Der Genfer Autosalon: Diese Trends erwarten uns

06.03.2015 |  Von  |  Allgemein, Auto, Messen/Events
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Der Genfer Autosalon: Diese Trends erwarten uns
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Wohin steuert die Autobranche? Messen sind traditionellerweise die Trendbarometer schlechthin. Nirgendwo sonst tummeln sich so viele Neuheiten und Zukunftskonzepte auf einem Haufen. Welche Trends lassen sich dieses Jahr erkennen? Welches sind die heissesten Modelle? Was kommt in naheliegender Zukunft? Ein Augenschein vom Autosalon in Genf.

Ein ganz grosses Thema ist derzeit der Flottenverbrauch, was sich an der steigenden Anzahl an Plug-in-Hybriden erkennen lässt. Damit die Hersteller bis im Jahr 2020 den strengen Grenzwert von maximal 95 Gramm CO2 pro Kilometer erreichen können, sind Plug-in-Hybride aufgrund ihres extrem geringen Normverbrauchs ein wahrer Segen. Vor allem deutsche Premiumhersteller setzen voll auf die Teil-Elektrifizierung, aber auch viele andere Hersteller, etwa Volvo mit dem neuen XC90, nutzen die elektrische Hilfe um den Spritkonsum in Zaum zu halten.



Hyundai Tucson Plug-in Hybrid (Bild: agentur belmedia)

Hyundai Tucson Plug-in Hybrid (Bild: agentur belmedia)

Ansonsten tut sich in Sachen alternative Antriebe momentan nicht besonders viel. Erdgas-Modelle fristen weiterhin ein Nischendasein, da keine neuen Modelle auf den Markt kommen. Auch neue, reine Elektromodelle waren in Genf nicht zu sehen, wenn man vom superstarken Tesla Model S P85D einmal absieht. Dafür hat Toyota mit dem Mirai ein gewaltiges Ausrufezeichen auf den Messestand gesetzt. Es ist das erste Brennstoffzellen-Fahrzeug, das von jedermann gekauft werden kann. Zwar in einer Kleinserie, aber trotzdem – es ist eine Serienproduktion. Vielleicht kommt damit der Bau der dringend benötigten Infrastruktur langsam in Schwung.

Toyota hat mit dem Mirai ein gewaltiges Ausrufezeichen auf den Messestand gesetzt. (Bild: agentur belmedia)

Toyota hat mit dem Mirai ein gewaltiges Ausrufezeichen auf den Messestand gesetzt. (Bild: agentur belmedia)




Aber auch der gute, alte Verbrennungsmotor hat noch lange nicht ausgedient. Es wird weiterhin geforscht, um den Verbrauch weiter zu senken. Vor allem Dreizylindermotoren treiben heute auch Kombis sowie Vans an und nicht nur Kleinwagen. Was möglich ist, zeigt beispielsweise Peugeot mit dem gelifteten 208, der einen neuen 1,6-Liter Dieselmotor bekam: nur 3,0 l/100 km soll er verbrauchen.

Kleine und kompakte SUVs schiessen weiter wie Pilze aus dem Boden. Diese werden meist von effizienten Dieselmotoren angetrieben, sodass sich auch deren Verbrauchswerte durchaus sehen lassen. Seat zeigt mit einem Concept Car, wie ein SUV von den Spaniern aussehen könnte. Honda zeigt den brandneuen HR-V, der unterhalb vom gelifteten CR-V platziert wird. Suzuki lässt den Vitara vom Stapel, der ziemlich genau gleich gross ist wie der Konkurrent HR-V von Honda. Nicht an der Messe vertreten, aber längst beschlossene Sache, ist der rein elektrische Crossover Model X von Tesla. Auch die chinesische Marke Qoros zeigt einen neuen Crossover. Mittlerweile ist Qoros das dritte Mal in Genf vertreten, aber nach wie vor existiert weit und breit kein Händler, womit die Marke in meinen Augen wenig glaubwürdig wirkt.

