Bikertreffen – moderne Helden auf zwei Rädern

10.07.2015 |  Von  |  Motorrad
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Bikertreffen – moderne Helden auf zwei Rädern
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Bikertreffen dienen in erster Linie dazu, Gleichgesinnte zu sehen und selbst gesehen zu werden. Doch hinter den Veranstaltungen, bei denen sich motorradbegeisterte Menschen zusammenfinden, steckt noch so viel mehr. Es ist gemeinsam gelebte Leidenschaft individueller Freidenker.

Bikertreffen haben eine sehr lange Tradition, die sich bis in die 1940er-Jahre zurückverfolgen lässt. Damals trafen sich hauptsächlich US-amerikanische Soldaten, um gemeinsam gegen Politik und Wirtschaft zu rebellieren. Sie wollten eine Botschaft an die Gesellschaft senden und sich gegen das System stellen. Spätere Filme wie „The Wild One“ mit Marlon Brando (1953) und „Easy Rider“ (1969) mit Dennis Hopper, Peter Fonda und Jack Nicholson machten aus den Rebellen auf den Bikes echte Helden. So wollte die Jugend sein: cool, lässig, unabhängig, rebellisch und auffällig.

Diese Zeiten sind lange vorbei, und dennoch treffen sich jede Woche weltweit viele Biker in kleinen und grossen Gruppen zum gegenseitigen Austausch. Damit können die Zusammengehörigkeit der Motorradfahrer und die Leidenschaft für motorisierte Zweiräder aktiv gespürt und gelebt werden. Dennoch bleibt der Grundgedanke, sich von der konsumorientierten und durch Medien geprägten Gesellschaft zu distanzieren, erhalten.

Bikertreffen in der Schweiz – ein ganzes Jahr der Leidenschaft gewidmet

Die meisten Biker, die sich auf Bikertreffen ins Rampenlicht stellen, sind in zahlreichen Motorradclubs, sogenannten MCs, organisiert. Aber auch unabhängige Motorradfahrer suchen auf solchen Bikertreffen die Nähe der Gleichgesinnten. Die meisten Treffen werden demnach entweder von einzelnen MCs organisiert oder es gibt einen unabhängigen Veranstalter, der den Bikern eine Plattform für diese Treffen bietet.

Auch in der Schweiz gibt es viele MCs und Bikertreffen in allen Ecken und Winkeln des Landes. Alle aktuellen Termine und Veranstaltungsorte für die Schweiz findest du in der verlinkten Liste. Wie du siehst, können Bikertreffen völlig unterschiedliche Anlässe und Abläufe haben. Bei einigen öffnen die MCs ihre Pforten für interessierte Besucher und Motorradfreunde anderer Regionen, bei anderen Veranstaltungen gibt es komplette Programme, die vielseitige Abwechslung und Spass bringen.


In der Schweiz gibt es viele MCs und Bikertreffen in allen Ecken und Winkeln des Landes. (Bild: Anna Omelchenko – shuttestock.com)

In der Schweiz gibt es viele MCs und Bikertreffen in allen Ecken und Winkeln des Landes. (Bild: Anna Omelchenko – shuttestock.com)


Die Struktur eines Motorradclubs

Wer das Cruisen mit dem Bike liebt, hat die Möglichkeit, sich einem Motorradclub anzuschliessen. Der berühmteste und gleichzeitig grösste weltweit agierende Motorradclub sind die „Hells Angels“. Diese Clubs haben in der Regel eine strenge Hierarchie und Ordnung. Nahezu alle existierenden MCs sind nach US-amerikanischem Vorbild aufgebaut, daher sind auch die einzelnen Posten innerhalb des Clubs mit englischen Titeln versehen. Solch ein MC setzt sich aus folgenden Personen zusammen:

  • President – der Vorsitzende des Clubs, wird auch als Presi oder Häuptling bezeichnet
  • Vice President – der Stellvertreter des President
  • Secretary – Person für Organisation von Club- und Bikertreffen und Kommunikation, zuständig für Clubnachrichten, Einladungen und den Informationsaustausch zwischen verschiedenen MCs
  • Road Captain – Tourenplaner
  • Treasury – Kassenwart, verwaltet die Clubgelder und Beiträge der Mitglieder
  • Sergeant of Arms – die Exekutive des Clubs; diese Person sorgt für Disziplin und Ordnung bei Ausfahrten, Veranstaltungen, Club- und Bikertreffen. Er achtet darauf, dass niemand über die Stränge schlägt, daher muss er selbst möglichst nüchtern bleiben.
  • Member – auch Fullmember genannt, vollwertige und stimmberechtigte Clubmitglieder
  • Prospect – Anwärter, die dem Club beitreten möchten
  • „Hangaround“ – Person, die gerne an Treffen teilnimmt, ohne Mitglied im Club zu sein, eventueller neuer Prospect.

