Viel Humor und viel Selbstbewusstsein im Mini Cooper

09.04.2015 |  Von  |  Auto
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Viel Humor und viel Selbstbewusstsein im Mini Cooper
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Mini tickt ein bisschen anders. Wo sonst wird man vom Bordcomputer mit einem Augenzwinkern begrüsst? Wo sonst führt ein farbiges LED­Leuchtband im Cockpit verspielte Animationen durch? Wo sonst ist in der Preisliste eine Frau zu sehen, die lässig einen Kaugummi aufbläst?

Mini und Go­Kart Feeling, das ist mittlerweile in den meisten Köpfen angekommen. Aber irgendwie wird Mini auch ständig darauf reduziert. Was steckt sonst noch in dem kultigen Wägelchen?

Als erstes eine gehörige Prise Humor. Bei Mini nimmt man es ein bisschen lockerer. Das Interieur ist nicht streng und emotionslos, sondern mit einer gehörigen Portion Pepp gestaltet. Wohin das Auge blickt, entdeckt man runde Flächen und Formen, viele Funktionen werden über Kippschalter gesteuert. Jener, der für den Motorstart zuständig ist, leuchtet sogar rot und pulsiert ungeduldig, wenn er nach dem Einsteigen nicht sofort betätigt wird. Die ungewöhnliche Fensterlinie und ­form bleibt auch im Innenraum nicht unbemerkt. Da die Windschutzscheibe steil und weit vorne ist, geniesst man eine grandiose Übersicht. Ausserdem wähnt man sich in einem grösseren Auto als einem Zwerg, wie der Mini Cooper einer ist.

Überhaupt, das Aussendesign. Beim VW Golf heisst es ja immer, er dürfe nur behutsam überarbeitet werden, er müsse stets als Golf erkennbar sein. Ja, und der Mini erst? Zwischen Golf Nummer eins und sieben liegen Welten, die Zusammengehörigkeit vom Ur­Mini und dem aktuellen Modell ist jedoch auf Anhieb erkennbar. Die Scheinwerfer, die Rücklichter, die Fensterlinie, die Türform, die Motorhaube, es ist alles mehr oder weniger beim Alten geblieben. Trotzdem wirkt der heutige Mini Cooper modern und keinesfalls aus der Zeit gefallen. Dieses Kunststück muss Mini erst einmal jemand nachmachen. Einerseits erkennt der grösste Auto-Desinteressierte den Mini. Aber um welche Generation handelt es sich da genau? Das wissen nur Mini-Designer und Mini-Ahnenforscher mit hundertprozentiger Sicherheit.

Wer eine Ausfahrt mit dem neuen Mini unternimmt und zumindest einmal in einem älteren Mini gesessen ist, dürfte den Neuen schnell als solchen erkennen. Denn wofür ist Mini auch bekannt? Richtig, der Tachometer im Format einer Küchenuhr prangt in der Mitte des Cockpits. Tja, Tempi passati. Auch bei Mini sitzt der Tacho mittlerweile dort, wo er hingehört, nämlich hinter dem Lenkrad. Beim Motorstart kommt gleich der nächste Aha­Effekt, denn anhand des deutlich vernehmbaren Schnattern aus dem Motorraum kommen keine Zweifel auf: Hier kümmert sich ein Dreizylinder um den Vortrieb, ebenfalls ein Novum bei Mini.

Der 1,5­Liter grosse Dreizylinder-Turbobenziner mit 135 PS Leistung macht keinen Hehl daraus, dass er ein wenig unrund läuft. Dafür soll er sich im Mittel mit 4,6 l/100 km begnügen. Auch im warmen Zustand rattert das Aggregat fröhlich vor sich hin. Spezielle Motordämmung, Ausgleichswelle? Pha. Aber hey, es ist ein Mini, dort, wo nicht alles so ernst und seriös ablaufen muss. Und der Klang des Motors ist zwar präsent, aber nicht störend, denn irgendwie passt das Dreizylinder-Schnurren zum Mini. Er hat einfach viel mehr Charme als ein gesichtsloser Vierzylinder.


