Drei Winterreifen im TCS-Test durchgefallen: Schwächen beim Kauf erkennen

Drei Winterreifen der Kleinwagendimension 185/65 R15 erhielten im TCS-Winterreifentest 2026 die Bewertung „nicht empfehlenswert“. Der Sunny Winter-max NW611, der Atlas Polarbear HP und der Rockblade Rock 868S scheiterten vor allem an erheblichen Schwächen auf nasser Fahrbahn. Einzelne gute Ergebnisse auf Schnee, bei der Effizienz oder beim Reifenabrieb konnten diese Sicherheitsdefizite nicht ausgleichen.

Das Ergebnis zeigt, weshalb ein grobes Profil, das Alpine-Symbol oder ein günstiger Preis für die Kaufentscheidung nicht genügen. Ein Winterreifen muss auf trockener, nasser und winterlicher Strasse kontrollierbar bleiben. Erst ein Test über mehrere Disziplinen macht sichtbar, ob sich seine Eigenschaften zu einem ausgewogenen Gesamtpaket verbinden.

Die Zahl drei gilt für eine bestimmte Reifendimension

Der TCS prüfte 2026 je 16 Winterreifen in den Dimensionen 185/65 R15 88T/H und 225/50 R17 98V. Die drei im Titel genannten Modelle gehören ausschliesslich zur kleineren Dimension. Diese wird unter anderem bei verschiedenen Ausführungen von VW Polo, Audi A1, Hyundai i20, Renault Clio, Citroën C3, Skoda Fabia, Toyota Yaris und Mazda 2 verwendet.

Bei den 16 Reifen der Dimension 185/65 R15 wurden zwei Modelle als „sehr empfehlenswert“, fünf als „empfehlenswert“ und sechs als „bedingt empfehlenswert“ beurteilt. Drei Modelle erhielten „nicht empfehlenswert“. In der zusätzlich getesteten Mittelklassendimension 225/50 R17 fielen sechs weitere Reifen durch. Die Resultate beider Grössen dürfen deshalb nicht miteinander vermischt werden.

Diese drei Kleinwagenreifen erhielten keine Empfehlung

Der Sunny Winter-max NW611 erreichte in der Fahrsicherheit eine Bewertung von 14 Prozent. Auf winterlicher Fahrbahn zeigte er brauchbare Eigenschaften, auf nasser Fahrbahn fiel seine Leistung jedoch deutlich ab. Das schwache Nassresultat begrenzte die Gesamtnote auf 14 Prozent und führte zur Einstufung „nicht empfehlenswert“.

Der Atlas Polarbear HP erzielte auf trockener Fahrbahn ein vergleichsweise gutes Ergebnis und fiel mit geringem Reifenabrieb auf. Auf Nässe erhielt er jedoch null Prozent. Da ein mangelhaftes Gruppenurteil die Bewertung der Fahrsicherheit nach unten begrenzt, endete auch die Gesamtnote bei null Prozent.

Der Rockblade Rock 868S erreichte ausgerechnet auf Schnee und Eis die beste Bewertung des Testfeldes. Gleichzeitig war er auf trockener Fahrbahn sehr schwach und erhielt auf Nässe ebenfalls null Prozent. Die gute Winterdisziplin konnte die gravierenden Sicherheitslücken auf anderen Fahrbahnen nicht kompensieren.


Gute Traktion auf Schnee genügt nicht für eine Kaufempfehlung. Im Schweizer Winter gehören Regen, Schneematsch, trockene Kälte und wechselnde Fahrbahnen zum selben Einsatzprofil.

Ein Winterreifen muss mehr können als im Schnee greifen

Die Bezeichnung Winterreifen lenkt den Blick leicht auf Schnee und Eis. Im Alltag fährt ein solcher Reifen jedoch häufig auf kaltem, trockenem oder nassem Asphalt. Gerade in tieferen Lagen prägen Regen, Spritzwasser und wechselnde Temperaturen einen erheblichen Teil der Wintersaison.

Ein Reifen mit überzeugender Schneetraktion kann daher trotzdem ungeeignet sein. Schwächen beim Bremsen, bei der Seitenführung oder im Grenzbereich auf Nässe werden nicht dadurch aufgehoben, dass das Fahrzeug an einer verschneiten Steigung gut anfährt. Die drei durchgefallenen Modelle verdeutlichen diese Trennung besonders klar.

