Fahrzeugwechsel – wenn der Neue auf sich warten lässt

07.10.2014 |  Von  |  Allgemein, Auto
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Fahrzeugwechsel – wenn der Neue auf sich warten lässt
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„So, jetzt habe ich genug gespart. Morgen kaufe ich mir meinen neuen Wagen!“ Die Vorfreude auf den Neuen ist gross, und entsprechend verheissungsvoll fallen dann auch die Erwartungen an das neue Auto aus. Jetzt aber mal langsam! Viele Modelle kann man zwar beim Autohändler kaufen, aber leider nicht gleich mitnehmen. Für die meisten Modelle und Marken gibt es Wartezeiten. Und die können durchaus bis zu einem knappen Jahr andauern.

Auch wenn sich die Lieferzeiten für Neufahrzeuge in den letzten Jahren deutlich verkürzt haben, kann die Wartezeit auf das eine oder andere motorisierte Schätzchen schon eine gute Portion Geduld in Anspruch nehmen. Betroffen sind davon echte Exoten genauso wie neue Serien bekannter Fahrzeughersteller. Also, den Alten nicht gleich versetzen, sondern erst einmal warten, bis der Neue auch wirklich abgeholt werden kann.

Informieren Sie sich beim Händler, wann Ihr neuer Wagen tatsächlich abgeholt werden kann. (Bild: Goodluz / Shutterstock.com)

Informieren Sie sich beim Händler, wann Ihr neuer Wagen tatsächlich abgeholt werden kann. (Bild: Goodluz / Shutterstock.com)

Neuwagen gekauft und plötzlich zu Fuss unterwegs

Matthias Zillner (48)* aus einer Kleinstadt im Kanton Graubünden war seit dem Ablegen der Fahrausweis-Prüfung eigentlich noch nie so richtig Fussgänger. Begonnen hat seine Fahrerkarriere mit 23, seitdem hat er sich von einem Gebrauchten zum anderen durch eine Vielzahl unterschiedlichster Modelle getingelt und jetzt endlich genügend Geld für einen fabrikneuen Wagen zusammengespart. Das Traummodell aus dem deutschen Stuttgart-Zuffenhausen ist ein echter Sportler mit der Karosserie eines SUV.

Vor einer Woche hat Zillner den Flitzer im Autohaus erstanden und dabei gleich eine herbe Enttäuschung erlebt. Trotz Barzahlung einer nicht gerade kleinen Summe wird der Single wohl jetzt die nächsten zehn Monate vorwiegend zu Fuss oder mit den Öffentlichen unterwegs sein.

Schuld daran war das Übermass an Vorfreude. In diesem Ausnahmezustand der Gefühle hat Zillner seinen Gebrauchtwagen versetzt und den Erlös mit in die Summe für den nagelneuen Porsche Macan investiert. Momentan hat der sportliche Endvierziger kein motorisiertes Gefährt unter dem Hintern, und für einen guten Gebrauchten gibt die geplünderte Kasse gerade jetzt auch nichts mehr her. Dabei war die Vorstellung vom flotten Porsche Macan doch so verlockend.






Wer sein altes Auto zu schnell verkauft, wird wohl in der Wartezeit vorwiegend zu Fuss oder mit den Öffentlichen unterwegs sein. (Bild: XiXinXing / Shutterstock.com)

Wer sein altes Auto zu schnell verkauft, wird wohl in der Wartezeit vorwiegend zu Fuss oder mit den Öffentlichen unterwegs sein. (Bild: XiXinXing / Shutterstock.com)

Kein Einzelfall




Was Zillner erlebt, ist durchaus kein Einzelfall. Auch wenn die Wartezeiten auf einen Neuwagen in den letzten Jahren deutlich geschrumpft sind, gibt es den Wagen beim Autohändler dennoch eher selten zum Mitnehmen. Grund dafür ist das Umdenken in der Autoindustrie. Nachdem bei vielen Marken jahrelang gewissermassen auf Halde produziert wurde, stellen jetzt die meisten Autohersteller auf eine nachfragegerechte Produktion um. Oftmals wird sogar nur direkt anhand der konkreten Bestellzahlen produziert.




Ein nachvollziehbares Argument dafür sind beispielsweise auch die völlig unterschiedlichen Ansprüche und Erwartungen der Kunden an die Motorisierung, die Ausstattung und das optionale Interieur. Das bedeutet, dass kaum noch Fahrzeuge von der Stange produziert werden, sondern zumeist schon an den Montagebändern die individuellen Wünsche der Käufer umgesetzt werden. Einher geht das mit veränderten Produktionszyklen, die auch zu Wartezeiten führen können.




Natürlich spielt auch die allgemeine Nachfrage nach bestimmten Fahrzeugen eine entscheidende Rolle bei der Ausgestaltung der Wartezeiten. Und die Nachfrage regelt sich bei vielen Marken eben weltweit. Besonders deutlich zu spüren ist das, wenn ein Neuwagen beispielsweise von Porsche gekauft wird. Den gibt es nur im Ausnahmefall direkt zum Mitnehmen.




Auch andere renommierte Automarken haben so ihre Probleme mit den Lieferzeiten. So kann es durchaus drei bis fünf Monate dauern, bis der Neue in der Einfahrt steht.

Besonders gemütlich präsentieren sich hier die Franzosen. Von 12 bis 24 Wochen ist hier so ziemlich alles drin, selbst bei scheinbar massenhaft produzierten Modellen von Citroën oder Renault.

Autokäufer aufgepasst

Wer als Käufer eines Neuwagens jetzt nicht das Nachsehen haben will, sollte doch eher mit Bedacht statt mit Euphorie agieren. Behalten Sie Ihren Alten so lange, bis Sie den Neuen tatsächlich in der Garage haben. Ansonsten könnte Ihnen das gleiche Schicksal drohen wie Matthias Zillner. Vereinbaren Sie am besten auch im Kaufvertrag schon einen festen Liefertermin. Dann können Bummelzeiten durchaus auch auf den Endpreis angerechnet werden.

Darüber hinaus lohnt sich manchmal auch der Gedanke an einen Jahreswagen oder ein Fahrzeug vom Autohändler mit Tageszulassung. Das spart nicht nur Geld, sondern eröffnet Ihnen auch die Möglichkeit, den (nicht mehr ganz) Neuen gleich mit nach Hause zu nehmen.

Im Übrigen lohnt es kaum, sich mit dem örtlichen Autohändler selbst über die doch manchmal recht langen Lieferzeiten auseinanderzusetzen. Der Händler selbst verursacht solche Wartezeiten nicht, sondern muss diese genau wie Sie selbst aussitzen.

Wer also heute auf einen Neuwagen schielt, sollte nicht nur genügend Geld auf dem Bankkonto zusammenlegen, sondern eben auch Geduld mitbringen. Und die nötige Zeit überbrücken Sie letztlich am besten, wenn Sie Ihren bisherigen Wagen behalten und so weiter entspannt am Individualverkehr teilnehmen können. Die Vorfreude auf den Neuen dauert dann eben manchmal ein wenig länger.

* Name und Alter geändert – die Redaktion

 

Oberstes Bild: Wer einen Neuwagen kauft, muss oftmals mit mehrmonatigen Lieferfristen rechnen. (© Ollyy / Shutterstock.com)

Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus...die Berater.
Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt - die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.


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