Der neue BMW M5 oder: Sportliche Limousinen im Umweltschutzzeitalter

03.04.2014 |  Von  |  Allgemein, Auto
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Der neue BMW M5 oder: Sportliche Limousinen im Umweltschutzzeitalter
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Schnell, laut, gross und ohne Rücksicht auf die Umwelt – kann solch ein Wagen heute überhaupt noch Erfolge feiern? BMW sagt, dass das kein Problem sei. Der neue M5 geht daher erst gar keine Kompromisse ein und will mit roher Gewalt überzeugen. Ob diese Philosophie auch im Jahr 2014 noch Käufer gewinnen kann?

Umwelt? Interessiert uns nicht…

Legen wir zunächst einige technische Daten auf den Tisch: 560 PS leistet die Mischung aus Limousine und Sportwagen, womit die „echten“ Sportflitzer schon gar nicht mehr so weit entfernt sind. Zum Vergleich: Der Nissan GT-R, ein als Rennwagen vermarktetes Fahrzeug, leistet vergleichbare 550 PS. Diese Leistung katapultiert den M5 in nur 4,3 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h.




Hilfe von elektrisch betriebenen Motoren oder ähnlichen wahrscheinlich unerwünschten Nebensächlichkeiten gibt es nicht: Der Motor spuckt pro Kilometer 232 Gramm Schadstoffe in die Atmosphäre. Die EU möchte den Schadstoffausstoss bis 2030 in geregelten Bahnen verlaufen lassen. Für 2020 etwa ist ein Grenzwert von 95 Gramm vorgesehen – was bedeutet, dass der BMW M5 etwa das Zweieinhalbfache dieses Wertes erzeugt. Dies belegt deutlich die „Ist uns doch egal“-Einstellung, welche die Designer bei den Bayerischen Motorenwerken in Bezug auf den M5 an den Tag gelegt hatten.

New BMW M5 auf der Frankfurt Motor Show 2011(Bild: Autoviva, Wikimedia, CC)

New BMW M5 auf der Frankfurt Motor Show 2011(Bild: Autoviva, Wikimedia, CC)

Rennwagen mit Schauspielerqualitäten




Nun stellt sich natürlich die Frage, ob diese Rücksichtslosigkeit entgegen dem derzeit herrschenden Umweltbewusstsein überhaupt negativ zu bewerten ist, denn der BMW M5 zeigt natürlich auch eindeutige Qualitäten: Der Sportwagen wiegt fast zwei Tonnen und ist 4,91 Meter lang (was im Stadtverkehr hin und wieder eine Herausforderung sein kann, insbesondere bei Parklücken), aber bei der Beschleunigung merkt man ihm das nicht an.

Auch darf man hier nicht erwarten, raketenartig nach vorne geschossen zu werden – denn der M5 will schliesslich auch zum Teil Limousine sein. Fast schon sanft rollt das BMW-Fabrikat an der Ampel los, die eigentliche Kraft unter der Motorhaube kaschiert der Wagen in der Stadt hervorragend. Auch zählt der M5 sicherlich nicht zu den leisesten Wagen unter der Sonne: Ein derart leistungsfähiger V8-Motor fordert bei der Lautstärke nun einmal seinen Tribut. Auch davon spürt der Fahrer jedoch zunächst nichts, solange er sich bei typischen Stadtgeschwindigkeiten in den unteren Gängen aufhält. Sein wahres Ich zeigt der M5 aber sofort, wenn der Weg auf der Autobahn oder Landstrasse frei ist.

BMW M5 - Rennwagen mit Schauspielerqualitäten (Bild: Max Earey / Shutterstock.com)

BMW M5 – Rennwagen mit Schauspielerqualitäten (Bild: Max Earey / Shutterstock.com)

Schuhmacher auf Knopfdruck

Damit der BMW M5 auch Spass macht, haben die Ingenieure die sogenannte Drivelogic Control eingebaut. Damit lassen sich diverse Eigenschaften des Fahrzeugs in Sekundenbruchteilen verändern: Die Schaltzeiten des Sieben-Gang-Getriebes werden verändert, die Lenkung reagiert empfindlicher und die Stossdämpfer strahlen ein sehr sportliches Fahrgefühl aus. All diese Einstellungen sind separat regelbar.




Der M5 kann also sowohl sein stadtfreundliches Bild bewahren als auch sich irgendwo zwischen Rennwagen und Einkaufstour aufhalten als auch die nächste Ausfahrt auf eine Rennstrecke suchen. Gefühlvoll lässt sich die Gewalt im M5 somit in kleinen Schritten in die Hände des Fahrers legen. Wer ganz mutig ist, stellt einfach den Sport Plus-Modus ein und erkennt anschliessend den wahren Grund, sich einen M5 in die Garage zu stellen.

BMW M5 F10 (Bild: Alexandre Prévot, Wikimedia, CC)

BMW M5 F10 (Bild: Alexandre Prévot, Wikimedia, CC)

Aus Freude am Fahren




Der analoge Drehzahlmesser und die Geschwindigkeitsanzeige laufen dann gerne auf 6000 Umdrehungen pro Minute bei 165 km/h. Diese doch recht hohe Geschwindigkeit stellt beim BMW M5 übrigens gerade einmal die Hälfte der gesamten Skala auf der Anzeige dar. Wer keine Lust hat, auf diese „veralteten“ Informationsfelder zu schauen, blickt einfach auf das HUD, welches in die Windschutzscheibe eingebaut ist.




Digital werden dort Informationen über den Zustand des Wagens, die Geschwindigkeit, die Tankfüllung und dergleichen mehr ausgegeben. Übrigens verliert der BMW M5 niemals seine „Coolness“: Auch bei den erwähnten hohen Drehzahlen klingt der Wagen zwar laut, aber nicht so, als würde der Fahrer den Wagen zu stark beanspruchen. Wer dann einen neuen Rundenrekord auf der nächstgelegenen Rennstrecke erzielt hat, schaltet zurück in den Comfort-Modus – und erhält eine Familienkutsche erster Güteklasse.

Zurück zur Familie

Dann nämlich agieren die Stossdämpfer wieder so, wie man es erwartet: Unebenheiten in der Strasse werden sanft ausgeglichen, der mit zwei Turboladern bestückte Motor grollt nur noch wie im Dämmerschlaf vor sich hin, ohne negativ aufzufallen. Wer mit Partner oder Partnerin und Kindern einkaufen möchte, wird dann kaum einen Unterschied zu Skoda Octavia & Co. feststellen können. Von den Liebhabern des M5 gab es dafür bereits Gegenwind, denn früher wurde einfach direkt ein Formel 1-Motor in den M5 gebastelt. Insgesamt ist diese neue Fassung aber wohl der bessere Allrounder.

Wären da nicht die Kosten …

Günstig ist der BMW M5 in keinem Fall: Etwa 126’000 Franken kostet er als Neuwagen, darin sind etwaige Extras natürlich noch nicht einbezogen. BMW gibt ausserdem einen Kraftstoffverbrauch von 9,9 Litern auf 100 Kilometern an – was stimmt, wenn man den M5 nur in einem Labor fährt. Unter realen Bedingungen ist dieser Wert nur als utopisch zu bezeichnen. Wer sich den M5 zulegen möchte, muss also abwägen: Ist die Umweltfreundlichkeit wichtiger oder möchte ich einfach kompromisslosen Spass haben?

 

Oberstes Bild: Der neuer BMW M5 (Bild: Max Earey / Shutterstock.com)



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