Fast 18 Meter Unterschied beim Bremsen auf Nässe

Der BELMEDIA-Beitrag „TCS testet 32 Winterreifen: Beim Bremsweg auf nasser Fahrbahn fast 18 Meter Unterschied“ aus dem Jahr 2026 nennt die entscheidenden Messwerte. Der Bridgestone Blizzak LM 005 stand beim Bremsversuch aus 80 km/h nach 33,5 Metern. Der Rockblade Rock 868S benötigte 51,4 Meter.

Die Differenz beträgt 17,9 Meter. An jener Stelle, an der das Fahrzeug mit dem Bridgestone bereits stillstand, fuhr das identische Fahrzeug mit dem Rockblade noch ungefähr 47 km/h. Ein solcher Unterschied lässt sich weder durch einen geringeren Kaufpreis noch durch eine gute Schneebewertung relativieren.



So setzt sich die TCS-Bewertung zusammen

Der Test umfasste 19 Kriterien. Die Fahrsicherheit floss mit 70 Prozent in die Gesamtbeurteilung ein. Dazu gehörten das Verhalten auf trockener, nasser und winterlicher Fahrbahn, Bremsleistung, Aquaplaning, Handling und Stabilität im Grenzbereich.

Die Umweltbilanz machte 30 Prozent aus. Bewertet wurden Verschleiss beziehungsweise erwartete Laufleistung, Reifenabrieb, Effizienz, Geräusch und Nachhaltigkeit. Die Effizienz berücksichtigt unter anderem das Reifengewicht und den Einfluss auf den Energie- oder Treibstoffverbrauch.

Ein Reifen kann somit wegen geringer Abnutzung oder guter Effizienz positiv auffallen und trotzdem nicht empfehlenswert sein. Sicherheit bildet die unverzichtbare Grundlage. Umwelt- und Wirtschaftlichkeitsvorteile werden erst dann relevant, wenn die Fahreigenschaften ein ausreichendes Niveau erreichen.

Eine mangelhafte Einzeldisziplin begrenzt das Gesamturteil

Der TCS arbeitet mit Abwertungsregeln. Ist ein sicherheitsrelevantes Unterkriterium mangelhaft, kann das übergeordnete Gruppenurteil nicht einfach durch gute Werte in anderen Disziplinen ausgeglichen werden. Entsprechendes gilt für die Hauptkriterien Fahrsicherheit und Umweltbilanz.

Diese Methode verhindert, dass ein gefährlich langer Nassbremsweg hinter guten Resultaten auf Schnee oder bei der Laufleistung verschwindet. Für den Reifenkauf ist das wichtig: Ein Durchschnittswert allein sagt wenig aus, wenn eine einzelne Schwäche genau unter häufig vorkommenden Bedingungen auftritt.


Vor der Bestellung müssen Dimension, Lastindex und Geschwindigkeitsindex mit den freigegebenen Fahrzeugdaten übereinstimmen. Der Modellname allein reicht für die Zuordnung nicht aus.

Testergebnisse nur für die passende Dimension verwenden

Auf der Reifenflanke steht eine Zeichenfolge wie 185/65 R15 88T. Die erste Zahl bezeichnet die Reifenbreite in Millimetern, die zweite das prozentuale Verhältnis von Flankenhöhe zu Reifenbreite. „R“ steht für Radialbauweise, „15“ für den Felgendurchmesser in Zoll. Danach folgen Last- und Geschwindigkeitsindex.

Vor einem Kauf müssen diese Angaben mit den für das Fahrzeug freigegebenen Dimensionen abgeglichen werden. Eine passende Zollgrösse allein genügt nicht. Besonders Fahrzeuggewicht, mögliche Zuladung, Höchstgeschwindigkeit und konkrete Felge beeinflussen die zulässige Ausführung.

Testergebnisse lassen sich laut TCS in der Regel auf benachbarte Dimensionen derselben Reifenserie übertragen. Trotzdem bleibt die tatsächlich geprüfte Grösse die sicherste Vergleichsgrundlage. Konstruktion, Lastindex oder verfügbare Modellgeneration können sich zwischen Dimensionen unterscheiden.

