Nissan 370Z Nismo: Hart, aber herzlich

07.05.2015 |  Von  |  Auto, Neuwagen
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Nissan 370Z Nismo: Hart, aber herzlich
4.3 (86.67%)
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Man hört es immer wieder. Die Rede ist vom “ehrlichen” Fahrspass. Aber…was bedeutet eigentlich “ehrlich” in Bezug auf ein Auto? Ein Auto kann doch nicht lügen? Oder etwa schon?

In Pressemitteilungen wird häufig mit Superlativen um sich geworfen, etwa wie sportlich sich ein Auto bewegen lässt. Aber was wahrer – eben ehrlicher – Fahrspass ist, das weiss man erst, wenn man mit dem 370Z Nismo unterwegs gewesen ist.

Um es vorneweg zu nehmen: Der Nissan 370Z Nismo ist weit von einem perfekten Auto entfernt. Je nach dem, nach welchen Massstäben man ihn beurteilt, ist er sogar ein ziemlich schlechtes Auto. Aber ein spezielles Auto erfordert eben auch einen speziellen Massstab. Der 370Z Nismo ist nämlich so dermassen kompromisslos abgestimmt, dass ich ihn ohne Weiteres als strassentaugliches Track­Tool bezeichnen würde – mit Betonung auf strassentauglich und nicht auf alltagstauglich. Mit seinen zwei Schalensitzen, dem sehr flachen Kofferraum und dem harten Fahrwerk stellt er unmissverständlich klar, dass er nicht das richtige Gerät ist, um mal schnell ein paar Brötchen einzukaufen. Aber, böser Fauxpas von Nissan: Das nur in der Höhe verstellbare Lenkrad ist nicht unbedingt förderlich für eine einwandfreie Ergonomie.

Der 370Z Nismo will gebändigt werden

Aber das soll niemanden davon abhalten, sich dem 370Z Nismo hinzugeben und den Motor starten. Der V6 unter der Haube meldet sich mit heiserem Brummen zum Dienst. Der 3,7­Liter Motor atmet völlig selbstständig, nix Kompressor, nix Turbo, sondern reiner Maschinenbau, wie man ihn immer seltener findet. Dass das Voll­Aluminium-Triebwerk an ein manuelles 6­Gang-Getriebe gekoppelt ist, ist Ehrensache. Automatikgetriebe? Pha. In diesem Auto muss noch gearbeitet werden. Die Gänge wollen mit Nachdruck eingedrückt werden, die Kupplung schnappt fast noch bissiger zu als die Brembo-Bremsanlage. Es ist vor allem die Intensität, die ich mit einem ehrlichen Fahrerlebnis verbinde. Man hört und spürt, wie die Mechanik im 370Z Nismo arbeitet, es ist nicht einfach nur Gas geben und losbrausen. Dazu kommt eine Direktheit, wie man sie nur von Supersportlern kennt. Gas und Bremse reagieren nur schon, wenn man das Pedal bloss streichelt und die Lenkung setzt jeden noch so kleinen Impuls unmittelbar in einen Richtungswechsel um.


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Es braucht Drehzahlen!

Turbo­verwöhnte Fahrer werden erst einmal staunen, wie schwachbrüstig der Nismo unter 3000 Umdrehungen ist. Das Ansprechverhalten ist zwar kaum zu toppen und auch mit 1250 Touren durch Ortschaften zu gondeln ist überhaupt kein Problem – Hubraum sei Dank. Der Schub baut sich allerdings langsam und kontinuierlich auf. Wer den Nismo also über eine Passstrasse prügelt, tut gut daran, den Motor immer schön im Bereich zwischen 4000 und 7500 Umdrehungen zu halten, denn dort spielt die Musik – im wahrsten Sinne des Wortes.

Unter rauem, metallischem V6 Getöse stürmt der Nismo die Drehzahlleiter empor, und wenn sich der Motor bei über 7000 Umdrehungen die Seele aus dem Leib brüllt, werden Brennräume und Gehirn gleichermassen durchflutet – letzteres von Adrenalin. Dass der 370Z Nismo ein sehr trinkfester Geselle ist, liegt auf der Hand. Je nach Fahrweise können es unter 10, aber auch über 14 Liter auf 100 Kilometer sein. Im Schnitt waren es schliesslich 11,8 l/100 km. Relativ gesehen gar nicht so weit vom Normverbrauch (10,6 l/100 km) entfernt.

Aufs Wesentliche reduziert

Was das Handling angeht, so spielt der Nismo ganz klar an der Spitze seiner Liga. Diese einzigartige Präzision und Leichtfüssigkeit haben einen ganz simplen Grund. Weniger Gewicht lässt sich agiler bewegen. Obwohl der 370Z optisch sehr wuchtig erscheint, ist er mit 1490 Kilo vergleichsweise leicht. Zum Vergleich: Der nur minimal grössere Jaguar F­Type wiegt 300 Kilo mehr! Der 370Z Nismo ist vollkommen aufs Fahrererlebnis fokussiert. An Bord sind Tempomat, Navi, Klimaautomatik, Bose Soundsystem und eine Rückfahrkamera. Sonstigen technischen Krimskrams gibt’s bei Nissan weder für Geld noch für gute Worte.



Wer trotz (verwässertem) Sportwagenfeeling unbedingt noch einen Spurhalteassistenten und Massagesitze benötigt, der soll sich doch bei der ach so feinen Premium­Konkurrenz aus Deutschland umschauen. Der 370Z ist ein kompromissloses all­inclusive Package: Für 65’500 Franken – kein einziges Extra ist verfügbar – erhält man einen reinen Sportler, der ausschliesslich fürs sportliche Fahren gebaut wurde. Nix Komfort, nix Alltagstauglichkeit, einfach nur: Freude am Fahren. Ups, habe ich da versehentlich einen fremden Markenslogan zitiert? Tja, sorry liebe Bayern: DAS ist wahre Freude am Fahren.

 
Bilder: © koray adigüzel

Über Koray Adigüzel

Koray Adigüzel aus Glarus, 22 Jahre jung, studiert an der HTW Chur Multimedia Production. Als absoluter Autonarr führt er einen Autoblog, wo er der Seele des Autos auf der Spur ist. Nach dem Studium wird er in den Autojournalismus einsteigen, auch, weil das Durchschnittsalter in der Branche dringend gesenkt werden muss. ;-)

Webseite: korayscarblog.ch


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