Ein echter Kerl: Jeep Renegade

29.07.2015 |  Von  |  Auto
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Ein echter Kerl: Jeep Renegade
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Wäre der Renegade ein Mensch, er wäre klein, aber kräftig gebaut. Von Beruf wäre er Förster, sein Kleidungsstil eher lässig und locker.

Vor allem aber würde er sich nicht darum scheren, was andere machen, sondern sein eigenes Ding durchziehen. Warum? Schaut ihn euch an! Seine Optik spricht Bände!

Ganz ehrlich: Wann habt ihr zum letzten Mal bei einem brandneuen Auto eine dermassen flache und eckige Front gesehen? Eben. Der Jeep Renegade macht komplett auf Retro und wirkt extrem rustikal und rau. Das Interessante dabei ist, dass der Renegade im Gegensatz zu Mini, Cinquecento und Co. gar keinen Urgrossvater aus dem vergangenen Jahrhundert hat. Das hinderte die Jeep-Designer allerdings nicht daran, ihren jüngsten Spross eckig, kantig und geradlinig zu zeichnen. Optik ist Geschmackssache und ich würde den Renegade auf keinen Fall als hübsch bezeichnen, aber er ist cool und hat seinen ganz eigenen Charme.

Was hat das jetzt mit dem eingangs beschriebenen Förster auf sich? Nun, wenn man sich in der Flut der kompakten und Mini-SUVs umschaut, dann sind das in aller Regel nichts weiter als rundgelutschte und aufgebockte Kleinwagen. Wenn es hoch kommt, sind noch Allradantrieb und eine Bergabfahrhilfe mit an Bord. Aber in erster Linie werden Kompakt-SUVs wegen ihrer erhöhten Sitzposition und der grösseren Erscheinung gekauft.


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Diese Argumente bringt der Renegade natürlich auch mit, vor allem die kräftige Erscheinung. Obwohl er mit 4,26 Meter Länge sehr kompakt ist, wirken normale Kompaktwagen richtig filigran neben dem eckigen Renegade. Was aber viel wichtiger ist: Bei Jeep ist der Name Programm und deshalb ist der Renegade in erster Linie das, was umgangssprachlich übergreifend als Jeep bezeichnet wird: ein Geländewagen.

Beim ersten Blick in die Preisliste stutzt man allerdings: Mehrere Motorisierungen sind mit Frontantrieb erhältlich. Jeep? Frontantrieb? Diese seltsame Kombination erklärt sich mit der Bruderschaft des Fiat 500X. Während der 500X ein City-SUV par excellence ist, hat der Frontantrieb beim Renegade meiner Meinung nach lediglich den Nutzen, dass der Normverbrauch niedrig ist (ab 4,6 l/100 km). Am anderen Ende der Skala steht die Trailhawk-Variante mit Geländeuntersetzung, erhöhter Bodenfreiheit und 170-PS-Diesel. Eine bessere Wühlmaus findet man in diesem Segment nirgends.

Mein Testexemplar war nicht das Geländevieh, sondern die Limited-Version. Nichtsdestotrotz ist der Renegade auch so im Gelände sehr stark, wirkt auf der Strasse aber weniger aufdringlich als der Trailhawk mit seinen schwarzen Zierelementen. Der 2,0-Liter Diesel leistet 140 PS und verlangt für seine Dienste gemäss Norm 5,8 l/100 km. Soweit die Theorie. In der Praxis hat der Diesel trotz seinen Kräften kein allzu leichtes Spiel mit dem Jeep, weil dieser mit über 1,6 Tonnen Leergewicht für seine Grösse ein rechter Brocken ist. Zudem läuft der Selbstzünder ziemlich rau.


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Sehr überzeugend ist dafür das 9-Gang-Automatikgetriebe. Trotz der vielen Gänge verschaltet sich das Getriebe nie, sondern verwaltet die Zahnräder clever und vorausschauend. Zudem nutzt es das Drehmoment des Motors und schaltet nicht dauernd in niedrigere Gänge. Da erstaunt es umso mehr, dass der Renegade trotz des fortschrittlichen Getriebes im Test 7,5 l/100 km schluckte. Fragwürdig ist ausserdem die Reichweitenanzeige. Selbst bei konstanter Fahrt springt die Anzeige fröhlich hin und her, +/- 200 km auf einen Schlag sind keine Seltenheit. Die klassische Tankuhr ist da verlässlicher.

Da der Jeep auch geländegängig ist, ist sein Fahrwerk soft abgestimmt, was vor allem auf langen Strecken sehr komfortabel ist. Die Lenkung ist für SUV-Verhältnisse sehr direkt, so dass sich der Renegade präzise dirigieren lässt. Grundsätzlich hat er nichts gegen eine sportliche Gangart, man muss einfach Wankbewegungen vom Fahrwerk in schnell gefahrenen Kurven vertragen. Unruhig oder gar instabil wird der Renegade jedoch nie.

Es steckt viel Technik im Renegade. Technik, um im Gelände vorwärts zu kommen, aber auch aktuelle Assistenzsysteme für die Strasse. Ausserdem ist ein 9-Gang-Automatikgetriebe (noch) nicht State of the Art. Das alles hat aber seinen Preis. Der Einstiegspreis von 24’950 Franken kann man wie so oft ausblenden. Mein schön ausgestatteter Testwagen schlägt mit 43’650 Franken zu buche – aber da ist noch Luft nach oben. Ziemlich viel Geld für ein kleines SUV – pardon, kleiner Geländewagen. Ist er es wert?



Ganz streng genommen sollte er gewisse Fehler nicht haben, bei so einer Preisetikette. Aber soviel Charakterstärke und Männlichkeit (nicht zu vergessen die Geländekompetenzen) kriegt man in dieser Klasse nirgendwo. De facto ist der Renegade eigentlich konkurrenzlos…Das scheint Jeep zu wissen und lässt sich den Renegade etwas kosten.

 

Bilder: © Koray Adigüzel

Über Koray Adigüzel

Koray Adigüzel aus Glarus, 22 Jahre jung, studiert an der HTW Chur Multimedia Production. Als absoluter Autonarr führt er einen Autoblog, wo er der Seele des Autos auf der Spur ist. Nach dem Studium wird er in den Autojournalismus einsteigen, auch, weil das Durchschnittsalter in der Branche dringend gesenkt werden muss. ;-)

Webseite: korayscarblog.ch


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