Wechsel vom Chauffeur zum Autoüberwacher hat Tücken

16.11.2016 |  Von  |  Auto, News

Geschätzte Lesezeit: 4 minutes

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Noch ist es nicht so weit, dass Autos komplett selbstständig fahren können. Derzeit steht die Frage der Unfallverhütung im Fokus. Wie der Übergang vom Autofahrer zum Autoüberwacher bestmöglich vonstattengehen kann, untersucht die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu).

An die Automatisierung der Fahrzeuge werden hohe Erwartungen geknüpft: Der Strassenverkehr soll leistungsfähiger, wirtschaftlicher, umweltverträglicher und nicht zuletzt sicherer werden. Und tatsächlich: Mit den aktuell verfügbaren Fahrassistenzsystemen könnte die Hälfe aller Unfälle verhindert werden.

„Wenn wir aber von selbstfahrenden Automobilen sprechen, sieht die Realität heute anders aus“, ist sich Stefan Siegrist, stellvertretender Direktor der bfu sicher: „Wir befinden uns am Beginn einer Übergangsphase, in der wir zwischen sicherheitsförderlicher Technik wie automatisches Abbremsen in Notsituationen und Komfortsystemen unterscheiden müssen.“

Zu Letzteren zählt die bfu das teilautonome Fahren. Weil das Auto noch nicht zu allem fähig ist, müssen Autofahrende jederzeit innert Sekunden übernehmen können und dürfen sich nicht blind auf die Technik verlassen. Der Mensch wird vorerst vom Autofahrer zum Autoüberwacher. Dies birgt auch Gefahren, da nun technische Möglichkeiten entwickelt werden, ohne vorgängig zu gewährleisten, ob der Mensch damit umgehen kann und ob sie wirklich sicher sind.

Für die sichere Gestaltung der technischen Revolution rät Stefan Siegrist: „Die Behörden sollen bei Sicherheitsbedenken Fahrzeugen die Zulassung verweigern. Weiter müssen die Hersteller korrekt über die Grenzen der verkauften Systeme informieren. Und wichtig ist auch, dass die Autolenker in der Übergangszeit weiterhin den Blick immer auf die Strasse richten sowie die Hände am Lenkrad halten.“

Fahrassistenzsysteme noch nicht ausgereift

Gemeinsam mit dem TCS testete die bfu aktuelle Fahrassistenzsysteme der Modelle Mercedes E-Klasse, Tesla Model S und Volvo S90. Es zeigt sich, dass die getesteten Systeme noch nicht ausgereift sind. Einerseits tragen technischen Neuerungen zur Verbesserung des Fahrkomforts bei – so überzeugten bei allen Fahrzeugen der Abstandstempomat und die Verkehrszeichenerkennung, andererseits arbeiteten die elektronischen Helfer nicht immer zuverlässig. Negativ aufgefallen sind die teilweise schlecht wahrnehmbaren Warnhinweise, welche den Fahrer auf eine Situation aufmerksam machen sollen.

Die bfu entwickelte 5 Thesen zu selbstfahrenden Autos

1. Die bfu begrüsst die sicherheitstechnische Entwicklung bei Fahrzeugen. Mit den aktuell verfügbaren Fahrassistenzsystemen könnte die Hälfe aller Unfälle verhindert werden.
2. Die heutigen Fahrassistenzsysteme sind der Grundstein für selbstfahrende Autos. Vollautomatisierte Fahrzeuge bringen viele Vorteile, zum Beispiel weniger Tote und Verletzte, weniger Stau und eine bessere Ökobilanz.
3. Von autonomem Fahren sind wir noch weit entfernt. Selbst die modernsten Fahrzeuge haben Grenzen, der Mensch bleibt gefragt und sollte rasch wieder das Steuer übernehmen können – kann es aber nicht in jedem Fall.
4. Die bfu befürchtet, dass die Unfälle in der Übergangsphase zunehmen könnten. Die Technik ist komplexen Situationen noch nicht gewachsen, die Kommunikation mit den übrigen Verkehrsteilnehmenden fehlt, rechtliche Fragen müssen geklärt werden.
5. Die bfu schätzt, dass erste vollständig selbstfahrende Autos in fünf Jahren auf Autobahnen und in rund zehn Jahren auch in anspruchsvollen Situationen sicher unterwegs sein werden. Erst nach dem kompletten Ersatz des bestehenden Fahrzeugparks wird der Nutzen für die Verkehrssicherheit maximal sein.

 

Artikel von: bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung
Artikelbild: © Iris Andermatt

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