Swisscom bringt selbstfahrendes Auto auf Schweizer Strassen

10.06.2015 |  Von  |  News
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Swisscom bringt selbstfahrendes Auto auf Schweizer Strassen
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Der Einsatz von selbstfahrenden Autos stellt technisch längst keine Herausforderung mehr dar. Unternehmen wie Google führen in den USA bereits Tests in Kleinstädten durch. Auf schweizerischen Strassen waren Fahrzeuge ohne direkten Fahrer bislang nicht anzutreffen, was nun durch den Telekommunikationsanbieter Swisscom geändert wurde.

In Zusammenarbeit mit seinen Partnerunternehmen wurde im Mai 2015 erstmals ein Automobil präsentiert, das autark durch Computertechnik gesteuert wurde und keinen Fahrer mehr benötigt.

Eingesetztes Fahrzeug noch in der frühen Testphase

Neben Swisscom ist das junge Berliner Unternehmen Autonomos am Projekt beteiligt, das bislang nicht über ein frühes Teststadium hinausgekommen ist. Präsentiert wurde das Fahrzeug in Zürich, wo es auf zwei speziellen Teststrecken innerhalb des Stadtgebiets zum Einsatz kam. Um seine Sicherheit fürchten musste hierbei kein anderer Verkehrsteilnehmer, da sich im Fahrzeug weiterhin ein klassischer Fahrer befand. Hätten sich während des Tests wider Erwarten Schwierigkeiten oder Fehlfunktionen gezeigt, die das autonome Fahren unmöglich machten, wäre sofort ein Eingriff durch den Fahrer erfolgt.

Neben ihm kam ein Co-Pilot und Beifahrer zum Einsatz, der vor allem mit der Kontrolle eingehender Daten über das automatische Fahrverhalten des Fahrzeugs befasst war. Noch bevor es zu einer Umsetzung von Lenkbewegungen, Gas geben oder Bremsen kam, konnte sich der Co-Pilot einen Überblick über die nächste geplante Aktion verschaffen und im Zweifelsfall eingreifen.

Die Testfahrt von Swisscom und Autonomos hat gezeigt, dass das System wie geplant funktioniert und keinerlei Fehlfunktionen auftraten, die einem häufigeren Einsatz im Strassenverkehr widersprachen. Lediglich mit der Geschwindigkeit des Fahrzeugs würden sich die meisten Autofahrer aktuell nicht anfreunden könnten, da jede Aktion in der Testphase seine Bearbeitungszeit benötigt und bewusst nicht im gewohnten Fahrzeugtempo ausgeführt wurde.


Swisscom bringt selbstfahrendes Auto auf Schweizer Strassen. (Bild: © Swisscom AG)

Swisscom bringt selbstfahrendes Auto auf Schweizer Strassen. (Bild: © Swisscom AG)


Alle gängigen Funktionen eines Fahrzeugs vom Computer gesteuert

motortipps.ch – Das selbstfahrende Auto gewinnt sämtliche Informationen seiner Umgebung über eine aufgesetzte Kamera und weitere technische Hilfsmittel. Diese erfasst sämtliche Details des Umfeldes, wobei mit einer speziellen Software die Erkennung von Fussgängern, Strassenschildern, Ampeln oder Hindernissen ermöglicht wurde. Mittels Software war das Fahrzeug in der Lage, eigenständig Gas zu geben und bei Hindernissen wie Ampeln abzubremsen. Auch Zebrastreifen werden erkannt und sorgen für ein Abbremsen und Blinken – Abbiegebewegungen führt das Fahrzeug anhand einer zuvor festgelegten Route ebenfalls durch. Mit Ausnahme der langsamen Fortbewegung und Ausführung der einzelnen Aktionen waren somit kaum Unterschiede zu einem echten Fahrverhalten zu erkennen.

