Kindersitze sind Pflicht – aber welcher ist der richtige?

01.05.2014 |  Von  |  Auto

Geschätzte Lesezeit: 6 minutes

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Für alle Eltern unter den Autofahrern ist es eine der wichtigsten Fragen: Wie sorge ich für die grösstmögliche Sicherheit meines Nachwuchses, wenn ich ihn im Wagen mitnehme? Forschungsergebnisse belegen, dass das Risiko, schwer oder tödlich verletzt zu werden, für ungesicherte Kinder siebenmal so hoch ist wie für gesicherte. Das Sichern allein genügt aber nicht, auch der Qualität kommt eine grosse Bedeutung zu. Denn immer noch sind fast zwei Drittel der Kinder im Fahrzeug nicht optimal geschützt, weil beim Einbau des Sitzes oder beim alltäglichen Anschnallen Fehler gemacht werden.

Wie sichere ich mein Kind im Auto?



Grundsätzlich kommen Sie um einen Kindersitz nicht herum. Die gesetzlichen Vorschriften dazu sind eindeutig, und ein Zuwiderhandeln wird mit Bussgeldern geahndet. Wichtig ist einerseits die Wahl des passenden Schutzsystems, die von Grösse und Gewicht des Kindes bestimmt wird. Andererseits sollten Sie unbedingt die Hinweise der Hersteller zum korrekten Einbau und zur richtigen Sicherung befolgen. Bedenken Sie auch, dass der sicherste Platz für Kinder im Auto der Rücksitz ist. Wann immer möglich, sollten Sie den Kindersitz dort platzieren.

Was sagen die Gesetze?

Die Regelungen für den Transport von Kindern sind in der EU, aber auch in Ländern wie der Schweiz seit einigen Jahren einheitlich geregelt. Alle Kinder, die kleiner als 150 Zentimeter sind, dürfen bis zum zwölften Lebensjahr nur mit entsprechenden Sitzen und Sicherheitsgurten befördert werden. Die Rückhaltesysteme müssen darüber hinaus amtlich genehmigt sein. Die Vorschriften gelten für Pkw, Busse bis zu einem Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen und ebenso für Taxis.

Amtlich genehmigt heisst, dass die Schutzsysteme nach der ECE-Norm R 44 gebaut und geprüft wurden und die ECE-Prüfplakette tragen. Sie müssen für das jeweilige Fahrzeug zugelassen sein, auf dem vorgesehenen Sitzplatz sachgerecht verwendet werden können sowie der Grösse und dem Gewicht des Sprösslings entsprechen. Seit April 2008 sind in allen Ländern Europas nur noch Kindersitze mit den Prüfnormen ECE-R 44-03 und 44-04 erlaubt. Alle älteren Modelle wie 44-01 und 44-02 sind verboten.



Übrigens: In Oldtimern, die nicht mit Sicherheitsgurten ausgerüstet sind, dürfen Kinder unter drei Jahren überhaupt nicht befördert werden.



Einteilung in fünf Gewichtsklassen



Kindersitze sind nach dem Gewicht auszuwählen. Dafür stehen fünf Klassen zur Verfügung:

  • Gruppe 0 (bis 10 kg, Alter ca. 9 Monate)
  • Gruppe 0+ (bis 13 kg, Alter ca. 18 Monate)
  • Gruppe I (9–18 kg, Alter ca. 9 Monate bis 4,5 Jahre)
  • Gruppe II (15–25 kg, Alter ca. 3 bis 7 Jahre)
  • Gruppe III (22–36 kg, Alter ca. 6 bis 12 Jahre)

Wichtig: Die Babyschalen der Gruppen 0 und 0+ müssen rückwärts ausgerichtet sein. Die Halsmuskulatur von Kindern in diesen Altersgruppen ist noch nicht stark genug ausgebildet, um schwere Stösse aufzufangen. Ein Unfall kann deshalb zu sehr schweren bzw. tödlichen Verletzungen an der Halswirbelsäule und am Kopf führen. Wenn Sie eine rückwärts ausgerichtete Babyschale auf dem Beifahrersitz befestigen, müssen Sie den entsprechenden Airbag abschalten, ansonsten besteht akute Lebensgefahr bei einem Aufprall. Zusätzlich muss eine Plakette darauf hinweisen. Zuwiderhandlungen führen nicht nur zu einem Verwarnungsgeld, sondern eventuell auch zu verminderten Leistungen Ihrer Versicherung im Ernstfall.