Der heutige Mini Cooper wirkt modern und keinesfalls aus der Zeit gefallen. (Bild: © Konstantin L - shutterstock.com)

Der heutige Mini Cooper wirkt modern und keinesfalls aus der Zeit gefallen. (Bild: © Konstantin L – shutterstock.com)


Um seinen vollen Charme zu entlocken, braucht es aber ein wenig Geduld. Zwar schiebt das muntere Aggregat ab 4000 Touren kräftig an und klingt auch kernig, aber durch das lang übersetzte Getriebe fehlt dem Motor die Lust am Drehen. Das ist schade, denn ich verstehe nicht, was ein lang übersetztes Getriebe in einem fahraktiven Mini zu suchen hat. Da baut Mini ein knackiges Rührwerk, das beim Runterschalten sogar automatisch Zwischengas gibt, und dann hemmt es die Drehfreude des Motors. Damit das angeborene Talent vom Kurvenräubern am besten zur Geltung kommt, habe ich auf Bergstrassen ganz einfach auf die Gänge fünf und sechs verzichtet, die bremsen den Mini eh nur aus.

Denn obwohl der Testwagen mit dem Standardfahrwerk zum Test angetreten ist, hat er mich in Kurven jeglicher Art überzeugt. Je enger, desto spassiger. Die Lenkung ist präzise und lenkt äusserst direkt ein, Untersteuern tritt erst bei Kurventempi auf, die sowieso nicht mehr empfehlenswert sind. Kaum zu glauben, dass es mit dem optionalen Sportfahrwerk noch besser gehen soll. Vielleicht ist das Standardfahrwerk gar die bessere Wahl, denn es bewahrt die Insassen auf Autobahnetappen vor allzu üblen Stössen. Auf der Autobahn ist da noch der optionale Abstandstempomat, der ins Spiel kommt. Dem fehlt allerdings das wichtigste Sinnesorgan, nämlich ein anständiger Radar. Beim Mini muss eine Kamera hinter dem Innenspiegel genügen – in der Praxis wird aber schnell klar, dass die Kamera nichts wert ist. Bereits bei mässig starkem Regen gibt der Abstandstempomat mangels Durchblick den Geist auf und verweigert den Dienst. Auf dieses unnötige Gadget kann man daher getrost verzichten.

Was steckt vor allem im Mini Cooper? In erster Linie ein gesundes Selbstbewusstsein. Ja, im Segment der normal motorisierten Kleinwagen ist er definitiv der ambitionierteste Kurvenräuber und sein Innenraum entspricht einer höheren Klasse. Ausserdem sind da noch der Kultstatus und die Historie. Das alles lässt sich Mini, resp. BMW, fürstlich bezahlen. Bereits der Einstiegspreis von 25’900 Franken ist alles andere als günstig, der Testwagenpreis von 42’360 Franken entspricht dann definitiv ebenfalls einer höheren Klasse. Der Testverbrauch von 6,4 l/100 km ist ebenfalls nicht wirklich mini­mässig, sondern entspricht dem eines grösseren Modells.



Aber da ist ja diese junge Dame mit dem Kaugummi­Ballon in der Preisliste abgebildet. Lässiges Image kann man sich eben fürstlich bezahlen lassen. Andererseits sind Minis ziemlich wertstabil. Wenn man seinen Mini verkaufen will und gerade dran ist, den Preis zu verhandeln, kann ja selber versuchen, einen Kaugummi aufzublasen. Vielleicht ist der potentielle Käufer dann sogar bereit, einen höheren Preis zu bezahlen. Wegen dem lässigen Image des Vorbesitzers…

 

Oberstes Bild: © Panutphong – shutterstock.com

Über Koray Adigüzel

Koray Adigüzel aus Glarus, 22 Jahre jung, studiert an der HTW Chur Multimedia Production. Als absoluter Autonarr führt er einen Autoblog, wo er der Seele des Autos auf der Spur ist. Nach dem Studium wird er in den Autojournalismus einsteigen, auch, weil das Durchschnittsalter in der Branche dringend gesenkt werden muss. ;-)

Webseite: korayscarblog.ch


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