Mercedes CLA Shooting Brake: Showstar mit Macken

07.09.2015 |  Von  |  Neuwagen
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Der Mercedes CLA Shooting Brake ist eine atemberaubende, makellose Erscheinung. Innen und unter dem Blech steckt jedoch eine gewöhnliche A-Klasse.

Das Auge isst mit. Beim Mercedes CLA Shooting Brake wird hauptsächlich das Auge verwöhnt. Schnittige, aggressive Front mit fesselndem Blick und Diamantgrill, langgezogene, abfallende Dachlinie, knackiges Heck mit wunderbar geschwungenen Rücklichtern. Keine Frage, dieses Auto schindet mächtig Eindruck.

Auch das Interieur präsentiert sich auf den ersten Blick edel und piekfein eingerichtet, vor allem die Integralsitze wirken sehr sportlich und ziehen die Blicke auf sich. Doch beim Hinsetzen und genauem Hinsehen kommen die einzelnen Schwachpunkte ans Licht. Der Mitteltunnel ist von hartem Kunststoff ummantelt, das Display knarzt auf holpriger Strecke. Die Sitze sind zwar sehr bequem und bieten wunderbaren Seitenhalt und wie von Mercedes nicht anders zu erwarten, ist die Ergonomie perfekt. Doch obwohl man in einem grösseren Auto sitzt, ist der CLA Shooting Brake innen sehr eng, erstaunlicherweise vor allem vorne. Die Innenraumbreite lässt arg zu wünschen übrig.

Hier kommt die A-Klasse zum Vorschein, denn der kleinste Stern ist vor allem für seine Enge bekannt. Hinten ist der Platz nicht überwältigend, aber okay. Auf jeden Fall um Welten besser als in der höhlenartigen A-Klasse. Der Kofferraum, normalerweise Kernelement eines Kombis, ist zwar auch beim Shooting Brake recht gross, die Luke aber unpraktisch eng geschnitten. Egal, denn seinen Trumpf als Designobjekt spielt der CLA Shooting Brake im Dunkeln wieder aus, wenn die orange Ambientebeleuchtung das Auto in ein sportliches, diffuses Licht taucht. Besonders schick ist die Beleuchtung in den Sitzen.


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Stichwort sportlich. Alleine die Form lässt darauf schliessen, dass der CLA unter seinem hübschen Blechkleid ziemlich athletisch ist. Denn auch die A-Klasse fährt fahrdynamisch auf einem hohen Niveau, nicht zuletzt aufgrund des sehr straffen, fast schon harten Fahrwerks. So erstaunt es nicht, dass das Handling des Shooting Brake auf der ganzen Linie überzeugt. Die Lenkung könnte aus einem Sportwagen stammen, ist wunderbar direkt und präzise. Der CLA lenkt willig ein und stürmt ohne Seitenneigung um engste Kurven. Das Fahrwerk ist ebenfalls hervorragend, nicht zu hart, aber dennoch auf der sportlichen Seite. Hier harmonieren Design und Fahrdynamik, der Shooting Brake hält, was seine Optik verspricht. War ja nicht anders zu erwarten. Ist der CLA einmal in Schwung gekommen, steht dem Fahrspass nichts mehr im Wege. Naja, zumindest so lange, bis er nicht abgebremst wird…

Nicht die Bremse ist das Problem, die lässt sich hervorragend dosieren, bietet angemessenen Gegendruck. Die Achillesferse des Shooting Brakes ist sein 7-Gang Doppelkupplungsgetriebe, das unverändert aus der A-Klasse übernommen wurde. Seit jeher kämpft das Getriebe mit einer gewaltigen Anfahrschwäche und einer starken Verzögerung beim heftigen Beschleunigen. Bis sich das Getriebe da gesammelt und den richtigen Gang eingeworfen hat, könnte die Möglichkeit zum Überholen bereits wieder vorbei sein. Der Griff zu den Schaltpaddeln entschärft die Situation ein wenig, an die Perfektion eines DSG von VW kommt das Getriebe aber niemals heran. Das finde ich deshalb doppelt schlimm, weil die A-Klasse bereits seit drei Jahren auf dem Markt ist und niemand bei Mercedes es für nötig gehalten hat, das Getriebe für kommende Varianten auf Basis der A-Klasse zu überarbeiten.


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Kommen wir wieder zum Design zurück. Weil beim Aussendesign wirklich alles gegeben wurde, scheint es nicht mehr fürs Sounddesign gereicht zu haben. Klar muss der Shooting Brake nicht wie ein Rennwagen klingen, aber einen sonoren, schönen Motorsound erwartet man schon, wenn man das Auto so vor sich sieht. Offenbar sieht man das bei Mercedes anders. Der 2,0-Liter Turbobenziner dröhnt unter Vollast enorm angestrengt, der Antrieb erinnert eher an einen Staubsauger als an einen Automotor, ganz schlimm.

Erstaunlich finde ich, dass er nicht nur aussen, sondern auch innen so mies klingt. Okay, immerhin gaukelt einem Mercedes nichts vor, man kann es auch positiv sehen. Aber dieser Motorsound ist schon fast eine Zumutung…Schade, weil der Motor an sich wäre eigentlich gut und kräftig, zieht bereits unten heraus willig durch und dreht ohne zu schwächeln hoch. Aber der Sound und vor allem das Zusammenspiel mit dem Getriebe lassen den Antrieb um einiges träger wirken, als er es tatsächlich ist.

Zeit, Bilanz zu ziehen. Ich rede hier Klartext. Um einen CLA Shooting Brake zu bekommen, wie er auf den Bildern zu sehen ist, sind 81’436 Franken fällig. Das ist nahezu das Doppelte vom Basispreis. Viel Geld, sehr viel Geld. Was bekommt man dafür? Man bekommt einen Kombi, nein, Shooting Brake mit einem Design, das Köpfe verdrehen kann. Ein Traumkörper, sozusagen. Dazu gibt es einen ziemlich engen, aber weitgehend hochwertigen und sehr edlen Innenraum.



Des weiteren sind noch ein Allradantrieb, diverse Assistenzsysteme sowie sonstige Luxus-Gimmicks wie Panorama-Schiebedach oder Sitze mit Memory-Funktion an Bord. Ist der CLA Shooting Brake unter dem Strich sein Geld wert? Nein, ganz bestimmt nicht. Aber ist eine Louis Vuitton-Handtasche ihr Geld wert…?


Mercedes CLA ShootingBrake-Technische Details


 

Oberstes Bild: © Teddy Leung – shutterstock.com
Bilder Gallerie: © Koray Adigüzel

Über Koray Adigüzel

Koray Adigüzel aus Glarus, 22 Jahre jung, studiert an der HTW Chur Multimedia Production. Als absoluter Autonarr führt er einen Autoblog, wo er der Seele des Autos auf der Spur ist. Nach dem Studium wird er in den Autojournalismus einsteigen, auch, weil das Durchschnittsalter in der Branche dringend gesenkt werden muss. ;-)

Webseite: korayscarblog.ch


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