Leasing – Chancen und Risiken realistisch einschätzen

17.06.2015 |  Von  |  Allgemein
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Leasing – Chancen und Risiken realistisch einschätzen
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Für viele Fahrzeughalter in der Schweiz wirkt der Modus des Leasings besonders attraktiv. Für eine vergleichsweise günstige Monatsrate von wenigen Hundert Franken pro Monat lassen sich selbst brandneue und gehobene Fabrikate aller namhaften Automobilmarken preisgünstig fahren und nach persönlichen Vorlieben individualisieren.

Je nach Gestaltung des Leasingsvertrags drohen jedoch Umstände, in denen sich die Entscheidung gegen den direkten Kauf eines Neuwagens oder einer Occasion später als nachteilig herausstellen. Gerade private Fahrzeugbesitzer sind hiervon betroffen und sollten sich die Entscheidung zum Leasing genau überdenken, wobei klassische Problemfälle in der Endabrechnung mit dem Leasinggeber nicht vernachlässigt werden sollten.

Grundlegende Konditionen im Leasingvertrag frühzeitig überprüfen

Im Wesentlichen sind beim Abschluss eines Leasingvertrags zwei Punkte zu beachten. Der erste Punkt betrifft potenzielle Schäden oder Mängel, die im Laufe der Monate und Jahre eingetreten sind und die Übergabe eines einwandfreien Fahrzeugs in dessen ursprünglichem Zustand erschweren. Natürlich ist es dem Leasinggeber bekannt, dass er das Automobil nicht mehr als Neuwagen übernimmt. Die Beseitigung von Schäden oder die Durchführung regelmässiger Wartungsarbeiten wird jedoch je nach Dienstleister unterschiedlich gehandhabt. Im schlimmsten Fall wird der Leasingnehmer gegen Ende des Vertrags noch einmal Zahlungen in Höhe eines drei- oder vierstelligen Frankenbetrags leisten müssen, obwohl er sich bereits während der Vertragslaufzeit um einen pfleglichen Umgang mit dem Auto bemüht hat.

Der zweite Punkt ist die Übernahme des Autos nach Ende der Vertragslaufzeit, der von den meisten Leasingnehmern gewünscht ist. Eine Selbstverständlichkeit stellt diese Übernahme nicht dar und muss noch vor Vertragsabschluss schriftlich fixiert werden, wozu nicht jeder Leasinggeber bereit ist. Gründe müssen nicht angegeben werden, warum
sich der Leasinggeber gegen den Kauf des Fahrzeugs durch den Leasingnehmer entscheidend. Zusammen mit den genannten Reparatur- und Wartungskosten bei der Übergabe bedeutet dies im Extremfall, dass der Leasingnehmer nach seiner letzten Rate hohe Zusatzkosten für das Automobil tragen muss und dieses hiernach nicht einmal übernehmen darf.

Leasingverträge ähnlich wie Versicherungsverträge behandeln

Experten der Branche raten, die Suche nach einem Leasingpartner ähnlich wie die Auswahl einer KFZ-Versicherung zu gestalten. Die Auswahl an Unternehmen ist gross, wobei sie nur auf den ersten Blick vergleichbare Konditionen anbieten. Nicht alleine auf den Preis in Form monatlich zu zahlender Raten oder Beiträge kommt es an, der Teufel liegt wie so häufig im Detail der vertraglichen Gestaltung. Wer genau weiss, welche Leistungen ihm persönlich besonders wichtig sind, wird zu einem massgeschneiderten Vertrag gelangen. Falls bereits einzelne Klauseln gegen die eigene Überzeugung sind, ist Abstand von diesem zu nehmen und nach alternativen Angeboten zu suchen.


