen Wetterlagen wird der Winterbetrieb zentral koordiniert.

Das Snow Committee und die Deicing Coordination stimmen die Einsätze mit zahlreichen Partnern ab. Dazu gehören unter anderem Skyguide, MeteoSchweiz, Airlines, Bodenabfertiger und weitere Flughafenstellen.

Gerade diese Koordination macht den Winterbetrieb in Zürich so speziell: Eine Piste kann nicht einfach für längere Zeit geräumt werden, ohne Auswirkungen auf Starts, Landungen, Rollbewegungen und Anschlüsse zu verursachen.

Darum spielen Wetterprognosen, Verkehrsaufkommen und verfügbare Pisten gleichzeitig eine Rolle.

Auch langfristig bleibt die Infrastruktur ein zentrales Thema. Die geplanten Verlängerungen der Pisten 28 und 32 sollen unter anderem die betrieblichen Reserven bei unterschiedlichen Wetterlagen verbessern.

❄️ Winterdienst am Flughafen Zürich in Zahlen

320 Mitarbeitende – interne und externe Kräfte stehen während der Wintersaison bereit.
70 Fahrzeuge – darunter Kehrblasgeräte, Lastwagen und Traktoren.
40 bis 50 Minuten – ungefähr so lange dauert die vollständige Räumung einer Piste.
116 Stunden – so lange dauerte 2014 der längste ununterbrochene Winterdiensteinsatz.
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Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert

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