Volle Power – der W12-Motor von VW kennt kein Downsizing

02.12.2014 |  Von  |  Allgemein, Auto, Bentley
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Volle Power – der W12-Motor von VW kennt kein Downsizing
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Er ist ein echter Dinosaurier unter den Kfz-Motoren, aber ausgestorben ist er wohl noch lange nicht. Die Rede ist vom traditionsreichen W12-Triebwerk des Volkswagen-Konzerns, der zur Zeit in drei Modellreihen der Dachmarke verbaut wird: im Audi A8 und in den Bentleys Flying Spur sowie Continental. Vielleicht kommt schon bald eine weitere Reihe hinzu.

Zwölf Zylinder, viel Hubraum und eine Anordnung in W-Form: Das sind die Eckdaten des W12-Aggregats. Die Form des Motors für die Komfort- und Luxuskarossen des Konzerns geht auf Ferdinand Piëch höchstpersönlich zurück, der öfter mal quer denkt und Altbewährtes – in diesem Fall den V12 – beiseite schiebt. Aber bei aller Exotik ist der W12 im Volkswagen-Konzern mittlerweile eine Konstante geworden. Sein charakteristischer Klang, seine enorme Schubkraft und die geschmeidige Laufkultur waren in unterschiedlichen Ausführungen neben den bereits erwähnten Modellen früher auch im Phaeton und im Tuareg zu spüren. Davon ist VW aber abgerückt. Der Tuareg wurde in den Jahren 2004 bis 2010 mit dem W12 angeboten, der Phaeton von 2002 bis 2011.



Audi W12 6.3 FSI Motor (Bild: Morio, Wikimedia, CC)

Audi W12 6.3 FSI Motor (Bild: Morio, Wikimedia, CC)

Für den aktuellen Audi A8 in der Flaggschiffversion wurde der W12 erneut modifiziert. Der Hubraum hat jetzt 6,3 statt 6 Liter, die Kraftstoffzufuhr erfolgt über Direkteinspritzung. Die Triebwerke für die Ingolstädter Limousine der Oberklasse werden zwar seit einiger Zeit in Crewe in England gefertigt, aber die Modifizierung belegt, dass der Motor weiterhin Bestandteil der Antriebspalette bleiben wird. Unauffälliger als mit dem Top-A8 kann man mit dem zweitstärksten Triebwerk aus dem Hause VW hinter dem 16-Zylinder des Bugatti Veyron wohl nicht unterwegs sein. Aufschluss dafür, dass ein A8 500 PS unter der Haube hat, geben nur die doppelten Streben im Kühlergrill und der dezente W12-Schriftzug auf den Einstiegsleisten. Oder man muss die Motorhaube öffnen – dort ist das Logo ebenfalls direkt auf dem Motorblock zu sehen. Die Fahrleistungen sind so beeindruckend wie der Fahrkomfort der Langversion. Mit 4,6 Sekunden beschleunigt der A8 von 0 auf 100. Damit gehört der 2,2-Tonner zu den Spurtschnellsten seiner Klasse.

Bentley Flying Spur – Frontansicht (Bild: Nozilla, Wikimedia, CC)

Bentley Flying Spur – Frontansicht (Bild: Nozilla, Wikimedia, CC)




In der Bentley-Limousine Flying Spur arbeitet eine etwas abgespeckte Version des W12. Der Hubraum beträgt exakt 5’998 Kubikzentimeter. Allerdings ist die Maschine hier mit zwei Turboladern ausgerüstet und beschert der Luxuskarosse satte 125 PS mehr als beim Audi A8. Der Bentley ist im Gegensatz zum A8 auch nicht abgeregelt, so dass er auf eine Höchstgeschwindigkeit von 320 km/h kommt und sich schnellste Serienlimousine nennen darf. Mit einem Sportwagen hat er ansonsten aber wenig gemein. Für die 300 km/h-Marke braucht er reichlich Anlauf. Auch das Fahrverhalten in Kurven und bei starkem Seitenwind entspricht nicht den Erwartungen eines Sportlers. Ausser im Flying Spur treibt der W12 aktuell auch noch die beiden Bentley-Modelle Continental GT und Continental GTC an. Die Fahrleistungen sind ähnlich wie beim Audi A8 und bei dem etwas grösseren Bentley.



Für SUV-Freunde und solche, die es werden wollen, die aber ein Modell wie den Tuareg mit W12-Aggregat vermissen, gibt es womöglich eine gute Nachricht. In der Branche kursieren schon seit geraumer Zeit Gerüchte, dass VW eine weitere Modellreihe mit dem W12 ausstatten will – die kommende SUV-Version aus dem Hause Bentley. Hubraum-Fans und Kunden, die aus finanziellen Gründen keine Rücksicht auf sparsamen Verbrauch und Downsizing nehmen müssen, werden sich freuen.

Bentley GT Speed (Bild: Thesupermat, Wikimedia, CC)

Bentley GT Speed (Bild: Thesupermat, Wikimedia, CC)

Entwickelt wurde der W12 für die Studie Nardo, einen Sportwagen, der in Zusammenarbeit von VW und Italdesign in den Jahren 1997 bis 2002 entstand. Der Nardo stellte auf dem gleichnamigen Hochgeschwindigkeitskurs in Norditalien mit einer 600-PS-Version mehrere internationale Klassen- sowie Weltrekorde auf. Zwischen 2001 und 2004 gab es auch ein W8-Aggregat, mit dem damals das allradgetriebene Spitzenmodell des VW Passat ausgerüstet wurde. Basis für den Doppel-V-Motor W12 waren zwei VR6-Motoren, bekannt aus der gleichnamigen Baureihe des VW Golf aus der dritten Generation. Aus Marketinggründen wurde der VR6 später in V6 umbenannt.

Der W16, der den Bugatti Veyron 16.4 antreibt, ist ebenfalls ein doppelter V-Motor mit zwei VR8-Zylinderreihen. Durch diese geschickte Anordnung wurde es möglich, einen relativ platzsparenden 16-Zylinder mit fast acht Litern Hubraum zu entwickeln. Der W12 hat also nicht nur eien lange Tradition bei VW, er hat auch noch eine illustre Verwandtschaft.



 

Oberstes Bild: Der W12-Motor von VW (Bild: Morio, Wikimedia, CC)

Über Ulrich Beck

hat Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert und ist zusätzlich ausgebildeter Mediendesigner im Segment Druck. Er schreibt seit über 30 Jahren belletristische Texte und seit rund zwei Jahrzehnten für Auftraggeber aus den unterschiedlichsten Branchen.


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