Modellnamen und Generation genau vergleichen

Hersteller verwenden ähnliche Bezeichnungen über mehrere Produktgenerationen. Zusätze wie „Pro“, „Plus“, „Evo“ oder eine nachgestellte Zahl können einen technisch anderen Reifen kennzeichnen. Ein gutes Testergebnis für einen WinterContact TS 870 gilt nicht automatisch für jeden ähnlich bezeichneten Continental-Reifen.

Auch Händlerangebote müssen vollständig gelesen werden. Stehen auf vier gelieferten Reifen unterschiedliche Modellzusätze, Lastindizes oder Produktionskennungen, ist die Bestellung vor der Montage zu klären. Auf einer Achse sollten keine unterschiedlichen Reifenkonstruktionen oder Modelle kombiniert werden.

Das getestete Produkt muss mit dem angebotenen Produkt übereinstimmen. Hilfreich sind vollständiger Modellname, Dimension, Lastindex, Geschwindigkeitsindex und gegebenenfalls eine zusätzliche Herstellerkennung. Ein stark verkürzter Shop-Titel ist dafür keine ausreichende Grundlage.



Das EU-Reifenlabel ist nur ein erster Filter

Das EU-Label informiert unter anderem über Effizienz, Nassbremsen und externes Rollgeräusch. Zusätzlich können Kennzeichnungen für Schnee- und Eiseignung vorhanden sein. Diese Angaben erleichtern eine Vorauswahl, bilden aber nicht sämtliche sicherheitsrelevanten Eigenschaften ab.

Handling auf Nässe, Aquaplaning in Kurven, Trockenstabilität, Verhalten im Grenzbereich, Verschleiss und tatsächliche Laufleistung lassen sich daraus nicht vollständig ableiten. Ein Reifen mit einer brauchbaren Labelklasse kann deshalb in einem umfassenden Fahrtest dennoch deutliche Schwächen zeigen.

Der Vergleich der drei durchgefallenen Modelle zeigt zudem, dass selbst unterschiedliche Stärken zu demselben negativen Gesamturteil führen können. Beim Sunny war die Nassleistung schwach, beim Atlas sehr schwach. Der Rockblade verband eine starke Schneeleistung mit erheblichen Defiziten auf trockener und nasser Fahrbahn.

Das Alpine-Symbol bestätigt keine umfassende Spitzenleistung

Das Bergpiktogramm mit Schneeflocke wird als Alpine- oder 3PMSF-Symbol bezeichnet. Es setzt eine standardisierte Prüfung der Schneeeigenschaften voraus. Damit liefert es einen belastbareren Nachweis der Wintertauglichkeit als eine blosse M+S-Kennzeichnung.

Das Symbol bedeutet jedoch nicht, dass ein Reifen in allen Winterdisziplinen gut abschneidet. Es sagt nichts über ein ausgewogenes Verhalten auf Nässe, trockener Fahrbahn oder beim Verschleiss aus. Der Rockblade mit seiner sehr guten Schneebewertung und gleichzeitig mangelhaften Gesamtnote macht diese Grenze sichtbar.


Nach der Montage sichern korrekter Luftdruck, ein funktionierendes Reifendruckkontrollsystem und regelmässige Sichtprüfungen die vorgesehenen Reifeneigenschaften.

Profiltiefe und DOT-Nummer richtig einordnen

In der Schweiz beträgt die gesetzliche Mindestprofiltiefe für Personenwagenreifen 1,6 Millimeter. Für Winterreifen empfehlen ASTRA und TCS mindestens 4 Millimeter. Unterhalb dieser Winterreserve lassen die Eigenschaften auf Schnee und Schneematsch bereits nach, obwohl die gesetzliche Grenze noch nicht erreicht ist.

Die Profiltiefe wird an mehreren Stellen über Umfang und Breite der massgebenden Hauptrillen gemessen. Entscheidend ist der kleinste Wert und nicht der Durchschnitt aller vier Reifen. Einseitiger Abrieb kann auf falschen Luftdruck, eine fehlerhafte Achsgeometrie oder Probleme am Fahrwerk hinweisen.

Die vier letzten Ziffern im DOT-Feld nennen Produktionswoche und Produktionsjahr. „3725“ steht beispielsweise für die 37. Kalenderwoche 2025. Der TCS empfiehlt beim Neukauf möglichst aktuelle Reifen und bezeichnet bis zu drei Jahre alte Ware noch als neu, sofern Lagerung und Zustand einwandfrei sind.