Nicht in jedem MC ist auch jede dieser Positionen besetzt. Es ist auch möglich, dass eine Person zwei Posten bekleidet, z. B. Vice President und Secretary. Die Clubabzeichen, die sogenannten „Colors“, bekommt ein Mitglied erst mit Erreichen des Fullmember-Status überreicht. Dies ist eine besondere Ehrung und ein Zeichen des Vertrauens und des Zusammenhalts.


Viele Clubs haben in der Regel eine strenge Hierarchie und Ordnung. (Bild: Drop of Light – shutterstock.com)

Viele Clubs haben in der Regel eine strenge Hierarchie und Ordnung. (Bild: Drop of Light – shutterstock.com)


Es wird Zeit, mit den Gerüchten aufzuräumen

Motorradfahrer haben in der Gesellschaft einen schweren Stand und häufig einen zweifelhaften Ruf. Dies ist in gewisser Hinsicht auch verständlich, da sich Biker ja genau von dieser Durchschnittsgesellschaft unterscheiden wollen. Es gibt jedoch viele Gerüchte, die Biker immer wieder zu spüren bekommen, obwohl sie nicht und nur eingeschränkt den Tatsachen entsprechen. Also, was stimmt und was stimmt nicht?

  • Biker sind kriminell – stimmt nicht!
    Es wird vermutet, dass ca. 1 % der organisierten Motorradfahrer auch kriminelle Neigungen haben. Dies ist ein „normaler“ und in vielen Gesellschaftsschichten zu findender Prozentsatz und kein Wert, der Motorradfahrer statistisch hervorhebt.
  • Biker trinken viel Alkohol – stimmt bedingt
    Die meisten Biker sind Männer. Gerade in männlicher Gesellschaft trinken Männer schon mal gerne einen über den Durst. So kann ein Bikertreffen schon mal in ein feuchtfröhliches Fest ausarten. Dieses Verhalten ist jedoch nicht anders als in Fussballclubs oder Schützenvereinen, somit kein bikertypischer Charakterzug.
  • Biker sind Verkehrsrowdys – stimmt bedingt
    Wie auch bei Autolenkern, gibt es solche und solche Motorradfahrer auf der Strasse. Die meisten Biker lieben ihren motorisierten Bock und tun alles dafür, ihm nicht zu schaden. Sie hegen und pflegen ihr Motorrad wie einen Schatz. Daher fahren die meisten Biker sehr diszipliniert und cruisen eher, als dass sie rasen. Natürlich gibt es aber auch gelegentlich übermotivierte Fahrer, die sich gerne über Verkehrsregeln hinwegsetzen und es bevorzugen, Gas zu geben. Das gibt ihnen für den Moment einen besonderen Kick. Dies ist jedoch nicht die Regel und nicht der Masse der Biker zuzuschreiben. Es sind Ausnahmen.

Motorradfahrer sind also nicht krimineller, konsumieren nicht mehr Alkohol und missachten die Verkehrsregeln nicht mehr oder weniger als andere Menschen auch.


Es gibt viele Vorurteile gegen Biker, die gar nicht stimmen. (Bild: Rena Schild – shutterstock.com)

Es gibt viele Vorurteile gegen Biker, die gar nicht stimmen. (Bild: Rena Schild – shutterstock.com)


Frauen auf Bikertreffen

Bis auf wenige Ausnahmen lassen MCs allgemein Frauen nicht als vollwertige Mitglieder zu. Dennoch sind auf Bikertreffen auch immer wieder Frauen, die entweder als Sozia mitfahren oder sogar selbst mit dem Bike vorfahren, anzutreffen. Biker umgeben sich gerne mit Damen, die selbst ein Interesse an Motorrädern zeigen. Das Clubleben ist und bleibt aber eine reine Männerdomäne. Vielerorts gibt es jedoch auch schon MCs nur für weibliche Mitglieder, auch wenn sie immer noch recht selten sind.