Für ein Mobilfunkunternehmen wie Swisscom waren vor allem die technische Erfassung der Umgebung und ihre Einflussnahme auf das Fahrverhalten entscheidend. Schon heute ist das Unternehmen mit einer Vielzahl von Lösungen im Verkehrswesen befasst, die stärker mit der Mobilfunkbranche in Verbindung gebracht werden. So soll es Fahrzeughaltern mit Hilfe spezieller Apps einfach möglich sein, über ihr Smartphone oder Tablet Informationen zur Belegung von Parkplätzen im direkten Umfeld zu erhalten. Da sich der Charakter dieser Informationen stetig verändert, ist dieser Vorsatz mit dem stetigen Input eines selbstfahrenden Automobils zu vergleichen. Natürlich müssen zur Nutzung eines solchen Services auch die Parkplätze oder Parkhäuser selbst mit entsprechenden Transpondern ausgestattet sind.


Das selbstfahrende Auto gewinnt Informationen seiner Umgebung über eine Kamera und weitere technische Hilfsmittel. (Bild: © Swisscom AG)

Das selbstfahrende Auto gewinnt Informationen seiner Umgebung über eine Kamera und weitere technische Hilfsmittel. (Bild: © Swisscom AG)


Swisscom nicht auf dem Weg zum Automobilunternehmen

Jenseits des erfolgreichen Tests, der nicht zuletzt einer einwandfreien Datenerfassung und -verarbeitung über Technik von Swisscom zu verdanken war, hegt das Unternehmen aus Ittigen keine weiteren Ambitionen. Der Leiter des Bereichs Enterprise Customers machte unmissverständlich deutlich, dass Swisscom keine Zukunft als Automobilhersteller anstrebe, ein Einsatz von Technologien des Unternehmens im Verkehrsumfeld jedoch absolut interessant sei. Neben den bereits genannten Parkplatzsystemen bieten sich Technik und Software des Unternehmens beispielsweise zum Carsharing und für andere Dienstleistungen rund um die KFZ-Welt an. Auch zur Abstimmung von Fahrzeugflotten können Systeme und Programme dieser Art eingesetzt werden.

Viele technische Lösungen aus den genannten Bereichen werden bereits heute von der Swisscom angeboten und von Gemeinden oder Wirtschaftsunternehmen eingesetzt. So lässt sich beispielsweise mit der richtigen App nicht nur die Parkplatzsuche in Parkhäusern vorantreiben, auch die Buchung eines Abstellplatzes aus der Ferne wird mit Smartphones oder Tablets über den Mobilfunkdienstleister möglich. Auch für die nächsten Monate und Jahre plant Swisscom, Impulse in der Automobil- und Verkehrsbranche zu setzen und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie die Digitalisierung alltägliche Abläufe verändern und verbessern kann. Allerdings lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt nicht abschätzen, wie viel Geld das Telekommunikationsunternehmen hierfür in die Hand nehmen will und welche weiteren Kooperationen auf dieser Basis zu erwarten sind.


Diese Umfrage aus dem Jahr 2015 thematisiert die erwarteten Veränderungen durch autonome Fahrzeuge. (Quelle: © Statista)

Diese Umfrage aus dem Jahr 2015 thematisiert die erwarteten Veränderungen durch autonome Fahrzeuge. (Quelle: © Statista)


Kommerzielle Absichten aktuell im Hintergrund

Auch wenn Swisscom wie jedes Wirtschaftsunternehmen den finanziellen Aspekt bei Förderprojekten im Auge behält, stand dieser bei den Testfahrten in Zürich nicht im Vordergrund. Weder Swisscom noch Autonomos streben in naher Zukunft an, ein selbstfahrendes Auto in der Schweiz oder Europa auf den Markt zu bringen. Sollten weitere Testläufe in den kommenden Monaten jedoch Erfolg verzeichnen und die Geschwindigkeit des Fahrzeugs langsam gesteigert werden, könnten Unternehmen der Automobilbranche ein steigendes Interesse an den eingesetzten Komponenten und Technologien entwickeln. Wie oftmals bleibt Pionierarbeit zu leisten, bei denen direkte kommerzielle Absichten vorerst im Hintergrund stehen müssen.