Alter allein entscheidet jedoch nicht über die Sicherheit. Risse, Beulen, freiliegendes Gewebe, ungleichmässiger Abrieb oder wiederholter Druckverlust verlangen unabhängig vom DOT-Datum eine fachliche Kontrolle. Reifen, die acht Jahre alt sind, sollten nach TCS-Empfehlung nicht mehr verwendet werden.

Preisvergleiche müssen sämtliche Nebenkosten enthalten

Ein günstiger Stückpreis kann durch Versand, Montage, Auswuchten, Ventile, Entsorgung und Arbeiten am Reifendruckkontrollsystem an Attraktivität verlieren. Sinnvoll sind deshalb mehrere Offerten, die dieselben Leistungen und dieselbe Reifenausführung enthalten.

Bei Onlineangeboten ist zusätzlich zu prüfen, wer bei einer falschen Lieferung, einem Transportschaden oder einer Reklamation zuständig ist. Eine Garage kann die Montage eines ungeeigneten oder beschädigten Reifens ablehnen. Der vermeintliche Preisvorteil darf nicht auf einer unklaren technischen Zuordnung beruhen.


Eine vollständige Offerte umfasst Reifen, Montage, Auswuchten, Ventile, Entsorgung und Arbeiten am Reifendruckkontrollsystem. Nur so werden Angebote vergleichbar.

Reifenwahl und Einsatzprofil müssen zusammenpassen

Nicht jeder empfehlenswerte Reifen setzt dieselben Schwerpunkte. Hohe Jahresfahrleistungen machen Verschleiss und Effizienz besonders relevant. Regelmässige Fahrten über Alpenpässe verlangen starke Reserven auf Schnee und Nässe. Bei überwiegendem Stadtverkehr bleiben kurze Bremswege und kontrollierbares Verhalten auf kaltem Asphalt entscheidend.

Der BELMEDIA-Beitrag „Reifen richtig auswählen: Dimensionen, Kennzeichnungen und Einsatzbereiche“ aus dem Jahr 2026 ordnet Dimension, Alpine-Symbol, Profiltiefe und Fahrprofil in eine gemeinsame Kaufentscheidung ein.

Ein Reifen sollte in den für das Fahrzeug wichtigsten Disziplinen gut abschneiden, ohne in einer anderen häufig vorkommenden Situation ein gefährliches Defizit zu zeigen. Die TCS-Bewertungen „sehr empfehlenswert“ und „empfehlenswert“ bieten dafür eine belastbarere Orientierung als Preis, Werbung oder Kundensterne.

Eine klare Reihenfolge verhindert Fehlkäufe

Vor der Bestellung wird zuerst die freigegebene Reifendimension einschliesslich Last- und Geschwindigkeitsindex bestimmt. Danach folgt die Suche nach aktuellen unabhängigen Tests für genau diese oder eine nachvollziehbar benachbarte Dimension. Modelle mit „nicht empfehlenswert“ scheiden aus.

Anschliessend werden die Einzelresultate mit dem persönlichen Fahrprofil abgeglichen. Nassbremsen und Fahrstabilität bleiben grundlegende Sicherheitskriterien. Laufleistung, Effizienz, Geräusch und Nachhaltigkeit helfen danach, zwischen mehreren sicherheitsseitig geeigneten Modellen zu wählen.

Zum Schluss werden vollständige Offerten, Produktionsdatum und Lieferumfang geprüft. Alle vier Reifen sollten nach Möglichkeit dasselbe Modell, dieselbe Ausführung und einen vergleichbaren Abnutzungszustand aufweisen. Nach der Montage gehören Luftdruck, Laufrichtung und Reifendruckkontrollsystem zur Abnahme.

Die drei durchgefallenen Kleinwagenreifen zeigen, weshalb eine einzelne Stärke niemals das gesamte Urteil ersetzen darf. Wintertauglichkeit bedeutet nicht nur Vortrieb im Schnee, sondern verlässliches Bremsen, Lenken und Ausweichen auf allen typischen Fahrbahnen der kalten Jahreszeit.

 

Bildquellen: Titelbild: Depositphotos/arvydele.gmail.com; Bild 1: Depositphotos/cristiborda; Bild 2: Depositphotos/dusanpetkovic; Bild 3: Depositphotos/DTatiana; Bild 4: Depositphotos/kalinovsky

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