Gerade private Fahrzeugbesitzer sollten sich die Entscheidung zum Leasing genau überdenken. (Bild: © Photographee.eu - shutterstock.com)

Gerade private Fahrzeugbesitzer sollten sich die Entscheidung zum Leasing genau überdenken. (Bild: © Photographee.eu – shutterstock.com)


Im Bereich Leasing gibt es ähnlich einer Autoversicherung echte Klassiker, mit denen sich jeder Vertragsnehmer auseinandersetzen muss. Der wohl wichtigste Punkt ist die Einschätzung des Restwertes, die der Leasinggeber meist als Listenpreis für ein Fahrzeug des entsprechenden Alters einkalkuliert. Wird das Auto durch die Leasingbank bzw. den Leasingdienstleister verkauft und hierbei nicht der eingeplante Preis erzielt, muss der Leasingnehmer für die Differenz im Kaufpreis aus privater Tasche aufkommen. Genau dieser Umstand wird im Leasingvertrag festgehalten und fällt Betroffenen nur auf, wenn sie diese Risikosituation erkennen. Selbst bei einem gewissenhaften und pfleglichen Umgang mit dem Leasingfahrzeug kann es im Nachhinein zu Problemen kommen.

Die vertragliche Festlegung des Restwertes

Um das obige Problem zu umgehen, bietet sich eine Fixierung des Restwertes im Leasingvertrag an. Viele seriösen Leasinggeber sind hierzu bereit und sorgen beim Vertragspartner für die gewünschte Sicherheit. Natürlich ist der genannte Preis auch für den Leasingnehmer bindend, falls sich dieser zum Ende der Vertragslaufzeit hin für eine Übernahme des Autos entscheidet. Wurde die Verhinderung einer Übernahme des Fahrzeugs oben bereits kritisiert, sollte umgekehrt keinerlei Verpflichtung für den Leasingnehmer bestehen, das Fahrzeug für den Restwert zu kaufen. Vertraglich sollte man sich die Freiheit erhalten, für oder gegen die Übernahme zu entscheiden.

Zusätzliche Kilometer und ihre Auswirkungen auf den Leasingpreis

Damit der im Vertrag festgelegte Restwert zum Ende des Leasingvertrags tatsächlich noch gegeben ist, setzt der Leasinggeber eine bestimmte Fahrleistung des Automobils voraus. Wird dieses über den Zeitraum des Leasings hinweg seltener genutzt und ist in einem dementsprechend besseren Zustand, stellt dies alleine einen Vorteil des Leasinggebers dar. Umgekehrt wird der Leasingnehmer häufig teuer zur Kasse gebeten, falls er die vertraglich festgelegte Fahrleistung überschritten hat. Selbst wenn es sich nur um wenige Kilometer mehr handelt, können hierfür teure Nachzahlungen anstehen. Ein umso bitterer Umstand, wenn das Automobil nicht selbst übernommen werden soll oder darf.

Kundenfreundliche und zeitgemässe Leasingverträge bieten einen gewissen Spielraum. Eine Laufleistung des Fahrzeugs während des Leasings wird zwar festgehalten, allerdings wird dem Vertragsnehmer ein etwas grösserer Spielraum eingeräumt, ohne gleich teure Zuzahlungen fürchten zu müssen. Wird während der Vertragslaufzeit deutlich, dass die ursprünglich festgelegte Fahrleistung übertroffen wird, ist das direkte Gespräch mit dem Leasingpartner zu suchen. Eventuell lassen sich hier fairere Konditionen aushandeln, als wenn zum Ende des Vertrags eine komplette Endabrechnung stattfindet, in die weitere Kosten für Fahrzeugmängel einspielen und die Verhandlungsbasis zwischen beiden Seiten vergiftet.



Kleine Kratzer & grosse Unfälle: Die Auswirkungen auf den Leasingvertrag

Alle genannten Aspekte eines guten oder schlechten Leasingvertrags sind verglichen mit den Problemen harmlos, die bei einer Beschädigung des Fahrzeugs bis hin zum grösseren Unfall drohen. Kleinere Kratzer werden sich nach einigen Jahren häufig nicht vermeiden lassen, seitens des Leasinggebers jedoch sehr ungern gesehen. Meist werden Gutachter beauftragt, die über den Ausmass des Verschleisses entscheiden und den Leasingnehmer hierfür zur Kasse bitten möchten. Grundsätzlich ist eine Nachzahlung für die entstandene Wertminderung des Fahrzeugs rechtens, die Weitergabe der Reparaturkosten für den anschliessenden Verkauf des Automobils zum höheren Preis ist deutlich kritischer. Einer solchen Form der Abwicklung sollte kein Leasingnehmer vertraglich zustimmen.