Isofix-Sitze. (Bild: SeneGal / Shutterstock.com)

Isofix-Sitze. (Bild: SeneGal / Shutterstock.com)

Was sind Isofix-Sitze?

Als sicherste und am einfachsten zu handhabende Befestigung haben sich die sogenannten Isofix-Sitze durchgesetzt. Der Name Isofix leitet sich von der Norm ISO 13216 ab. Dabei handelt es sich um eine standardisierte Steckverbindung nach den ECE-Regeln 14, 16 und 44, mit der ein falscher Einbau und eine falsche Sicherung leicht vermieden werden können. Die meisten neueren Automodelle verfügen über das Isofix-System, zum Teil serienmässig, zum Teil als Sonderausstattung.

Beachten Sie aber bitte, dass es zwei unterschiedliche Zulassungsarten für Isofix gibt. Bei der fahrzeugspezifischen Zulassung dürfen Sie den Kindersitz nur in bestimmten Modellen verwenden. Die universale Zulassung ist für alle Typen geeignet, die Isofix-Befestigungssysteme eingebaut haben. Für weitere Informationen konsultieren Sie am besten die Bedienungsanleitung Ihres Wagens oder den Hersteller bzw. Händler.

Was taugen Verbrauchertests?

Verbrauchertests etwa des ADAC oder der deutschen Stiftung Warentest sind eine nützliche Hilfe, wenn Sie den Kauf eines neuen Kindersitzes planen. Sie bewerten die Modelle nach Kriterien wie Sicherheit, Qualität, Komfort, Bedienungsfreundlichkeit sowie Fehlbedienungspotenzial. Neuerdings wird auch auf Schadstoffe in den verwendeten Materialien getestet. Sie sollten aber die Bewertung der Sicherheit bei Ihrer Entscheidung als oberste Priorität sehen.

Der beste Kindersitz nützt nichts, wenn Sie nicht konsequent auf die korrekte Benutzung bei jeder auch noch so kurzen Autofahrt achten. (Bild: lsantilli / Shutterstock.com)

Der beste Kindersitz nützt nichts, wenn Sie nicht konsequent auf die korrekte Benutzung bei jeder auch noch so kurzen Autofahrt achten. (Bild: lsantilli / Shutterstock.com)

Seien Sie konsequent!

Der beste Kindersitz nützt nichts, wenn Sie nicht konsequent auf die korrekte Benutzung bei jeder auch noch so kurzen Autofahrt achten. Vermeiden Sie auf jeden Fall, dass Ihr Kind ohne Sicherung

  • auf dem Schoss eines Erwachsenen sitzt,
  • zwischen den Vordersitzen oder vor dem Beifahrersitz steht, weil der „Blick so schön“ ist,
  • im Kindersitz Platz nimmt,
  • auf der Rückbank oder im Laderaum eines Kombis liegt.

Lebensgefährlich ist zudem, wenn ein Erwachsener ein Kind zusammen mit sich selbst sichert oder das Kind zwar in seinem Schutzsystem angegurtet ist, dieses aber lose im Wagen steht.



 

Oberstes Bild: © mathom – Shutterstock.com

Über Ulrich Beck

hat Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert und ist zusätzlich ausgebildeter Mediendesigner im Segment Druck. Er schreibt seit über 30 Jahren belletristische Texte und seit rund zwei Jahrzehnten für Auftraggeber aus den unterschiedlichsten Branchen.


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