Nissan Juke Nismo RS: Zu viel des Guten?

26.05.2015 |  Von  |  Allgemein
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Juke Nismo? Gab es mal. Inzwischen hat die ganze Juke Baureihe ein Facelift bekommen, wovon auch der Juke Nismo profitiert. Allerdings hat dieser eine weitere Leistungsspritze erhalten und bringt es nun auf 218 PS.

Offenbar Grund genug für Nissan, ihn gleich Juke Nismo RS zu nennen. Berechtigt oder übers Ziel hinausgeschossen?

Der Nissan Juke ist immer für einen Witz zu haben. Eine dermassen mutige Kreuzung verschiedener Fahrzeuggattungen hat ansonsten niemand im Portfolio. Deshalb trieb Nissan im Jahr 2012 das Konzept auf die Spitze und baute zwei Juke-R mit dem Motor vom GT-R. Absurder geht’s kaum noch. Anschliessend wollte Nissan seine Sportmarke Nismo in Europa etablieren und das erste Nismo-Derivat war ausgerechnet ein Juke. Doch mit einem Leistungsplus von lediglich 10 PS zum normalen Juke und einem überarbeiteten Fahrwerk trug der Juke Nismo seinen Beinamen kaum zu Recht.

Anscheinend sah das Nissan genauso, weshalb aus dem Juke Nismo stillschweigend der Juke Nismo RS wurde. Der ist zwar deutlich geschärft worden, aber eigentlich hat er dasselbe Problem wie der ehemalige Juke Nismo. Ein Auto, das die Bezeichnungen Nismo (Nissan Motorsport) und RS (Racing Sport) mit sich trägt, weckt zweifelsohne enorm hohe Erwartungen an die Fahrdynamik. Und wenn ich mir den Juke Nismo RS, der trotz wuchtigem Bodykit in erster Linie immer noch ein Juke ist, anschaue, komme ich schon ein wenig ins Grübeln, ob der stärkste Juke diese Erwartungen auch nur ansatzweise erfüllen kann…

Beim Blick ins Interieur könnte man zwar meinen, dass Nissan es richtig ernst meint. Recaro-Schalensitze dominieren den Innenraum und bringen sportliches Flair in den Juke Nismo RS. Schade, dass man in den Schalensitzen (2000 Franken extra) höher sitzt als in konventionellen Sitzen. Dafür bieten sie perfekten Halt und schmiegen sich wie eine zweite Haut um Fahrer und Beifahrer. Auch das Leder-Alcantara-Lenkrad mit Nullpunkt-Markierung liegt sehr gut in der Hand. Leider schafft es Nissan nicht, dass das Lenkrad auch in der Tiefe verstellbar ist, was eine optimale Ergonomie verhindert.


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Sobald man die Sitze und das Lenkrad aus den Augen lässt, wird auch klar, dass das Juke-Interieur eine eher triste Sache ist. Viel Hartplastik und eine mässige Verarbeitung trüben das Bild, vor allem, weil Nissan es eigentlich viel besser kann.

Bereits auf den ersten Metern macht der Juke Nismo RS aber einen hervorragenden Fahreindruck. Er lässt sich äusserst präzise dirigieren und fühlt sich zudem sehr handlich und agil an. Das trockene, knackige Schaltgetriebe mit kurzen Schaltwegen verspricht viel Fahrspass. Mein Testwagen verfügt über Frontantrieb und das ist auch gut so. Den ebenfalls erhältlichen Allrad-Nismo kann man sich nämlich getrost schenken. Dass man mit dem Allradantrieb ein stufenloses Getriebe aufgehalst bekommt, ist nur die Spitze des Eisbergs: Das Gewicht erhöht sich, Leistung, Drehmoment und somit auch die Fahrleistungen verringern sich und der Kofferraum schrumpft. Aber das Beste kommt noch – der Preis steigt. Es spricht also rein gar nichts für den Allradantrieb, hingegen hat die Variante mit Frontantrieb ein ganz grosses Ass im Ärmel: Ein mechanisches Sperrdifferential.

Wenn man dem Juke Nismo RS die Sporen gibt, leistet es hervorragende Arbeit, indem das Auto wie von Geisterhand in die Kurve hineingezogen wird und jegliches Untersteuern im Keim erstickt. Ich muss schon sagen, seinen erhöhten Schwerpunkt kaschiert der Nismo erstaunlich gut. Auch sein 1,6-Liter Turbomotor bringt das nötige Temperament mit, denn wer ihn ganz ausdreht, wird mit einem zusätzlichen Schub ab etwa 4500 Umdrehungen belohnt. Der Sound ist zwar nicht besonders präsent, dafür klingt er gut – und vor allem echt und nicht künstlich. Der Juke Nismo RS bietet doch erstaunlich grossen Fahrspass, allerdings zu einem recht hohen Preis. Damit ist nicht der Anschaffungspreis gemeint, sondern der Verbrauch. Rund 9,0 l/100 km anstelle der versprochenen 7,2 l/100 km genehmigte sich der Crossover im Test. Dazu kommt noch, dass er teures 98er Benzin verlangt.



Da der Juke Nismo RS ein äusserst spezielles Auto ist, ist in meinen Augen auch die Zielgruppe eher klein. Der Juke Nismo RS hat eindeutig sportliche Züge, allerdings kommt er an die klassischen Hot Hatches nicht ganz ran, dafür ist sein Gewicht etwas zu hoch und seine Leistung ein bisschen zu tief. Somit ist er eine gute Wahl für all jene, die eine erhöhte Sitzposition, aber gleichzeitig auch ein sportliches und agiles Auto wollen. Zu haben ist der Juke Nismo RS ab 35’400 Franken, wobei die Serienausstattung sehr umfangreich ist. Nur zu bunt darf es der Kunde nicht mögen, denn Nissan hat für den Juke Nismo RS lediglich die Farben Schwarz, Weiss und Silber im Angebot.

 

Bilder: © Koray Adigüzel

Über Koray Adigüzel

Koray Adigüzel aus Glarus, 22 Jahre jung, studiert an der HTW Chur Multimedia Production. Als absoluter Autonarr führt er einen Autoblog, wo er der Seele des Autos auf der Spur ist. Nach dem Studium wird er in den Autojournalismus einsteigen, auch, weil das Durchschnittsalter in der Branche dringend gesenkt werden muss. ;-)

Webseite: korayscarblog.ch


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