Daten-Generator Auto: TCS fordert Transparenz

01.06.2016 |  Von  |  Auto
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Daten-Generator Auto: TCS fordert Transparenz
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Moderne Fahrzeuge sammeln und speichern eine Fülle von Daten, die teilweise auch direkt an die Hersteller übermittelt werden. Die gesammelten Daten dienen der Ferndiagnose, der Fehlerbehebung und der Unfallforschung. Einige lassen aber auch Rückschlüsse auf den Fahrstil des Lenkers und das Bewegungsprofil des Fahrzeugs zu.

Der Touring Club Schweiz (TCS) erachtet die heutige Praxis als problematisch und fordert von den Herstellern mehr Transparenz und Mitbestimmungsrechte für die Fahrzeugbesitzer.

GPS, Internet, Bordcomputer sowie zahlreiche Sensoren und Kameras erhöhen im Auto den Komfort, verbessern die Sicherheit und das Handling – und eignen sich dazu, das Auto und den Fahrer permanent zu überwachen. Vielen Autofahrern ist kaum bewusst, dass mit dem Daten-Generator Auto heimlich der Server des Herstellers gefüttert werden könnte – auch mit persönlichen Einsatzprofilen und Gewohnheiten.

Eine Datenübertragung findet oftmals nicht nur dann statt, wenn das Fahrzeug in der Garage gewartet wird und mit dem Diagnosegerät verbunden ist, sondern je nach Automodell kontinuierlich via Mobilfunk.

Der Test

Um sich ein Bild davon zu verschaffen, welche Datenmengen und welche Art von Informationen in modernen Fahrzeugen gesammelt werden, untersuchte der TCS zusammen mit der FIA (Fédération Internationale de l’Automobile) die Steuergeräte folgender exemplarisch ausgewählten Fahrzeuge: BMW 320d,  BMW i3, Mercedes-Benz B-Klasse und Renault Zoe. Die schiere Datenflut überraschte, obschon bei der Untersuchung jeweils nur ein kleiner Teil aller tatsächlich gesammelten und gespeicherten Daten ans Licht kam.

Viele der erhobenen Daten sind technischer Natur und dienen der Verbesserung der Sicherheit und der Diagnosestellung. Dazu zählen etwa die in den Steuergeräten aufgezeichneten Fehler verschiedenster Komponenten. Wie vermutet speichern alle vier Autos jedoch auch viele sogenannte „Nutzerdaten“ sensibles Datenmaterial, welches dazu geeignet ist, den Fahrstil des Lenkers und das Bewegungs- und Nutzungsprofil des Fahrzeugs zu erstellen.

Warum sonst zeichnet zum Beispiel der BMW 320d die Maximaldrehzahl des Motors mit dem jeweiligen Kilometerstand auf? Oder die Dauer der Fahrt in den jeweiligen Modi der des Automatikgetriebes? Oder der BMW i3 die letzten 100 Abstellpositionen des Fahrzeugs? Vergleichen lassen sich die gewonnenen Erkenntnisse allerdings nicht, weil der Untersuchungsumfang bei den vier Autos nicht identisch war.



Geschäfte mit Daten

Diese „Nutzerdaten“ können in bare Münze umgewandelt werden – nicht immer zum Vorteil des Fahrzeughalters. So können zum Beispiel Leasinggesellschaften oder Versicherungen aufgrund präzise aufgezeichneter Gas- und Bremspedalstellungen nach Unfällen Leistungen kürzen. Oder: Wer (zu) oft mit hoher Motordrehzahl unterwegs ist, oder oft stark bremst, könnte bald als Risikofahrer eingestuft werden, was höhere Prämien nach sich zieht – oder bei einem Schaden die Garantieleistungen mindert.

Zudem können Hersteller „ihre“ Autos zur Wartung in ihre Vertragswerkstätten lenken. Moderne Fahrzeuge sammeln, speichern und versenden teilweise mehr Daten, als es vielen Nutzern lieb ist. Aktuell hat faktisch nur der Autohersteller Kenntnis und Zugriff auf die Daten. Der Autobesitzer hat kaum Einfluss und Möglichkeiten. Er muss beim Kauf des Fahrzeugs mit dem Vertrag oft auch entsprechende Klauseln unterzeichnen.

Fazit und Forderungen

  • Um das Vertrauen der Klientel nicht zu strapazieren, sollten die Autohersteller auf mehr Transparenz setzen. Der TCS fordert einen freien Zugang, Datensicherheit und eine Datenhoheit, die beim Autobesitzer liegt.
  • Autohersteller müssen die erhobenen, gespeicherten und übermittelten Daten transparent auflisten und öffentlich darstellen.
  • Autokäufer müssen diese Daten-Listen mit vertretbarem Aufwand einsehen können.
  • Die Daten-Liste muss bei der Lancierung neuer Modelle von neutraler Stelle bezüglich Einhaltung der Datenschutz-Bestimmungen überprüft werden.
  • Stichprobenartig ist zu prüfen, ob der Autohersteller vollständige Daten-Listen vorlegt.
  • Fahrzeugbesitzer, freie Garagen und Pannenhelfer müssen freien Lese-Zugang zu allen Daten im Auto haben. Schreibvorgänge müssen geeignet abgesichert werden.
  • Der Autohersteller muss zu zeitgemässer Datensicherheit verpflichtet werden.
  • Bis auf die gesetzlich vorgeschriebene Daten-Verwendung (zum Beispiel Abgaskontrolle oder eCall) muss der Fahrzeugbesitzer die Datenverarbeitung und -weiterleitung auf einfache Art deaktivieren können, sofern diese nicht zwingend für den Betrieb notwendig ist. Dabei darf die Qualität der zu erwartenden Dienstleistungen nicht beeinträchtigt werden.

 

Artikel von: Touring Club Schweiz/Suisse/Svizzero – TCS
Artikelbild: © ET1972 – Shutterstock.com

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