Volvo V60 Polestar – heisser Schwedenstahl

27.02.2015 |  Von  |  Auto, Volvo
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Volvo V60 Polestar – heisser Schwedenstahl
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Welche Werte verknüpft man mit Fahrzeugen von Volvo? In erster Linie Sicherheit. Behaglichkeit. Hochwertiges Ambiente. Temperament? Eher nicht. Aber das sollte sich jetzt ändern.

Der Volvo V60 Polestar ist der geborene Wolf im Schafspelz. Ein schnöder Kombi, werden sich wohl viele denken – weil niemand Polestar kennt. Böser Fehler!

Einen Volvo V60 kann man ja nicht mehr wirklich als Neuheit bezeichnen. Seit 2010 wird er in der heutigen Form gebaut, vor zwei Jahren erhielt er ein leichtes Facelifting. Wer also kein spezielles Auge für Autos hat, läuft am Volvo V60 Polestar einfach vorbei. Wer sich jedoch von der auffälligen und aggressiven Farbe Rebel Blue angezogen fühlt, der entdeckt zwei kleine Polestar Logos. Was die wohl zu bedeuten haben…?

Sie bedeuten, dass sie aus dem Volvo V60 einen Wolf im Schafspelz machen. Okay, die optionale Farbe Rebel Blue erregt zwar Aufmerksamkeit, aber natürlich gibt es den V60 Polestar auch in neutraleren Farben. Polestar ist nämlich der offizielle Rennstall und Werkstuner von Volvo – nur, dass Polestar im Gegensatz zu AMG, OPC, M, etc. weitgehend unbekannt ist. Und dass der Volvo V60 Polestar eben kein normaler, braver Volvo ist, sieht man ihm kaum an. Der Frontspoiler wurde zugunsten der Aerodynamik angepasst, der Dachspoiler zwecks Abtrieb vergrössert. Ansonsten sieht der Polestar-Kombi genauso aus, wie jeder andere Volvo V60 auch.


Aus dem Volvo V60 macht Polestar einen Wolf im Schafspelz. (Bild: © Koray Adigüzel)

Aus dem Volvo V60 macht Polestar einen Wolf im Schafspelz. (Bild: © Koray Adigüzel)


Das Cockpit blieb ebenfalls weitgehend unangetastet. Schalensitze? Fehlanzeige, stattdessen setzt Polestar auf die serienmässigen Alcantara-Leder-Sportsitze von Volvo, die exzellenten Seitenhalt mit Langstreckenkomfort verbinden. Lediglich die hellblauen Kontrastnähte im Interieur verraten dem Kenner, dass er es hier mit einem Sondermodell zu tun hat. Allerdings sieht man dem V60 sein Alter mittlerweile an. Die Knöpfchenflut auf der Mittelkonsole ist nicht mehr zeitgemäss, der Bildschirm klein und die Bedienung nicht über alle Zweifel erhaben. Auch in puncto Raumausnutzung, eigentlich die Paradedisziplin von Kombis, kann der V60 nicht überzeugen, Fond und Kofferraum sind recht eng geraten.

Böse Zungen würden den als T6 bezeichneten Motor als Altmetall abstempeln. Seit 2010 wird er von Volvo angeboten und seine Tage sind gezählt. In allen zukünftigen Volvo-Modellen werden ausschliesslich 2,0-Liter Vierzylinder-Aggregate eingesetzt. Die Gleichteilestrategie spart Kosten, ausserdem sind die alten Motoren durstig. Ein Blick ins Datenblatt vom V60 Polestar bestätigt dies: Rund 10,7 Liter Sprit verbrennt der heisse Schwede bereits auf dem Papier. Das kann ja heiter werden! Trotzdem, da es schon sehr bald von Volvo keine Reihensechser mehr geben wird, sollte man sie geniessen, solange man noch kann. Und genau das habe ich gemacht.


Die Knöpfchenflut auf der Mittelkonsole ist nicht mehr zeitgemäss. (Bild: © Koray Adigüzel)

Die Knöpfchenflut auf der Mittelkonsole ist nicht mehr zeitgemäss. (Bild: © Koray Adigüzel)