MCs nur für weibliche Mitglieder sind noch recht selten. (Bild: Andrey Armyagov – shutterstock.com)

MCs nur für weibliche Mitglieder sind noch recht selten. (Bild: Andrey Armyagov – shutterstock.com)


Bikertreffen sind ein echtes Erlebnis

Mit dem eigenen einen befreundeten Club zu besuchen oder die Teilnahme an einem grossen Bikertreffen ist immer ein besonderes Ereignis. Hier werden Freundschaften gepflegt, neue Leute kennengelernt und viele Informationen ausgetauscht. Auch der Spassfaktor spielt hierbei eine grosse Rolle. Es ist immer leicht, mit Gleichgesinnten in Kontakt zu kommen. Auffällig ist der Respekt, den sich Biker gegenseitig erweisen. Dies ist eine Art oberste Direktive. Auf den Treffen können Biker ihre zum Teil aufwendig getunten Motorräder präsentieren, bei einigen Veranstaltungen gibt es sogar richtige Shows und Wettbewerbe.

Besonders beliebt und immer ein Blickfang sind Custom Bikes, also Motorräder, die in Handarbeit zu einem einzigartigen Unikat umgebaut wurden. Endlos lange Gabeln, besonders grosse oder breite Reifen, handgefertigte Tanks in skurrilen Formen oder ein Sound, der noch in weiter Entfernung gehört werden kann, sind nur einige der Möglichkeiten.


Besonders beliebt und immer ein Blickfang sind Custom Bikes. (Bild: Ataka – shutterstock.com)

Besonders beliebt und immer ein Blickfang sind Custom Bikes. (Bild: Ataka – shutterstock.com)


Für Bikertreffen nehmen viele Motorradfahrer auch weite Wege in Kauf. Sie reisen sowohl im eigenen Land als auch in andere Länder, treffen sich mit dort ansässigen MCs und geniessen das Cruisen auf Serpentinen in Küstennähe oder die Fahrt als Gruppe mitten durch die Städte. Grosse Bikergruppen auf den Strassen zu treffen ist immer ein Spektakel. Je grösser die Gruppe, desto mehr Aufsehen wird erzeugt.



Der Traum von Sturgis, Daytona und anderen Bikertreffen

Das bekannteste Bikertreffen der Welt ist die jährliche Motorrad-Rallye in Sturgis in South Dakota, USA. Nahezu jeder Biker träumt davon, wenigstens einmal in seinem Leben an diesem Treffen teilzunehmen. Die Rallye in Sturgis wird seit 1938 regelmässig veranstaltet, lediglich in der Zeit des Zweiten Weltkriegs wurde sie aufgrund Bezinmangels ausgesetzt.



Neben Sturgis ist auch die Daytona Beach Bike Week im Volusia County in Florida, USA, ein Traumereignis für jeden Biker. Bei diesen beiden Veranstaltungen treffen sich jährlich jeweils zwischen 500’000 und 750’000 Biker, der Anteil an Fahrern einer Harley-Davidson ist dabei auffallend hoch. Ebenfalls ein besonderes Erlebnis für Biker ist es, die 2448 Meilen (3939,67 km) der Route 66 von Chicago, Illinois, bis Santa Monica, Kalifornien, auf dem Bike zu bewältigen. Viele MCs und auch externe Reiseveranstalter planen und organisieren all diese Bikertreffen und -touren.

 

Oberstes Bild: © ToskanaINC – shutterstock.com

Über Susi Swazyena

Susi Swazyena hat bereits neben ihrem Beruf als freie Fotografin im Jahr 1998 begonnen, nebenbei Artikel für Webseiten und Fachmagazine zu verfassen. Mit ihrem Umzug nach Stuttgart gab sie die Fotografie im Jahr 2011 auf und folgte ihrer Berufung zu schreiben. Seitdem arbeitet sie mit Leidenschaft und viel Engagement als hauptberufliche Texterin. Zu ihren Themenschwerpunkten gehören Beauty, Lifestyle und Reisen. Sie ist selbst ausgebildete Nageldesignerin, Lash-Stylistin und testet regelmässig die neuesten Kosmetikprodukte als Botschafterin für verschiedene Unternehmen.


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