Mercedes F 015 Luxury in Motion – Forschung für die Zukunft

23.03.2015 |  Von  |  Auto
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Mercedes F 015 Luxury in Motion – Forschung für die Zukunft
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Die erste Vorstellung des Forschungsautos Mercedes F 015 gab es Anfang 2015 in Las Vegas auf der Elektronikmesse CES. Mitte März folgte dann ein Fotoshooting vor Sehenswürdigkeiten in San Francisco, in dessen Anschluss auch der Innenraum zum Mitfahren freigegeben wurde.

Mit dem Wagen will Mercedes zeigen, wie sich Mobilität auf vier Rädern im Jahr 2030 darstellen könnte. Im Luxussegment, wohlgemerkt. Denn der F 015 sieht weder aussen noch innen auch nur annähernd nach „08/15“ aus.

Wenn auf dem Kühlergrill nicht der Stern prangen würde, käme wahrscheinlich kein Mensch auf die Idee, dass es sich bei diesem Fahrzeug um einen Mercedes handeln könnte. Das langgestreckte, extrem flache Design weicht doch erheblich von den derzeitigen Modellreihen des Stuttgarter Nobelherstellers ab.

Der F 015 verfügt zwar noch über ein kleines, nahezu rechteckiges Lenkrad, grundsätzlich ist er aber als selbstfahrendes Auto konzipiert. Zur Zeit wird er nur mit einem Elektromotor angetrieben, doch das soll sich ändern. In Zukunft wird der Wagen mit einer Kombination aus Brennstoffzelle (900 Kilometer) und Elektromotor (200 Kilometer) ausgerüstet sein und soll auf eine Reichweite von insgesamt 1100 Kilometern kommen. Das entspricht in etwa dem Radius eines vergleichbaren Fahrzeugs mit Dieselmotor – jedoch völlig frei von lokalen Emissionen.

Ausgestattet mit einer Vielzahl an Sensoren, Kameras und Radaraugen soll der Wagen dann auf eine Mitwirkung des Fahrers verzichten können. Er findet seine Wege in der Stadt und auf dem Land völlig selbstständig. Während das Fahrzeug noch auf der Suche nach einem freien Stellplatz im Parkhaus ist, sitzen Fahrer und Begleitung schon im Restaurant, im Konzertsaal, im Kino oder haben den halben Einkauf im Supermarkt erledigt. Vor der Rückfahrt kann der Wagen dann per Smartphone-App dahin gerufen werden, wo er benötigt wird.

Noch ist die Technik nicht so weit. Holger Hutzenlaub, Designer und Leiter des Bereichs „Erweitertes Design“ bei Mercedes, und sein Kollege, Ingenieur Peter Lehmann, gehen aber davon aus, dass Sensoren und Bordrechner im Jahr 2030 mindestens doppelt so viel Leistung bringen wie heute und dann die geforderten Aktionen durchführen können. Bei Mercedes forscht man jedenfalls mit Hochdruck, um die Entwicklung voranzutreiben.

Zum Abschluss der Vorstellung des F 015 in San Francisco ging es dann auf einen ehemaligen Flugplatz der US-Marine. Auf dem leeren Rollfeld durften sich Journalisten im Innenraum niederlassen, das Interieur begutachten und erste Eindrücke von dem Forschungsauto während der Fahrt sammeln. Was sie erwartete, sah wirklich ein Stück weit nach Zukunft aus.


Mercedes-Benz Pressekonferenz auf der NAIAS 2015, Detroit (Bild: © Mercedes-Benz)

Mercedes-Benz Pressekonferenz auf der NAIAS 2015, Detroit (Bild: © Mercedes-Benz)


Nachdem sich die Türen geöffnet haben, drehen sich die weissen Designer-Sessel den Fahrgästen ein wenig entgegen, um den Einstieg zu erleichtern. Fahrer- und Beifahrersitz lassen sich mit einem Knopf an der Unterseite um 180 Grad drehen, so dass sich die vier Insassen paarweise gegenüber sitzen. Das Lenkrad befindet sich dann hinter der Sitzlehne des Fahrers und ist nicht mehr zugänglich. Mit einer Wischbewegung über die Türverkleidung nimmt der Mercedes Fahrt auf..

Der Innenraum hat eindeutig den Charakter einer Lounge. Luxuriöse Sessel, weiches Nappaleder, Nussbaumholz, Metall- und Glasoberflächen bestimmen das Erscheinungsbild. Ein Journalist verglich das Interieur mit einem 1.-Klasse-Abteil in einem „ICE auf Gummirädern“. Die schmalen Seitenfenster erlauben nur einen beschränkten Blick auf die Aussenwelt. Als Ersatz gibt es sechs grosse Displays, die in den Türen, in der Rückwand und im Armaturenbrett untergebracht sind. Die Touch-Screens lassen sich von jedem Platz aus mit der Hand steuern und ermöglichen das Betrachten von Fotos und  Filmen oder das Surfen im Internet.

Nach den Vorstellungen der Mercedes-Ingenieure kann das Auto der Zukunft auch mit der Aussenwelt kommunizeren, sei es mit Menschen oder mit anderen Fahrzeugen. Ein mit Lasern auf die Fahrbahn projiziertes Bild soll beispielsweise Fussgängern signalisieren, dass der Wagen stoppen wird und sie gefahrlos die Strasse überqueren können. Auf farbigen Front- und Heckdisplays lassen sich zudem einzelne Wörter anzeigen. Selbst Sprache soll der Wagen beherrschen, wenn er einmal zur Serienreife gelangt ist.



Auf der Flugpiste in San Francisco fuhr der Mercedes F 015 noch nicht völlig autonom. Dafür ist – wie schon erwähnt – die Sensortechnik noch nicht ausgereift genug. Ein Techniker-Team des Autoherstellers überwachte und steuerte zum Teil die Bewegungen des Wagens, Not-aus-Schalter inklusive. Für heutige und vor allem leidenschaftliche Autofahrer dürfte es sehr gewöhnungsbedürftig sein, mit dem Rücken zum Lenkrad und zur Fahrtrichtung zu sitzen und sozusagen „beschäftigungslos“ zu sein. Kann man so wirklich völlig entspannen, ein Spiel zusammen spielen, einen Film schauen oder die Augen schliessen und eine CD hören?

Dies sind Fragen, die wirklich erst die Zukunft beantworten kann. Der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG, Dieter Zetsche, der gleichzeitig Leiter von Mercedes-Benz Cars ist, glaubt jedenfalls, dass autonomes Fahren die Gesellschaft in einigen Jahren verändern wird. Das Auto wird sich seiner Meinung nach vom reinen Transportmittel zu einem mobilen Lebensraum entwickeln. In einer grossen Luxuskarosse wie dem F 015 ist die Vision vom „Lebensraum“ durchaus vorstellbar, in einem Smart wohl eher nicht.

 

Oberstes Bild: © Mercedes-Benz

Über Ulrich Beck

hat Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert und ist zusätzlich ausgebildeter Mediendesigner im Segment Druck. Er schreibt seit über 30 Jahren belletristische Texte und seit rund zwei Jahrzehnten für Auftraggeber aus den unterschiedlichsten Branchen.


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