Der von Polestar modifizierte Sechszylinder sorgt nämlich mit 350 PS und gewaltigen 500 Nm für ordentlich Druck. So dezent der V60 Polestar optisch sein mag, akustisch macht er keinen Hehl aus seiner Power. Böse grummelnd erwacht der Motor zum Leben. Für den vollen Ohrenschmaus empfiehlt es sich, den Fahrmodus S anstelle von D auszuwählen, denn dann sind die Auspuffklappen permanent geöffnet. Jetzt ist jede Gasse, jede Unterführung, jeder Tunnel willkommen. Denn was der V60 Polestar für ein Getöse verursacht – das ist nicht normal, zumindest nicht für einen Volvo. Laut fauchend dreht der Motor hoch, ansatzlos und linear, ohne Turboloch und ohne plötzlichen Turboschub. Für maximalen Fahrspass ist es besser, man sortiert die sechs Gänge manuell via Schaltwippen. Obwohl auch das Automatikgetriebe in die Jahre gekommen ist, sind die Schaltzeiten akzeptabel. Das Schmettern von bösen Fanfaren beim Schalten oder Blubbern bei Gaswegnahme hat Polestar dem V60 allerdings nicht beigebracht. Ein bisschen Sozialverträglichkeit muss eben sein. Trotzdem ist es jedes Mal wieder eine Freude, dem aggressiven Fauchen beim Beschleunigen zu lauschen, und wenn es nur bis Tempo 50 ist. Man hat ja schliesslich einen ersten Gang, den man genüsslich ausdrehen kann…


Böse grummelnd erwacht der Motor zum Leben. (Bild: © Koray Adigüzel)

Böse grummelnd erwacht der Motor zum Leben. (Bild: © Koray Adigüzel)


Das Revier vom V60 Polestar ist aber nicht etwa die Stadt, sondern die Landstrasse. Das exklusiv beim V60 Polestar zum Einsatz kommende Fahrwerk vom schwedischen Hersteller Öhlins ist eine Wucht. Je schneller man mit dem Polestar unterwegs ist, desto präziser und härter scheint er zu werden. Das Fahrwerk passt sich dem Fahrstil und den Gegebenheiten an, bei schneller Kurvenhatz wird es stocksteif und ermöglicht für einen 1800-Kilo-Kombi mehr als nur respektable Kurventempi. Dank dem hecklastigen Allradantrieb kennt der V60 Polestar auch keine Traktionsprobleme, sondern lässt sich präzise durch jede Kurve dirigieren. Da der V60 Polestar bei schneller Gangart viel Freude macht und das Gehirn jede Menge Glückshormone ausschüttet, ist es nicht verwunderlich, dass er im Test des öfters ziemlich getreten worden ist. Insofern ist der Testverbrauch von 11,9 l/100 km (+ 11% verglichen mit dem Normverbrauch) aus relativer Sicht nicht schlecht. Bei gemächlichem Mitschwimmen im Verkehr und konstanter Autobahnfahrt sinkt der Verbrauch sogar auf unter zehn Liter. Nichtsdestotrotz merkt man am Verbrauch eben schon, dass der Motor bereits einige Jahre auf dem Buckel hat.


Bei gemächlichem Mitschwimmen im Verkehr sinkt der Verbrauch sogar auf unter zehn Liter. (Bild: © Koray Adigüzel)

Bei gemächlichem Mitschwimmen im Verkehr sinkt der Verbrauch sogar auf unter zehn Liter. (Bild: © Koray Adigüzel)


Wem die schwedische Alternative im Bereich der Sportkombis zusagt, sollte nicht mehr lange warten. Es wurde nämlich letztes Jahr lediglich ein Kontingent von 100 Fahrzeugen importiert. Weitere Einheiten werden nicht importiert, der V60 Polestar kann also auch nicht bestellt werden, sondern muss ab Lager (solange Vorrat!) gekauft werden. Sobald alle 100 Autos im Umlauf sind, ist der Zug abgefahren. Zwar ist der V60 Polestar mit 85’000 Franken kein Schnäppchen. Perfekt ist er auch nicht, insbesondere der hohe Verbrauch und die schlechte Raumausnutzung sind zwei starke Negativpunkte.



Trotzdem, es wird wohl nie wieder einen Volvo geben, der so sehr vor Emotionen sprüht, – *Beginn Ironie* den CO2-Grenzwerten sei Dank. *Ende Ironie* Angesichts der geringen Anzahl Autos in der Schweiz könnte es sogar sein, dass sich der Wertverlust in Grenzen hält.

 

Oberstes Bild: © Koray Adigüzel



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Über Koray Adigüzel

Koray Adigüzel aus Glarus, 22 Jahre jung, studiert an der HTW Chur Multimedia Production. Als absoluter Autonarr führt er einen Autoblog, wo er der Seele des Autos auf der Spur ist. Nach dem Studium wird er in den Autojournalismus einsteigen, auch, weil das Durchschnittsalter in der Branche dringend gesenkt werden muss. ;-)

Webseite: korayscarblog.ch


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