Also alles grün und vernünftig? Denkste! Es stehen nämlich verdammt viele Sportwagen oder sportliche Ableger von mehr oder weniger vernünftigen Modellen in Genf herum. Zu den Unvernünftigen, als da wären: Range Rover Sport SVR, Mercedes GLE 63 AMG, BMW X6 M und Porsche Cayenne Turbo S. Ein Dickschiff grösser und stärker als das andere. Aber auch von Brot- und Butterautos sind jede Menge Performance-Modelle zu bestaunen. Ford zeigt den Focus RS, Seat den Leon ST erstmals als Cupra, Honda den lang ersehnten Civic Type R (onemorelap.com hat ihn genauer unter die Lupe genommen) und sogar Hyundai hat einen i30 Turbo am Start. Natürlich sind auch waschechte Sportwagen in Genf vertreten. Porsche Cayman GT4, Porsche 911 GT3 RS, Ford GT, Ford Mustang, Honda NSX, Alfa Romeo 4C Spyder, Audi R8 (auch als e-tron), McLaren 675 LT, Ferrari 488 GTB, Mercedes AMG GT, der letzte gebaute Bugatti Veyron und vor allem der ultimative Über-Hybrid Koenigsegg Regera (0-400 km/h in 20 Sekunden) machen schon allein beim Hinsehen Lust auf mehr.





Audi R8 auf dem Genfer Autosalon 2015 (Bild: agentur belmedia)

Audi R8 auf dem Genfer Autosalon 2015 (Bild: agentur belmedia)




Angesichts der zahlreichen Sportwagen und Sportmodelle frage ich mich allerdings, wie das in Zukunft mit dem Motorsound sein wird. Magere 75 dB sollen bereits ab 2016 der zulässige Höchstwert sein, wobei Radical bei #Radical14 gezeigt hat, dass ein Ferrari bei Vollast gut und gerne 100 dB und mehr erreicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass andere High-Performance-Modelle viel leiser sind. Ich hoffe inständig, dass die Hersteller auf irgendeine Art und Weise ein Schlupfloch finden werden, um dieses Gesetz zu umgehen. Ein Hochleistungssportwagen, der nur noch schnurrt wie ein Dreizylinder, ist in meinen Augen kastriert. Punkt.

Fazit

Einerseits werden in Genf viele vernünftige Modelle gezeigt, vor allem die Plug-in-Hybride werden immer zahlreicher. Ich finde es höchst erfreulich, dass die Plug-in-Hybride meistens als sportliche Modelle positioniert werden. Beim Volvo XC90 beispielsweise wird der Hybrid die Spitze der Baureihe markieren. Aber auch VW macht allein mit der Modellbezeichnung deutlich, dass Golf und Passat GTE alles andere als Spassbremsen sind. Obwohl alle Hersteller fieberhaft daran arbeiten müssen, den Flottenverbrauch zu senken, finde ich es super, dass immer noch Platz für Sportwagen und sportliche Modelle bleibt.

Zwar findet auch dort eine Veränderung statt. Der Ferrari 488 GTB besitzt “nur” noch 3,9 Liter Hubraum, der Ford GT gar nur 3,6 Liter. Der Honda NSX dagegen geht mit Hilfe von drei (!) Elektromotoren als Vollhybrid an den Start. Der Audi R8 ist mit seinem freisaugenden 5,2-Liter V10 einer der wenigen von der alten Schule. Aber die Autobauer schaffen es trotz immer mehr gesetzlichen Hürden, vor Emotionen sprühende Autos zu bauen. Und das ist in meinen Augen das Wichtigste, denn ein Auto muss immer auf irgendeine Art und Weise zu Herzen gehen.



 

Oberstes Bild: Seat zeigt mit einem Concept Car, wie ein SUV von den Spaniern aussehen könnte. (© agentur belmedia)

Über Koray Adigüzel

Koray Adigüzel aus Glarus, 22 Jahre jung, studiert an der HTW Chur Multimedia Production. Als absoluter Autonarr führt er einen Autoblog, wo er der Seele des Autos auf der Spur ist. Nach dem Studium wird er in den Autojournalismus einsteigen, auch, weil das Durchschnittsalter in der Branche dringend gesenkt werden muss. ;-)

Webseite: korayscarblog.ch


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