Ein grösserer Unfall trägt fast immer zu einer umfangreichen Wertminderung des Automobils bei, selbst wenn eine sachgerechte Beseitigung des Schadens durch eine Fach- oder Vertragswerkstatt erfolgt. Auch hier zeigt der Wortlaut im Leasingvertrag, wie kundenfreundlich der Leasinggeber ist und welche Zusatzkosten schlimmstenfalls auf den Vertragsnehmer zukommen. Auch die Art der Gutachtenerstellung für ein beschädigtes Fahrzeug spielt mit ein, wobei der Sachverständige nach Möglichkeit nicht nur vom Leasinggeber gestellt werden sollte. Bei vielen Verträgen wird dem Leasingnehmer eine Chance zur Mitsprache gegeben, damit selbst für kleinste Kratzer ein unabhängiges Urteil erwartet werden darf.


Kleinere Kratzer werden sich nach einigen Jahren häufig nicht vermeiden lassen (Bild: © Andrey Popov - fotolia.com)

Kleinere Kratzer werden sich nach einigen Jahren häufig nicht vermeiden lassen (Bild: © Andrey Popov – fotolia.com)


Die GAP-Deckung der Versicherung als Kostenfaktor bedenken

So kostspielig ein Unfall durch die Wertminderung des Fahrzeugs auch ausfällt – eklatanter wirkt sich ein Totalschaden bei erst kurzer Vertragslaufzeit aus. Die Rückzahlung durch die Vollkaskoversicherung, die stets dem Restwert des Fahrzeugs entspricht, liegt gerade in der Anfangsphase des Leasings weit unter den noch ausstehenden Leasingraten. Der Leasingnehmer muss durch die vertragliche Bindung weiterhin für diese Aufkommen und zahlt die entstehende Lücke aus privater Tasche. Autoversicherung in der Schweiz und anderen Nationen bieten für diesen Umstand die GAP-Deckung an, bei welcher die KFZ-Versicherung diese Finanzierungslücke schliesst und dem Leasingnehmer grössere finanzielle Sicherheit schenkt.

Welchen Aufpreis die GAP-Deckung mit sich bringt und ob der Leasingnehmer überhaupt eine freie Auswahl hat, hängt erneut vom Leasingpartner ab. Manche bieten ihrem Vertragspartner die freie Auswahl der KFZ-Versicherung mit oder ohne GAP-Deckung. Bei anderen wird ohne Mitspracherecht direkt ein Versicherer vorgeschrieben, selbiges gilt für die Integration der GAP-Deckung in den Versicherungsschutz. Die mehr oder weniger hohen Versicherungsbeiträge sind ein Kostenfaktor, der neben den reinen Leasingraten zu sehen ist und sauber kalkuliert werden muss. Grundsätzlich empfiehlt es sich, etwas höhere Leasingkosten zu akzeptieren und hierfür alle Freiheiten bei der Auswahl der Versicherung zu geniessen.

Fazit zu den Risiken beim Fahrzeugleasing

Auch wenn viele der genannten Aspekte gegen ein Leasing zu sprechen scheinen – diese Form der Fahrzeugfinanzierung ist weiterhin interessant und für viele Fahrer lohnenswert. Alleine von der Auswahl des richtigen Leasingpartners mit einer seriösen Vertragsgestaltung hängt ab, ob von einem wirklich fairen Angebot gesprochen werden kann oder Nachteile wie oben beschrieben zu befürchten sind. So sehr manches Leasingangebot von Händlern vor Ort oder online auch lockt – ein sachlicher Vergleich und Blick in die zugehörigen Verträge ist dringend anzuraten. Nur so wird das Ende der Vertragslaufzeit oder ein Unfall während des Leasings nicht zu einer Kostenfalle, die gerade Laien in Automobilfragen beim Vertragsabschluss nicht erkennen konnten.

 

Oberstes Bild: © industrieblick – fotolia.com


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