Überhaupt wollte das renommierte Schweizer Unternehmen mit seinen Testfahrten in Zürich ein Bewusstsein dafür schaffen, wie weit die Technik zum automatisierten Fahren bereits fortgeschritten ist. Für viele Europäer sind die Testfahrten von Google in Kalifornien nicht nur aus geographischen Gründen weit entfernt. Tests vor der eigenen Haustüre sind hingegen greifbar und zeigen, dass selbstfahrende Autos keine Science Fiction darstellen. Verschiedene Experten der Branche schätzen, dass es nur noch wenige Jahre bis zum Einsatz derartiger Fahrzeuge im alltäglichen Strassenverkehr dauern dürfte. Da auch Versicherungen an entsprechenden Konzepten arbeiten, um das grösste rechtliche Problem des automatisierten Fahrens aus der Welt zu schaffen, kann die Zukunft vielleicht schneller als gedacht zur Gegenwart werden.


Die Technik zum automatisierten Fahren ist bereits sehr fortgeschritten. (Bild: © Swisscom AG)

Die Technik zum automatisierten Fahren ist bereits sehr fortgeschritten. (Bild: © Swisscom AG)


Auch Google vermeldet weitere Fortschritte

Jenseits des Atlantiks schreitet die Arbeit am selbstfahrenden Automobil ebenfalls voran. So vermeldete Google, dass für das aktuelle Testfahrzeug in Zusammenarbeit mit Tesla endlich eine Strassenzulassung erteilt wurde und das kleine Automobil ab Sommer 2015 im kalifornischen Verkehr angetestet werden durfte. Hierfür setzte Google einige Vorschriften und Einschränkungen seitens des Gesetzgebers um. Beispielsweise darf das Automobil maximal eine Geschwindigkeit von 40 Stundenkilometern erreichen. Die Integration eines Lenkrads sowie Pedale für Bremse und Gas wurden ebenfalls vorgeschrieben, damit der Insasse im Zweifelsfall ins Fahrverhalten des Automobils eingreifen kann.

Eine besondere Herausforderung für die Macher des selbstfahrenden Fahrzeugs stellt weniger die eigene Technologie als vielmehr die Reaktion anderer Verkehrsteilnehmer auf das Automobil dar. So gab Google in seinen letzten Meldungen rund um das Projekt an, dass es nach wenigen Millionen Kilometern an Testfahrten mit dem selbstfahrenden Auto erst zu elf Unfällen gekommen sei. Bei keinem dieser Unfälle war allerdings das autonome Fahrzeug, sondern ein anderer Verkehrsteilnehmer für den Schaden verantwortlich gewesen. Mit einer weiteren Zulassung im Bundesstaat Virginia testet Google in naher Zukunft das Fahrverhalten im dichteren Verkehr an, um beispielsweise im Umfeld eines Flughafens mehr über die Steuerung im Stau oder bei zähfliessendem Verkehr zu erfahren.



Vertrauen gegenüber selbstfahrenden Autos weiterhin eine Herausforderung

In der Schweiz und weltweit wird die Entwicklung selbstfahrender Fahrzeuge mit grossem Interesse verfolgt. Die Investition in ein solches Automobil würden aktuell jedoch nur wenige wagen. Zu gross ist noch die Unsicherheit, uneingeschränkt auf ein solches Fahrzeug vertrauen zu können. Auch im Fahrverhalten entsprechen die meisten Modelle noch nicht den Vorstellungen des klassischen Autofahrers. Das Verhalten der Automobile bei hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn konnte bislang allenfalls simuliert werden. Bis zu einer Markt- oder Serienreife werden so definitiv noch Jahre vergehen. Natürlich wird auch der Preis für dieses absolute High-Tech-Produkt entscheiden, ob ein Erwerb für den durchschnittlichen Verkehrsteilnehmer möglich oder sinnvoll ist. Am ehesten darf daher mit dem Einsatz seitens von Wirtschaftsunternehmen, beispielsweise bei autonomen Fahrzeugflotten, gerechnet werden.

 

Oberstes Bild: Swisscom-Logo (Wikimedia)


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